Der Bund plant viel zu grosszügige Büros

Der Bund baut für die Bundespolizei und die Bundesanwaltschaft ein viel zu grosses Gebäude. Laut der Finanzkontrolle könnte man in dem Gebäude locker 500 zusätzliche Arbeitsplätze unterbringen.

Beamtenluxus: Am Guisanplatz in Bern entstehen drei neue Verwaltungsgebäude des Bundes, wo Platz für 3200 Beamte wäre, aber nur 2300 sollen einziehen.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Beamtenluxus: Am Guisanplatz in Bern entstehen drei neue Verwaltungsgebäude des Bundes, wo Platz für 3200 Beamte wäre, aber nur 2300 sollen einziehen.

(Bild: Beat Mathys)

Mischa Aebi@sonntagszeitung

Wenn es um den eigenen Büroplatz geht, ist man beim Bund ­offenbar richtig grosszügig: Die Bundesverwaltung baut am Guisanplatz in Bern drei grosse ­moderne Verwaltungsgebäude. Hundertschaften von Beamten werden 2019 dort einziehen: Mitarbeiter des Rüstungsamtes, der Bundesanwaltschaft, der Bundespolizei und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Dazu werden – Reserven bereits eingerechnet – 2300 Arbeitsplätze benötigt.

Nun hat die Eidgenössische ­Finanzkontrolle bei einer Prüfung eine brisante Feststellung gemacht: In den drei Gebäuden ­hätte es Platz für 900 weitere Mitarbeiter. Das hielt die un­abhängige Kontrollbehörde in einem am Dienstag publizierten Bericht fest. So viel ungenutzter Raum sei wirtschaftlich schlicht nicht vertretbar. Die Finanzkontrolle fordert deshalb, dass in den drei Gebäuden zusätzliche Verwaltungseinheiten untergebracht werden müssen.

Das für die Planung der Gebäude zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik gibt klein bei und teilt mit, es sei mit der Empfehlung einverstanden.

Fehlplanung

Bei den beiden kleineren Gebäuden dürfte es ohne grossen Aufwand möglich sein, den Planungsfehler auszubügeln und die Räume wirtschaftlicher zu nutzen: Die Bundesplaner können Chefsessel, Bürostühle und Pulte einfach enger zusammenrücken und in den frei werdenden Räumlichkeiten eine zusätzliche Verwaltungseinheit unterbringen. Möglich wäre theoretisch gar eine Fremdvermietung.

Doch ausgerechnet bei der grössten der drei Verwaltungsimmobilien am Guisanplatz wird es wohl kaum möglich sein, auf den überschüssigen Büroflächen weitere Verwaltungseinheiten unterzubringen – obwohl das Sparpotenzial dort besonders gross ist: In dieses grösste Ge­bäude werden 1050 Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft und der Bundespolizei einziehen, gemäss der Finanzkontrolle hätten aber 500 weitere Mitarbeiter Platz.

Ernüchtert stellt die Kontrollbehörde indessen fest: Da gemäss Bundesanwaltschaft und Bundespolizei eine Unterbringung weiterer Verwaltungseinheiten aus Sicherheitsgründen nicht möglich sei, werde das Gebäude nicht optimal ausgelastet werden können.

Vergleich nicht möglich?

Die Bundespolizei sieht das anders: Sie macht geltend, dass ihre Arbeitsplätze wegen der spezifischen Aufgaben grösser sein müssen als durchschnittliche Verwaltungsarbeitsplätze.

Ein Vergleich mit Arbeitsplätzen anderer Verwaltungseinheiten sei deshalb weder sinnvoll noch richtig. Die Bundespolizei mit ihren 870 Mitarbeitern findet deshalb, dass die geplanten grosszügigen Büros nicht luxuriös, sondern wirtschaftlich und effizient seien.

Der Bericht der Finanzkontrolle weist auf ein weiteres Problem hin: Bundesanwaltschaft und Bundespolizei verlangen gemäss dem Bericht, dass ihre Räumlichkeiten viel höheren Sicherheitsforderungen entsprechen als ursprünglich geplant. Spätestens seit den Terroranschlägen in Paris hat sich laut beiden Bundesstrafbehörden auch in der Schweiz die Bedrohungslage massiv verändert. Deshalb gebe es zwischen den genehmigten Gebäudekonzepten aus dem Jahr 2012 und den heutigen Sicherheitsanforderungen «wesentliche Differenzen».

Nun muss das Gebäude auf Forderung der Bundesanwaltschaft auf den aktuell geforderten Sicherheitsstandard nachgerüstet werden, was 2,1 Millionen Franken Mehrkosten ergibt. Die drei neuen Verwaltungsgebäude werden – nach heutigem Stand – den Bund rund 420 Millionen Franken kosten.

Berner Zeitung

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