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Der Mittelstand kommt nicht vom Fleck

Der Schweizer Mittelstand kommt seit 20 Jahren trotz aller Anstrengung auf keinen grünen Zweig. Die Politik müsse sich jetzt ihm zuwenden, fordert der Verband Angestellte Schweiz.

Mythos Häuschen auf dem Lande: Sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, bereitet dem Mittelstand immer mehr Mühe.
Mythos Häuschen auf dem Lande: Sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, bereitet dem Mittelstand immer mehr Mühe.
Keystone

Der Mittelstand strample sich ab «wie ein Hamster im Rad», sagte Stefan Studer, Geschäftsführer des Verbandes Angestellte Schweiz, am Montag in Zürich vor den Medien. Während einerseits die Einkommen seit Jahren weitgehend stagnierten, stiegen anderseits die Abgaben und Gebühren. Es sei höchste Zeit, dass sich Arbeitgeber und Politik vermehrt dem Mittelstand als dem tragenden Element der Wirtschaft zuwandten.

Konkret fordert Angestellte Schweiz eine bessere Entlöhnung vor allem von Berufseinsteigern. An die Adresse der Politik geht die Forderung, den Mittelstand finanziell zu entlasten: Steuern und Gebühren seien zu senken - zu Lasten der Reichen, die bisher vor allem entlastet worden seien.

«Mittelstand hat kein Gesicht»

Es sei typisch, dass es kaum Datenmaterial zur Situation des Mittelstandes gebe, sagte Studer. Obwohl dazu 60 Prozent der Haushalte gezählt würden, kümmere sich die Politik kaum um diese. Das sei unter anderem deshalb, weil es sich nicht um eine homogene Gruppe handle. «Der Mittelstand hat kein Gesicht», sagte Studer. Dies will Angestellte Schweiz nun ändern. Er sei optimistisch, sagte Studer: Ein Wahljahr stehe vor der Tür. Da liege es im Interesse jeder Partei, diese Bevölkerungsmehrheit anzusprechen.

Was die politische Situation schwierig macht, ist laut Studer das Bemühen des Mittelstandes, sich gegen unten, also gegenüber den Einkommensschwachen, abzugrenzen. Man Identifiziere sich eher in der Nähe der Reichen. Aus dieser «verdrehten Realität» heraus ergebe sich auch die Tendenz des Mittelstandes, bei Abstimmungen im Sinne der Einkommensstärkeren zu votieren.

Nach allen Abzügen bleibt nicht mehr viel übrig

Studer stützt sich für seine Aussagen auf eine soeben veröffentlichte Studie über die Situation des Mittelstandes, welche das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag von Angestellte Schweiz verfasst hat.

Sie berücksichtigt Daten des Bundesamtes für Statistik bis 2008, neuere sind nicht greifbar. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind also noch nicht erfasst. Die BASS-Fachleute zählen je 20 Prozent der Haushalte zu den Einkommensschwachen beziehungsweise -starken. Die mittleren 60 Prozent bilden den Mittelstand.

Der Mittelstand erzielte 2008 einen Anteil von 55,1 Prozent des Brutto-Gesamteinkommens, die 20 Prozent der Reichen strichen 35,2 Prozent ein, die 20 Prozent der Einkommensschwachen kamen auf 9,8 Prozent. Nach Abzug der Fixkosten wie Steuern, Krankenkassenprämien und dergleichen verfügte der Mittelstand noch über 55,5 Prozent des gesamten Einkommens, die Reichsten über 37,2 Prozent und die Ärmsten über 7,2 Prozent.

Die Deutschen sind einen Schritt weiter

Laut Studie geben die verfügbaren Daten keine Auskunft darüber, ob der Mittelstand in der Schweiz in den letzten Jahren kleiner geworden ist. Dies lasse sich aber vermuten, sagte Markus Schärrer, Mitautor der Studie.

Zum Vergleich zieht die Studie Deutschland heran, wo die Datenlage viel besser sei als in der Schweiz. In Deutschland wurde der Mittelstand kleiner und verdiene relativ weniger als vor zehn Jahren. Inwieweit man von jenen Zahlen auf die Schweiz schliessen könne, bleibe zu beobachten, sagte Schärrer.

(SDA)

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