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Chirurgen warnen vor unnötigen Operationen

Man muss damit rechnen, dass Spitäler aus finanziellen Gründen Operationen durchführen, die nicht nötig wären: Das sagt Ralph A.Schmid, Präsident der Schweizer Chirurgen.

Der erste Punkt der neuen Charta des Chirurgenverbands lautet: «Chirurgische Eingriffe erfolgen aus medizinischen Gründen». Ist das nicht selbstverständlich? Ralph A. Schmid*: Heutzutage eben nicht mehr. Es geht um die Balance zwischen Ökonomie und Medizin. Wir wollen darauf hinweisen, dass zurzeit eine gefährliche Ökonomisierung der Medizin stattfindet. Einer der Gründe sind die Fallpauschalen, die wir in der Schweiz 2012 eingeführt haben. Das System hat Vorteile, birgt aber auch grosse Risiken. So nahm in Deutschland seit Einführung der Fallpauschalen 2004 die Zahl chirurgischer Eingriffe um 25 Prozent zu. Das ist medizinisch nicht erklärbar. Der Grund ist klar: Weil die Spitäler pro Fall weniger Geld erhalten, haben sie die Anzahl Fälle erhöht. Sie setzten die Anreize so, dass die Chirurgen mehr operieren als früher.

Dass sie also auch Patienten operieren, bei denen das gar nicht nötig ist? Ja, anders geht das gar nicht. Der «Spiegel» hat vor einiger Zeit Verträge veröffentlicht, die private deutsche Kliniken mit ihren Chirurgen abschlossen: Da stand schwarz auf weiss, dass die Chirurgen umso höhere Boni erhalten, je mehr Operationen sie vornehmen. Ein Kollege von mir, der an einer deutschen Klinik gearbeitet hatte, hat wegen eines solchen Vertrags gekündigt. Solche Boni sind für alle Beteiligten schlecht. Das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Chirurgen leiden – und für den Patienten kann es sogar gefährlich sein.

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