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Der «kleine Bruder von ...»

Stefano Sommaruga, Bruder von Bundesrätin Sommaruga, jagt im SVP-Kanton Schwyz der Partei einen Gemeinderatssitz ab.

Ist er trotz oder wegen seines Namens gewählt worden? Stefano Sommaruga.
Ist er trotz oder wegen seines Namens gewählt worden? Stefano Sommaruga.

Fällt der Name Sommaruga, dann denkt man in der Schweiz an Simonetta, vielleicht noch an Carlo. Aber nicht an Stefano. Er ist sich dessen bewusst: «Ich nehme an, Sie werden mich jetzt auf meine Schwester ansprechen», sagt er schon bald nach Beginn des Gesprächs. Tatsächlich wäre die Wahl eines Sozialdemokraten in die Exekutive von Arth, dieser Gemeinde in der Innerschweiz, an der die Ausserschweiz oft nur vorbeifährt, nicht einmal in der Randspalte überregionaler Medien vermerkt worden. Wäre dieser Sommaruga nicht der kleine Bruder von Bundesrätin Sommaruga.

Eine Randnotiz wäre diese Wahl aber allemal wert gewesen. Schliesslich schaffte es der 51-Jährige im SVP-Kanton, dieser Partei einen Sitz abzujagen. Der Kanton Schwyz ist hartes Brot für Linke: Die Bürgerlichen verfügen über eine erdrückende Mehrheit von 82 Prozent. Der SP bleiben 13 Prozent, der Rest sind Splitter. Seit 2012 sind die Sozialdemokraten nicht mehr in der Regierung vertreten, seit 2015 wird auch keiner mehr von ihnen nach Bern entsandt. Dennoch schnitt Sommaruga, Case Manager beim Berufsinformationszentrum, besser ab als der Sportmasseur der SVP. Er erzielte gar das zweitbeste Resultat aller vier Gewählten.

Ein Linker unter Bürgerlichen

Natürlich wird Sommaruga, der Bundesratsbruder, auf seine Schwester angesprochen. Denn er sagt im Gespräch Sätze, die genauso gut aus ihrem Mund stammen könnten. Auf die Frage, ob er, der im Gemeinderat gleich acht Bürgerlichen gegenübersteht, nicht von vornherein auf verlorenem Posten kämpfe, antwortet er: «In einer Exekutive geht es weniger um links und rechts. Es geht darum, eine gute Lösung für die Gemeinde zu finden.»

So denken die Sommarugas. Der Vater war Werkleiter beim Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza in Sins. Als CVP-Mitglied stand er nicht ganz so weit links wie seine Kinder, aber das Wohl seiner Angestellten lag ihm am Herzen. Die Mutter zog die vier Kinder gross und engagierte sich für einen 3.-Welt-Laden. Hinschauen, sich für Schwächere einsetzen, sich an der Sache orientieren. Das gaben sie ihren Kindern mit auf dem Weg.

Was tat der Name?

Stefano Sommaruga dachte lange nicht daran, in die Politik einzusteigen. Er lernte Automechaniker, wurde später Primarlehrer und Schulleiter. Letztlich kam er nach längeren politischen Diskussionen mit seiner Schwester zum Entschluss: Jetzt, wo seine drei Kinder grösser sind, will er sich aktiver einbringen. Fragt sich nur: Ist Sommaruga trotz oder wegen seines Namens gewählt worden? Sommaruga ist ein Bundesratsname, Sommaruga steht aber auch für das umstrittene Asylzentrum auf dem Schwyzer Winterried. Am Ende, so glaubt der Bruder, hätte das eine das andere neutralisiert.

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