Deplatzierte Schwarzmalerei um die älteren Arbeitslosen

Fabian Schäfer, Leiter Politikteam, zur Situation der Älteren auf dem Arbeitsmarkt.

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Das Thema hat Hochkonjunktur. Politik und Medien haben sich in den letzten Wochen intensiv mit der Situation der Generation Ü-50 auf dem Arbeitsmarkt befasst, zumeist in besorgtem Tonfall. Die Angst vor einer Kündigung im Alter ist offensichtlich weit verbreitet. Für die Betroffenen selber ist sie oft ein traumatischer Einschnitt mit bitteren Konsequenzen, wirtschaftlich und psychisch.

Über 55-Jährige erhalten von der Arbeitslosenversicherung zwar 520 statt 400 Taggelder, aber das bringt ihnen den Job auch nicht zurück. Die Statistik zeigt zudem, dass ältere Arbeitslose deutlich mehr Zeit brauchen, um wieder eine Stelle zu finden. Auf den ersten Blick ist deshalb verständlich, dass der Bund am Dienstag zum dritten Mal eine gross angelegte Konferenz zur Situation der Älteren auf dem Arbeitsmarkt abgehalten hat.

Auf den zweiten Blick muss man jedoch froh sein, dass der Anlass ergebnislos zu Ende ging. Nach dem ­Motto «Gut, haben wir darüber geredet» sind schon an den ersten zwei Konferenzen viele Worte gefallen, aber kaum Entscheide. Das ist auch gut so. Man darf angesichts bedrückender Einzelfälle nicht den Überblick verlieren.

Die Situation der Älteren am Arbeitsmarkt ist nach wie vor gut. Vor allem ist das Risiko, den Job zu verlieren, für sie immer noch kleiner als für Jüngere. Die Erwerbslosenquote der Gruppe Ü-55 liegt bei 3,7 Prozent und damit klar unter dem Durchschnitt (4,6 Prozent). Diese Statistik umfasst auch die Ausgesteuerten, die bei den amtlichen Statistiken fehlen.

Natürlich, die Zahl der älteren Arbeits­losen ist in den letzten Jahren gestiegen und wird weiter steigen. Aber das hat nichts mit «Altersdiskriminierung» zu tun, sondern damit, dass es mit den Babyboom-Jahrgängen immer mehr Senioren gibt. Zu ihren Gunsten verlangen Gewerkschafter mehr Schutz für ältere Angestellte, mit längeren Kündigungsfristen zum Beispiel.

Damit zielen sie jedoch ­präzis am Problem vorbei. Was haben ­ältere Arbeitslose auf Jobsuche von einer längeren Kündigungsfrist? Im schlimmeren Fall wirkt sie sogar kontraproduktiv, wenn Arbeitgeber wegen des ausgebauten Kündigungsschutzes davor zurückschrecken, Senioren anzustellen.

Die Politik überlässt das Problem besser den Sozialpartnern. Die Arbeitgeber müssen sich in Zukunft aus ureigenem Interesse ­vermehrt um die Älteren bemühen, um ihre Stellen besetzen zu können.

So oder so wäre es hilfreich, die Panik­mache zu beenden. Es gibt mehr Licht als Schatten. Nur ein Beispiel: Sogar ­jene ­Älteren, die so lange keinen Job mehr ­finden, dass sie ausgesteuert werden, enden nicht hoffnungslos in der Sackgasse. Ein Jahr nach der Aussteuerung haben 46 Prozent wieder einen Job, fünf Jahre danach 64 Prozent. Die gegenwärtige Schwarzmalerei ist fehl am Platz.

Berner Zeitung

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