Der Fussballboss, der aus der Kälte kam

Vom Spielzeughandel zu Chelsea: Der Aufstieg des Roman Abramowitsch.

  • loading indicator
Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch wurde 1966 geboren und wuchs nach dem Tod beider Eltern in Saratow an der Wolga auf. Während des Studiums in Moskau gründete er seine erste Firma namens «Gemütlichkeit», die Plastikspielzeug und Bälle produzierte. Später kaufte er über die Schweizer Runicom Anteile an der Erdöl-Produktionsfirma Sibneft und wurde als deren Hauptaktionär reich.

Von 2000 bis 2008 war Abramowitsch auch politisch aktiv, als Gouverneur der entlegenen sibirischen Region Tschukotka. Er liess auf eigene Kosten Schulen, Spitäler und Waisenhäuser bauen und machte sich damit bei Präsident Putin beliebt. Die zweite Amtszeit verbrachte er aber schon mehr im westlichen Ausland als im unwirtlichen Sibirien. 2003 kaufte Abramowitsch den britischen Fussballclub Chelsea und verlegte den Wohnsitz seiner Familie nach London. Chelsea wurde mit den Milliarden aus Russland zu einem der erfolgreichsten und ­finanziell wertvollsten Vereine der Welt.

Israelischer Staatsbürger

Kurz danach stieg auch Roman Abramowitsch in die Liga der reichsten Menschen der Welt auf, als seine britische Holding Mill­house Capital Sibneft für 13 Milliarden Dollar an den staatsnahen Konzern Gazprom verkaufte. Heute wird das Vermögen Abramowitschs auf rund 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. ­Allein seine grösste Jacht, die Eclipse, soll über 300 Millionen Dollar Wert sein. Ebenso teuer soll ihn gemäss Presseberichten die Scheidung von seiner zweiten Frau, Irina, gekommen sein. Zu seinen ­Immobilien werden Häuser in London, New York, an der Côte d’Azur und in Bayern gezählt. Zuletzt hatte Abramowitsch laut englischen Medien Probleme, nach Grossbritannien einzureisen, da die Regierung seine Visaverlängerung verzögerte. Seit Mai ist er israelischer Staatsbürger und somit nicht mehr darauf angewiesen.

Aufenthalte von Abramowitsch in der Schweiz sind kaum dokumentiert. 2010 war er in ­Zürich, als Fifa-Präsident Sepp Blatter die Austragung der WM 2018 in Russland verkündete. ­Abramowitsch galt als Strippenzieher des unerwarteten Erfolgs. Auch an der Art Basel war er schon. Anfang Mai 2018 sagte er als Zeuge vor einem Freiburger Gericht aus. Die Europäische Entwicklungsbank forderte von ihm einen Millionenkredit zurück, für den sie in den 90er-Jahren eine Sicherheit von Abramowitschs Freiburger Firma Runicom erhalten hatte. Abramowitsch behauptete, er habe längst gezahlt. Schliesslich einigten sich die Streitparteien im Juli auf einen Vergleich.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt