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Der chinesische Drache speit wieder Feuer

Erstmals seit zwei Jahren steigt das Wachstum in China wieder. Die zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt verliert aber ihre Wettbewerbsvorteile – und es lauern Gefahren im Finanzsystem.

Die chinesische Wirtschaft gewinnt an Fahrt: Stahlwerk in Dailan. (18. Januar 2013)
Die chinesische Wirtschaft gewinnt an Fahrt: Stahlwerk in Dailan. (18. Januar 2013)
Reuters

Ein Jahr mit Licht und Schatten in China: Die zweitgrösste Volkswirtschaft ist 2012 mit 7,8 Prozent so langsam wie seit 13 Jahren nicht mehr gewachsen. Soweit die schlechte Nachricht. Allerdings gibt es zwei gute Nachrichten: Es hätte schlimmer kommen können. Und erstmals seit zwei Jahren nimmt das Wachstum wieder zu, wovon auch die deutsche Exportwirtschaft und die schwache Weltkonjunktur profitieren.

«Das ist definitiv eine Erholung», kommentierte Jörg Wuttke, Berater der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Anstieg im vierten Quartal. «Das wird sich auch im ersten Halbjahr 2013 fortsetzen.»

Mit der Schwäche der Exportmärkte im schuldengeplagten Europa und in den krisengeschüttelten USA sowie der Kontrolle des überhitzten Immobilienmarktes in China seien 7,8 Prozent Wachstum sogar «sehr gut», sagt der langjährige China-Kenner.

Doch dürfe «der Blick in den Rückspiegel» nicht täuschen: Die neue Regierung unter Li Keqiang, die im März in Peking das Ruder in die Hand nimmt, stehe vor gewaltigen Aufgaben, «die mittelfristig nur schwer zu lösen sind».

Ein-Kind-Politik bremst

Der demografische Bonus einer jungen Bevölkerung schwinde, da nun die Folgen der Ein-Kind-Politik einträten. «Chinas arbeitsfähige Bevölkerung wird nach 2015 nachhaltig schrumpfen», sagt Wuttke. Der «Wendepunkt» sei sogar heute schon erreicht, warnt Vizedekan der Wirtschaftsschule der Volksuniversität in Peking, Liu Yuanchun.

Immer weniger Wanderarbeiter kommen vom Land. China verliert seine Vorteile als verlängerte Werkbank der Welt. Löhne und Betriebskosten steigen. Korruption und mangelnde Rechtssicherheit erschweren das Geschäft.

Viele Unternehmen wandern in Billiglohnländer in Südostasien wie Vietnam oder Thailand ab. «Wir sind nicht glücklich über diese Entwicklung», sagt Shen Danyang, Sprecher des Handelsministeriums. Er bestreitet, dass es eine «Abwanderungswelle» gebe. Doch China weiss selbst nur zu gut, dass es seine Wettbewerbsvorteile verliert und will deswegen die Wertschöpfungskette hochklettern.

Gefahren lauern auch im Finanzsystem. Das Volumen kreativer Anlageprodukte in der Vermögensverwaltung ist auf schätzungsweise mehr als eine Billion Euro angeschwollen. Wie vor der Finanzkrise in den USA ist bei diesen Finanzprodukten kaum noch zu erkennen, was Anlage und was Kreditrisiko ist.

«Auch die lokale Verschuldung in den Städten Chinas drückt auf das mittelfristige Wirtschaftswachstum», sagt OECD-Berater Wuttke. Denn noch lebt China auf Pump. Noch hat es sein Wachstumsmodell nicht umgestellt. Noch bleiben Investitionen und Export die Hauptmotoren, die der eigene Konsum kaum ersetzen kann.

Wachstum auf Pump

Nach Jahren des Zauderns der alten Regierung wollen Chinas neue Führer jetzt «grösseren Mut und Weisheit» demonstrieren, um Reformen voranzutreiben. Doch erst wird im März eine neue Regierung gebildet. Viele Ministerien werden umgebaut. Dann werden erstmal Ideen gesammelt, bevor Einigkeit über den neuen Kurs hergestellt werden kann.

Eins ist klar: Neues Wachstum kann nicht mehr so einfach kreditfinanziert werden. «Rasantes Kreditwachstum seit 2009 belastet die Kapitalisierung und Liquidität des Systems», warnt die Rating-Agentur Fitch. «Diese Faktoren werden die Fähigkeit behindern, weiteres schnelles Wachstum zu finanzieren.»

Ende 2012 seien die gesamten Kredite auf gewaltige 190 Prozent der Wirtschaftsleistung angeschwollen - vor vier Jahren seien es erst 124 Prozent gewesen. «Das investitionsgetriebene Wachstum stösst an seine Grenzen.»

SDA/ses

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