Das Wallis hat seine erste Ständerätin

In den Walliser Ständeratswahlen setzt sich CVP-Frau Marianne Maret gegen SP-Nationalrat Mathias Reynard durch, aber mit lediglich 1300 Stimmen Vorsprung.

Ihr gutes Resultat im Oberwallis reichte Marianne Maret zum Sieg gegen Mathias Reynard. Foto: Olivier Maire (Keystone)

Ihr gutes Resultat im Oberwallis reichte Marianne Maret zum Sieg gegen Mathias Reynard. Foto: Olivier Maire (Keystone)

Philippe Reichen@PhilippeReichen

Die Walliser CVP hat ihr über 150-jähriges Monopol auf die beiden Ständeratssitze verteidigt. Beat Rieder schaffte seine Wiederwahl souverän. Im Fall seiner Parteikollegin Marianne Maret wurde es aber knapp. Die 61-Jährige vermochte SP-Herausforderer Mathias Reynard um lediglich 1300 Stimmen zu distanzieren. Doch das Resultat reichte, um als erste Walliserin in der Kantonsgeschichte in den Ständerat einzuziehen.

Ein knapper Ausgang hatte sich abgezeichnet. Reynard war im ersten Wahlgang vor zwei ­Wochen bis auf 3000 Stimmen an Maret herangerückt. Das lag auch daran, dass das gemeinsame Ticket des SP-Nationalrats mit der grünen Kandidatin Brigitte Wolf optimal funktionierte. Wolf trat zum zweiten Wahlgang ebenfalls an. Reynard wurden erhöhte Wahlchancen zugestanden, auch weil er einen überraschenden Wahlhelfer bekam. Alt-Bundesrat Pascal Couchepin (FDP) stellte sich auf seine Seite. Er rief die Freisinnigen dazu auf, den 32-jährigen Sozialdemokraten zu wählen. Couchepins Absicht war, das historische CVP-Monopol auf die beiden Ständeratssitze zu sprengen.

Die vor 20 Jahren noch allmächtig scheinende CVP hatte bei den diesjährigen Nationalratswahlen noch 34,8 Prozent Wähleranteile erreicht. In Couchepins Leseart musste die CVP einen Ständeratssitz abtreten, um die Meinungsvielfalt zu garantieren. Zudem war ihm in guter Erinnerung geblieben, dass vor vier Jahren FDP-Ständeratskandidat Pierre-Alain Grichting im zweiten Wahlgang bis auf 1400 Stimmen an den damals zweitplatzierten Beat Rieder herangerückt war. Mathias Reynard gelang gestern erneut ein beachtliches Resultat. Selbst Marianne Maret bezeichnete es anerkennend als «exzellent, vor allem für einen Linken».

Ein sowjetisches Resultat

Reynard hat sich in seinen acht Jahren als Nationalrat mit seinem Engagement für Lohngerechtigkeit, Geschlechtergleichheit und den Schutz von Homosexuellen einen Namen gemacht. Themen wie das Jagdgesetz, die Raumplanung oder die Wasserzinse sind dem Durchschnittswalliser aber wichtiger. Dennoch gewann der SP-Mann gestern die Wahlen im Unter- und Mittelwallis, scheiterte aber im Oberwallis. Zwar leben da lediglich 24,7 Prozent der Wahlberechtigten, aber diese Minderheit votierte noch kompakter als im ersten Wahlgang für das CVP-Ticket. Beat Rieder bekam im Oberwallis 85,8 Prozent der Stimmen, was fast schon an sowjetische Verhältnisse erinnert. Auf Marianne Maret entfielen immerhin noch 71,4 Prozent der Stimmen.

Die Wahlbeteiligung war im Oberwallis mit 55 Prozent hoch, im Mittelwallis (52 Prozent) und Unterwallis (44 Prozent) war sie tiefer. Das gute Ergebnis aus dem Oberwallis reichte Marianne Maret schliesslich zur Wahl, weil im Mittel- und im Unterwallis der Stimmenunterschied zwischen ihr und Reynard geringer ausfiel. Dass das Oberwallis die Gemeinde- und Kantonalpolitikerin Maret aus Troitorrents zur Wahl verhalf, überraschte auch darum, weil deren Wahlkampfauftritte in deutscher Sprache nicht sehr behände wirkten.

Der Amherd-Effekt

Für ihren Wahlerfolg muss sich Maret auch bei Franziska Biner bedanken. Der Präsidentin der CVP Oberwallis war es gelungen, die CVP-Wähler in ihrem Kantonsteil in Massen zu mobilisieren. Die 33-jährige Architektin aus Zermatt sagte: «Wir haben eine gute Dynamik in der Partei. Die Oberwalliser CVP hat mit Viola Amherd eine profilierte Bundesrätin, die eine klare Sprache spricht und sich als Verteidigungsministerin um Themen kümmert, für die man sich in ihrer Heimat interessiert.»

Geholfen habe, dass sich die Oberwalliser vor einer Abwahl Beat Rieders ängstigten, betont Franziska Biner. Der Lötschentaler hatte im ersten Wahlgang zwar das beste Resultat aller Kandidierenden erreicht, im Mittel- und Unterwallis aber mit den Plätzen vier und fünf schlecht abgeschnitten. Auch gestern schnitt Rieder im Mittel- und Unterwallis mittelmässig ab. Wäre es nach dem Willen des Mittelwallis gegangen, sässen in den nächsten vier Jahren gar SP-Mann Reynard und die Grüne Brigitte Wolf im Ständerat. Doch Wolf, aber auch SVP-Kandidat Cyrille Fauchère blieben im zweiten Wahlgang chancenlos.

Reynard blickte bereits in die Zukunft. Wegen seines hervorragenden Resultats im französischsprachigen Wallis sieht er den Bergkanton in einem grossen politischen Wandel. Bereits in eineinhalb Jahren finden die Walliser Staatsratswahlen statt. Angesichts seines Resultats wäre es naheliegend, wenn Reynard zu diesen Wahlen antritt, zumal die CVP nach wie vor drei der fünf Regierungssitze besetzt und es bei der Sitzverteilung zu Veränderungen kommen könnte. Zu diesem Szenario wollte sich der 32-Jährige gestern nicht äussern. Vorerst führe er seine Arbeit als SP-Nationalrat weiter.

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