CVP stärkt ihrer möglichen Bundesratskandidatin den Rücken

Ihre Parteikollegen würden die Walliser Nationalrätin Viola Amherd trotz eines Rechtsstreits in den Bundesrat wählen.

«Eine zivilrechtliche Streitigkeit beeinträchtigt ihre Kandidatur nicht», sagt Ständerat Beat Rieder (CVPO). Bild: Keystone

«Eine zivilrechtliche Streitigkeit beeinträchtigt ihre Kandidatur nicht», sagt Ständerat Beat Rieder (CVPO). Bild: Keystone

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Ambitionen hat sie. Ihre Kandidatur für die Nachfolge von Doris Leuthard gab die Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd aber noch nicht bekannt. Ihr Name zirkuliert derweil bereits in den Medien. Zunächst stellte der «Walliser Bote» ihre Eignung für das Amt infrage. Am Mittwoch enthüllte die Zeitung dann, Amherd befinde sich mit einer Tochterfirma des Stromkonzerns Alpiq in einem Rechtsstreit. Die Parteien streiten sich wegen eines Mietvertrags. Die Alpiq-Tochter soll Amherd und ihrer Schwester jahrelang zu viel Miete bezahlt haben und fordert über 250'000 Franken zurück.

Amherds Partei, die CVP Oberwallis (CVPO), reagierte gestern auf den Bericht des «Walliser Boten». Sie verurteile «die medialen Verunglimpfungen von Nationalrätin Viola Amherd aufs Schärfste», schrieb die CVPO in einem Communiqué. Anwalt und Ständerat Beat Rieder, ebenfalls CVPO-Mitglied, betont: «Der Rechtsstreit ist eine zivilrechtliche Angelegenheit zwischen zwei Parteien. Frau Amherd vertritt die Interessen ihrer Erbengemeinschaft und muss dies unabhängig davon tun können, ob sie plant oder verzichtet, für das Amt der Bundesrätin zu kandidieren.» Für Rieder ist Amherd weiter wählbar. «Eine zivilrechtliche Streitigkeit beeinträchtigt ihre Kandidatur nicht», sagt er.

Eine gezielte Kampagne?

Sämtliche angefragten CVP-Politiker stärken Amherd den Rücken. Für viele ist klar: Es ist kein Zufall, dass die Vorwürfe in diesen Tagen erhoben werden. «Es ist unfair, dass jetzt ein privater Rechtsstreit an die Öffentlichkeit gezerrt wird. Das macht den Eindruck einer gezielten Kampa­gne», sagt Nationalrätin Kathy Riklin. «Bezeichnenderweise ist es wieder eine Frau, die man zermürben will, damit sie gar nicht erst als Kandidatin antritt», so die Zürcherin. Auch für den Obwaldner Nationalrat Karl Vogler sind die Berichte Teil einer Kampagne. Diese sei jedoch so durchsichtig und konstruiert, dass man sich nun mit Amherd eher solidarisiere, so Vogler. Er erhofft sich Schub für eine Kandidatur Amherds. CVP-Präsident Gerhard Pfister sagt: «Ich stehe in Kontakt mit Frau Amherd, die mich offen und transparent informiert hat. Innerhalb der Parteileitung sehen wir keinerlei Handlungsbedarf.»

Amherd legte gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet zusätzliche Informationen zum Rechtsstreit offen. Man habe mit Alpiq zunächst aussergerichtliche Verhandlungen geführt, sagt sie. Doch die Parteien hätten mit ihren Vergleichsvorschlägen zu weit auseinandergelegen. Was Amherd nach eigenen Angaben ärgerte: «Alpiq hat die Vergleichsverhandlungen, Vorschläge und Gespräche beim Gericht offengelegt, obwohl diese aus meiner Sicht vertraulich waren.» Trotzdem zeigt sie sich offen für weitere Gespräche. «Wir lassen uns aber nicht durch öffentlichen Druck und Medienkampagnen erpressen.»

SVP-Politiker in Verdacht

Offen ist, wer dem «Walliser Boten» die Prozessakten gab. Fakt ist: Für rechtsbürgerliche Kreise politisiert Amherd zu ausgeprägt am linken Rand der CVP. Doch der von mehreren CVP-Exponenten geäusserte Verdacht, die SVP könnte in die Indiskretion involviert sein, liess sich gestern nicht erhärten. Im Fokus steht der stellvertretende Filialleiter der Alpiq InTec West AG in Brig. Dieser ist Walliser Grossrat und Präsident der SVP Brig.

Amherd will sich an den Spekulationen nicht beteiligen. Sie sagt, sie wolle niemanden zu Unrecht verdächtigen. Noch lässt sie offen, ob sie als Bundesrätin kandidiert. Ihre Überlegungen mache sie unabhängig vom Rechtsstreit, sagt sie. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.10.2018, 23:53 Uhr

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