Cassis ist kaum mehr zu stoppen

Die SVP spricht sich demonstrativ für den Tessiner Ignazio Cassis aus. CVP und Grüne, welche die drei FDP-Bundesratskandidaten auch anhörten, blieben zurückhaltender. Isabelle Moret und Pierre Maudet dürften es allerdings schwer haben.

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Nach der ersten Hearingrunde von Dienstagnachmittag schält sich ein klarer Eindruck heraus: Der Tessiner Bundesratskandidat Ignazio Cassis behauptet seine gute Ausgangslage, die Waadtländerin Isabelle Moret schneidet überraschend gut ab, und der Genfer Pierre Maudet enttäuscht.

Bei der SVP-Fraktion fiel er richtiggehend durch. Von den SVP-Politikern stimmte lediglich jemand für ihn, während sich 45 für Cassis und 11 für Moret aussprachen; allerdings war die Fraktion nicht vollzählig. Auch bei den Grünen wurde man nicht warm ob des Genfer Staatsrats. Einzig die CVP enthielt sich eines Kommentars.

Damit hat schon über die Hälfte der Vereinigten Bundesversammlung das Dreierticket der FDP getestet. Am nächsten Dienstag sind dann SP, BDP und GLP an der Reihe.

Moret hat sich gefasst

Angesichts der schlechten Presse konnte insbesondere Nationalrätin Moret Boden gutmachen. Ihr unsicheres, ja ungeschicktes Auftreten in den vergangenen Wochen konnte sie abstreifen. Bei der SVP kam sie von allen dreien «am persönlichsten rüber», wie ein Fraktionsmitglied berichtete. Ganz klar im Vordergrund stand bei der SVP jedoch, dass dem Tessin nach über 18 Jahren Abwesenheit wieder ein Sitz in der Landesregierung zusteht, wie Fraktionschef Adrian Amstutz (BE) nach dem Ende der Anhörungen vor den Medien betonte. Darum kommuniziere die SVP ihre Präferenzen schon jetzt und nicht erst kurz vor der Wahl.

Ein Fraktionsmitglied meinte allerdings, es habe Cassis einige Sympathien gekostet, dass er sich explizit für eine Kokainlegalisierung ausgesprochen habe. Entscheidend vermochte dies den Tessiner Nationalrat aber nicht zu schwächen. Sowieso nicht gegenüber dem Genfer Maudet, der bisher den aktivsten Wahlkampf hingelegt hat. Dessen Haltung zu Europa und zum Umgang mit Sans-Papiers stellt für die SVP ein rotes Tuch dar, obschon Maudet seinen Ruf zu korrigieren versuchte.

Wenn SVPler die Wahl haben, bevorzugen sie offenbar legale Drogen vor legalisierten Sans-Papiers.

Nur mehr ein Zweikampf?

Dieses im Frühjahr lancierte Vorzeigeprojekt Maudets mit den Sans-Papiers würdigten dafür die Grünen. Für Bastien Girod (ZH) schmälert jedoch dessen zweiter Teil, die forcierten Ausschaffungen, die Gesamtbilanz. Immerhin: «Maudet beweist, dass er auch in schwierigen Dossiers Lösungen finden kann.» Von Cassis blieb ihm dessen progressive Drogenpolitik in positiver Erinnerung, bei Moret war es deren Bekenntnis zur Forschung. Wählbar seien alle drei, blieb er letztlich unverbindlich. Es brauche noch fraktionsinterne Diskussionen, liess die Fraktion mit ihren 13 Mitgliedern mitteilen.

Dieses Fazit zogen auch die ­angefragten CVP-Fraktionsmitglieder. Darüber, wohin deren 43 Stimmen wandern, mochten sie nicht spekulieren. Vermutlich komme es am 20. September, dem Wahltag, zu einem Zweikampf zwischen Cassis und Moret, liess sich jemand immerhin entlocken. Dieses Szenario scheint nach den gestrigen Hearings nicht abwegig zu sein. Allerdings mit deutlichem Vorteil für den Tessiner Kandidaten.

Einzelne Parlamentarier wetzen schon die Klingen für die Nacht der langen Messer, wie der Abend vor dem Wahlmorgen genannt wird. Dann werden jeweils letzte Allianzen geschmiedet. ­Peter Keller (SVP, NW) meinte jedenfalls scharf: «Wäre man in der Deutschschweiz so rücksichtslos mit einem Romand ­umgesprungen wie die Romands mit dem Tessiner Ignazio Cassis, hätte es einen Riesenaufschrei gegeben.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 09:28 Uhr

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