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«Der raue Ton hat sich sofort geändert, sobald eine Frau dazukam»

Die Publizistin Esther Girsberger trat dem freiwilligen Frauenmilitär bei und wurde später Korporal. Sie sagt, was sie vom Dienstpflichtvorschlag der Avenir Suisse hält und wie sie ihre Dienstzeit im Militär erlebte.

Militärdienst bliebe freiwillig: Mit dem Vorschlag von Avenir Suisse würden Frauen nur dienstpflichtig.
Militärdienst bliebe freiwillig: Mit dem Vorschlag von Avenir Suisse würden Frauen nur dienstpflichtig.
Keystone

Was sagen Sie zum Vorschlag von Avenir Suisse, dass Frauen genauso dienstpflichtig sein sollten wie Männer?

An sich sehr zeitgemäss. Die allgemeine Dienstpflicht ist nicht mit der Militärpflicht zu verwechseln, die keine sozialen Einsätze umfasst. Frauen würden also nicht militärdienstpflichtig.

Was spricht denn dagegen, dass Frauen militärdienstpflichtig werden?

Ein konventioneller bewaffneter Konflikt scheint in der Schweiz unwahrscheinlich. Die Milizarmee wurde dementsprechend auch umgebaut und verkleinert. Rund 60 Prozent der Militärdienstpflichtigen scheiden als nicht diensttauglich aus. Es macht keinen Sinn, den Bestand wieder zu erhöhen, indem man die ohnehin überholte «Wehrgerechtigkeit» mit Frauen heraufbeschwört.

Was hat Sie dazu bewegt, der Armee beizutreten?

Zum einen war mein ganzes Umfeld in der Zeit im Militär und kam nur am Wochenende nach Hause. Dort wurde dann nur über die Erlebnisse im Militär geredet und ich konnte nicht mitreden. Der zweite Grund war, dass ich damals eine leicht «bürgerlich-feministische» Ansicht vertrat, wonach Frauen den Männern gleichgestellt werden und damit auch Militärdienst leisten sollten. Das sehe ich heute allerdings ein wenig anders. Der dritte und wohl wichtigste Grund war, dass ich damals nach Israel auswandern wollte. Hätte ich dort die Staatsbürgerschaft annehmen wollen, hätte ich dort zwei Jahre Militärdienst leisten müssen. Durch das Leisten des Dienstes in einer anderen Armee wäre ich davor verschont geblieben.

Wie fühlt man sich im Militär als Frau zwischen Männern?

Gut. Der raue, pöblerische Ton, den man aus dem Militär kennt, hat sich oft sofort geändert, sobald eine Frau dazukam. Was mich sehr begeistert hat, war, dass ich viele Menschen aus sozial ganz verschiedenen Schichten kennen gelernt habe. Man tritt mit Menschen in Kontakt und kann ein völlig neues Netzwerk knüpfen, was mir nicht zuletzt auch bei meiner beruflichen Zukunft geholfen hat.

Welche Funktion führten Sie im Militär aus?

Ich begann als Übermittlerin. Bald schon wechselte ich in den Armeestab und übernahm dort Aufgaben im Medienbereich.

Gab es Vor- oder Nachteile, die Sie gegenüber Männern hatten?

Zu den Vorteilen zählte sicher, dass ich nicht mit 30 Männern in einem Schlafsaal übernachten musste. In diesem Bereich hatten wir Frauen, gerade weil wir zahlenmässig weniger waren, einen grösseren Komfort. Aufgrund der körperlichen Konstitution mussten wir weniger leisten als die Männer. Wir absolvierten beispielsweise keinen 100-km-Marsch und unsere Dienstzeit war erheblich kürzer als die der Männer. Ein Nachteil war, dass Frauen nicht zu allen Truppengattungen zugelassen waren.

Wenn Sie Ihre Militärzeit reflektieren, würden Sie jungen Frauen raten, sich freiwillig zum Dienst zu melden?

Das muss jede situations- und persönlichkeitsabhängig entscheiden. Es hat sicher Vorteile, indem man sich eine grosse Sozialkompetenz aneignet. Man lernt interessante Menschen kennen und knüpft Kontakte, die bis heute andauern. Eine allgemeine Dienstpflicht, wie sie Avenir Suisse empfiehlt, soll im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderungen auch für Frauen gelten.

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