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Das perfekte Eigentor

Christian Constantin braucht die Medien für seine Selbstinszenierungen – und hat sie nun gegen sich.

Christian Constantin beim Heimspiel des FC Sion gegen den FC Lugano – der Start in die Saison misslang dem Sion-Präsidenten gleich doppelt. (Keystone/Laurent Gillieron)
Christian Constantin beim Heimspiel des FC Sion gegen den FC Lugano – der Start in die Saison misslang dem Sion-Präsidenten gleich doppelt. (Keystone/Laurent Gillieron)

Der Start in die Fussballmeisterschaft ist Christian Constantin komplett misslungen. Sportlich, weil der Alleinherrscher im FC Sion im eigenen Stadion 233 Sekunden nach Anpfiff mitansehen musste, wie sich sein eben verpflichteter Goalie von einem 80 Meter Befreiungsschlag des Gegners düpieren liess. Zwischenmenschlich, weil sich Constantin mit dem Chefredaktor der Zeitung «Le Nouvelliste» überworfen und die Westschweizer Medienwelt gegen sich hat.

Der Konflikt begann nach Constantins Prügelattacke gegen den ehemaligen Nationaltrainer Rolf Fringer, die Constantin als «typische Walliser Antwort» bezeichnete. «Nouvelliste»-Chefredaktor Vincent Frangnière widersprach. Später schrieb Fragnière kritisch über die Olympiakandidatur Sion 2026 und damit gegen Constantins Interessen.

Als Fragnière schliesslich notierte, der FC Sion habe es in den letzten Jahren in der Schweizer Meisterschaft nie unter die besten vier Teams geschafft, (was nicht stimmt), explodierte Constantin. Er strich Fragnière und sämtlichen Nouvelliste-Journalisten die Saisonakkreditierung für die Heimspiele des FC Sion.

Westschweizer solidarisieren sich

Statt zum Befreiungsschlag wird die Kollektivstrafe für Constantin zum perfekten Eigentor. Das Gros der Westschweizer Sportjournalisten solidarisieren sich mit ihren Kollegen vom «Le Nouvelliste». Sie beklagen einen Verstoss gegen die Pressefreiheit.

Doch Constantin setzte noch einen drauf. Sämtliche Journalisten seien frei zu entscheiden, ihre Saisonakkreditierung zurückzugeben, teilte die Pressestelle des FC Sion in einem Communiqué mit. Eine Provokation auf Primarschulniveau.

Zum gegenseitigen Boykott wird es nicht kommen. Die Journalisten werden Constantin aber nicht mehr derart hofieren, wie er dies gewohnt ist. Dieser Liebesentzug wird den Meister der Selbstinszenierung schmerzen.

Doch vielleicht träumt der Fussballpräsident bereits von einer Zukunft, in der er keine Journalisten mehr nötig hat, weil er sie in der Redaktion seiner Sportillustrierten «Le Matin Sports» selbst beschäftigt. Und diese schreiben dann, was er will.

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