Der Mann neben Karin Keller-Sutter

Bei der FDP wagt es doch noch ein Kandidat, gegen die Favoritin aus der Ostschweiz anzutreten: Ständerat Hans Wicki. Er ist Nidwaldner – wie Winkelried. Das passt. 

Englisch liege ihm besser: Der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki gestern bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Englisch liege ihm besser: Der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki gestern bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Hans Wicki machts. Der FDP-Ständerat aus Nidwalden gab gestern bekannt, dass er für den Bundesrat kandidiert. Damit macht er vor allem auch seiner Partei eine Freude. Fast sah es so aus, als könne die FDP keine zweite Kandidatur für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann präsentieren. Zu übermächtig ist die Favoritin, die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Wer will schon gegen sie antreten, die Strapazen einer Bundesratskandidatur auf sich nehmen, nur um dann fast sicher zu verlieren?

Hans Wicki schreckt das nicht ab. Seine Aussichten, neben Keller-Sutter nominiert zu werden, sind gut. Der Schaffhauser FDP-Regierungsrat Christian Amsler, der voraussichtlich heute seine Kandidatur anmeldet, dürfte ihm kaum gefährlich werden. Doch auch Hans Wicki sitzt erst seit 2015 im Ständerat und ist dort bisher nicht aufgefallen. Grosse Wahlchancen darf er sich nicht ausrechnen. Das sehen auch Parlamentarierkollegen so, die ­Wicki schätzen, seine engagierte, ruhige Art und seine Kompetenz loben. Der Vergleich mit Keller-Sutter offenbart diverse Handicaps: Er ist weniger erfahren in der Bundespolitik, weniger vernetzt in Bern, weniger bekannt im Land. Und er ist ein Mann.

Manager und Regierungsrat 

Die Frage drängt sich auf: Ist er ein Alibikandidat? Hans Wicki hat die Frage erwartet, zögert dann aber bei seinem Auftritt vor den Medien trotzdem kurz. «Nein», sagt er dann. «Meine Kandidatur ist ernst gemeint.» Am Anfang jeden Erfolgs stehe das Risiko. Er habe schon oft bewiesen, dass er in der Lage sei, verschiedenste Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

In der Tat. Sein «Erfahrungsrucksack», den er immer wieder erwähnt, ist prall und vielfältig gefüllt. Hans Wicki – 54 Jahre alt, zwei erwachsene Kinder, Ökonom, Hauptmann – hat in Politik und Wirtschaft viel erreicht. Er war Gemeinderat von Hergiswil, wo er heute noch lebt, später Gemeindepräsident, bis er 2010 in die Kantonsregierung gewählt wurde, wo er als Baudirektor fungierte. Die notwendige ­Exekutiverfahrung bringt Wicki ausgiebig mit.

2015 wählten ihn die Nidwaldner in den Ständerat, worauf er die Regierung nach kurzer Zeit wieder verliess. Grosse Führungserfahrung hat er in der Privatwirtschaft gesammelt, im deutsch-schweizerischen Familienkonzern Pfisterer, der in der Elektrotechnik tätig ist. Wicki leitete mehrere Gesellschaften des Konzerns in der Schweiz und in Südafrika mit total rund 550 Mitarbeitenden. Es wirkt nicht arrogant, wenn er kühl konstatiert, er erfülle das Jobprofil eines Bundesrats.

Seine Vision verrät er nicht

Wickis Auftritt vor den Journalisten ist gekonnt, es fällt aber auf, dass er sich fast durchwegs an den vorbereiteten Text hält und seine Argumente vielfach variiert. Nur einmal gerät er kurz aus dem Tritt, als ein Westschweizer Journalist sein Französisch testet. Wicki versucht auf Französisch zu antworten, bleibt nach wenigen Worten stecken, wechselt ins Deutsche, versucht es erneut, scheitert wieder und bleibt fortan bei seiner Muttersprache. Aus der Ruhe bringt ihn das nicht. Englisch liege ihm besser, sagt er, und sein Französisch könne er ja noch verbessern. Trotzdem: ein weiterer Makel im Vergleich zu Karin Keller-Sutter, ihres Zeichens ausgebildete Dolmetscherin.

Inhaltlich lässt sich Wicki wenig entlocken. Er bezeichnet sich als klar liberal und politisiert auf Parteilinie. Zuletzt stimmte er zum Beispiel gegen die Fortführung der Krippenfinanzierung und die Analysepflicht zur Durchsetzung der Lohngleichheit, dafür unterstützte er den Steuer-AHV-Deal und trug laut «Watson» die Lockerung bei den Waffenexporten mit. Aber ­welche Vision würde Wicki als Bundesrat verfolgen? Das will er erst sagen, wenn er nominiert ist. Wie beurteilt er Keller-Sutter? Eine «ausgewiesene Kandidatin» sei sie, eine «geschätzte Kollegin», die das notwendige Rüstzeug mitbringe, wie er selber auch. Ist er ein Ladykiller, weil er gegen sie antritt? Nein, es sei am Parlament, die Anliegen der verschiedensten «Anspruchsgruppen» zu gewichten.

Lokale SVP-Unterstützung

Dass auch Hans Wicki eine spezielle Anspruchsgruppe vertritt, wird dadurch deutlich, dass – erstaunlich genug – ein Vertreter einer anderen Partei an seiner Medienkonferenz dabei ist: Der (einzige) Nidwaldner Nationalrat Peter Keller von der SVP wirft sich vor diversen Kameras für Wicki ins Zeug. Oder besser: für ihre Region. Die Zentralschweiz fühlt sich von Bern traditionell vernachlässigt, nicht zuletzt, weil sie bisher nur acht Bundesräte stellen durfte, wobei der Letzte, der Luzerner Kaspar Villiger, 2003 abgetreten ist.

Die «Urschweiz» (SZ, NW, OW, UR) hatte sogar nur einen Bundesrat (den Obwaldner Ludwig von Moos, 1959–1971). Wicki will der erste Nidwaldner Landes­vater werden. Oder wenigstens einem anderen Zentralschweizer den Weg bahnen. Fast so wie sein legendärer Landsmann Arnold Winkelried, dessen Denkmal wenige Meter neben dem Stanser Rathaus steht, in dem Wicki seine Wahlkampagne lanciert hat.

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