Bund verleiht Berufskarrieren Flügel

Der Bund wird neu bis zur Hälfte der Kosten einer höheren Berufsausbildung übernehmen. Nach einiger Verwirrung im Parlament scheint eine ­unbüro­kra­tische Lösung ­gefunden. Die Arbeitgeber sind erleichtert.

Wer sich weiterbildet, wird künftig vom Bund unterstützt.

Wer sich weiterbildet, wird künftig vom Bund unterstützt.

(Bild: Thomas Peter)

Christoph Aebischer@cab1ane

Viele Berufsleute, die nach mehr streben, bilden sich massgeschneidert weiter. Ihnen stehen ein schier endloses Angebot an Kursen und fast 400 Abschlüsse offen, um ihre Karriere berufsbegleitend voranzubringen. Wer allerdings heute eine Berufs- oder eine höhere Fachprüfung ablegt, berappt im Unterschied zu Unistudenten die Kosten zur Hauptsache selber – immerhin unterstützt vom Arbeitgeber.

2017 ändert sich das: Die öffentliche Hand wird ihre Unterstützung fast verdreifachen. Bisher subventionierten vor allem Kantone diverse Ausbildungsgänge mit 50 bis 60 Millionen Franken. Künftig werden diese durch Beiträge des Bundes in der Höhe von 135 Millionen pro Jahr ersetzt. Laut Schätzungen des Arbeitgeberverbands beläuft sich das Gesamtvolumen dieses ­Ausbildungsmarktes auf rund 300 Millionen Franken pro Jahr.

Viel Bürokratie befürchtet

Etwas überraschend zauberte die Debatte im nationalen Parlament zur Änderung des Berufsbildungsgesetzes bisher trotzdem kein Lachen auf die Gesichter, stattdessen legten sich die Stirnen von Gewerbe- und Arbeit­gebervertretern in Sorgenfalten. Gut gemeint kann eben auch das Gegenteil von gut bedeuten.

Jürg Zellweger, beim Arbeitgeberverband für die Bildung zuständig, weiss, wie es so weit kam: Nicht ­alle Gewerbevertreter hätten am selben Strick gezogen. Es seien verschiedene und offenbar auch verschleierte Interessen im Spiel gewesen. Das Parlament durchschaute dies vorerst nicht, ein Bürokratiemonster drohte.

Doch der Reihe nach: Der ­Bundesrat wollte die finanzielle Unterstützung an die eidgenössische Prüfung nach der Ausbildung knüpfen. Besorgte Parlamentarier befürchteten dagegen, dass die teuren Kurse Interessenten von der Ausbildung abhalten würden, weil sie sich verschulden müssten. Der Ständerat modifizierte im September darum das Gesetz: Der Bund soll nicht erst nach der Prüfung, sondern schon während der Ausbildung und jährlich ­zahlen.

Dies stellte das bundesrätliche Konzept auf den Kopf: Beiträge würden nicht an Prüfungen, sondern an die Ausbildungsgänge ­gekoppelt. Für Zellweger ein ­Unding. Denn die Kurse seien bisher flexibel und bedürfnis­gerecht ausgestaltet. Steige der Staat ein, würden Reglementierungen folgen, die bürokratischen Aufwand bedeuteten. «Die höhere Berufsbildung würde um Jahre zurückgeworfen», bilanziert Zellweger.

Sehr rentable Ausbildungen

Diese Gefahr scheint gebannt. Die vorberatende Kommission des Ständerats hat dazugelernt und sieht in ihrem Antrag, über den das nationale Parlament nächste Woche befinden wird, bloss noch eine Härtefallregelung vor. Nur auf ein begründetes Gesuch hin soll ein Kursteilnehmer vor der Prüfung vom Bund unterstützt werden.

Damit ist Zellweger einverstanden. Das Risiko, dass sich geeignete Kandidaten von einer Ausbildung abhalten liessen, sei sowieso gering: «Angesichts der meist blendenden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt lohnt sich die Investition allemal», ist er überzeugt. Im Schnitt steige der monatliche Lohn nach erfolgreichem Abschluss um 600 bis 1200 Franken. Die 9000 bis 13'000 Franken an Weiterbildungskosten liessen sich relativ rasch amortisieren. Und bald werden sie sogar voraussichtlich zur Hälfte vom Bund erstattet – und dies selbst dann, wenn jemand durch das Examen rattert.

Zentral ist für Zellweger, dass die gegen 17'000 Berufsleute, die in der Schweiz pro Jahr eine ­eidgenössische Prüfung ablegen, weiterhin bedürfnisgerecht ausgebildet werden.

Staat soll nicht alles zahlen

Mit der absehbaren Regelung sorgt der stattliche Bundesbatzen jetzt auch bei Arbeitge­bern für glückliche Gesichter. Schliesslich haben sie sich für gleich lange Spiesse gegenüber Hochschulen eingesetzt. Mehr wolle man aber nicht, beschwichtigt Zellweger.

Die höhere Berufsbildung solle der Staat nur unterstützend mit­finanzieren. Darauf gründe das Erfolgsmodell. In erster Linie, mahnt er, müssten die neuen Bundesbeiträge die angehenden Meister, Fachwirte und weiteren Fachleute entlasten. «Es ­wäre nicht im Sinn unseres Verbands, wenn sich die Arbeitgeber künftig weniger stark an den Kosten beteiligen würden.»

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