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Der Mann, der Ruhe in das Bistum Chur brachte

Der frühere Bischof von Chur, Amédée Grab, ist am Sonntag im Alter von 89 Jahren im Pflegeheim Casa di Cura Immacolata von Roveredo GR unerwartet gestorben. Die um die Jahrtausendwende dominierende Persönlichkeit in der Kirche Schweiz galt als Mann des Ausgleichs: Als perfekt dreisprachiger Diplomat war er für heikle Aufgaben geradezu prädestiniert.

So wurde Grab 1987 zum ersten Weihbischof von Genf seit dem Kulturkampf. Entgegen allen Erwartungen wurde er selbst von den Calvinisten geschätzt. Ökumenisch offen, versuchte er, mit allen Seiten im Gespräch zu bleiben. 1995 wurde Grab an die Spitze des Bistums Freiburg-Lausanne-Genf berufen.

Völlig überraschend wählte ihn das Churer Domkapitel dann am 9. Juni 1998 zum Bischof von Chur. Er wurde Nachfolger des nach Vaduz wegbeförderten Bischofs Wolfgang Haas, der einen Scherbenhaufen hinterlassen hatte. Dass ein Bischof das Bistum wechselt, hat in der Schweiz keine Tradition. Grab war ein Bistumsexterner, aber kein Fremder. 1930 in Zürich geboren, wuchs er in Genf auf. Er stammte ursprünglich aus Schwyz. Zudem gehörte er zur Benediktinerkommunität des Klosters Einsiedeln.

Unter Grabs Fittichen kam das zu Haas’ Zeiten stark aufgewühlte Bistum wieder zur Ruhe. Die Bistumskantone liessen etwa die eingefrorenen Bistumsbeiträge wieder nach Chur fliessen. Dennoch war Grab klar ein Mann Roms, der sich nur mit seinem versöhnenden Stil von Wolfgang Haas und Vitus Huonder unterschied, der ihm 2007 auf den Churer Bischofstuhl folgte. Das war nur möglich, weil Grab die alten Garden am Bischofssitz beliess und nicht für eine Erneuerung des Personals sorgte.

Als jahrelanger Präsident der Schweizer Bischofskonferenz war Grab die prägende Figur der ­Kirche auf nationaler Ebene. Von 2001 bis 2006 Präsident des ­Rates der europäischen Bischofskonferenzen, genoss er auch international Ansehen.Michael Meier

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