Bund kürzt Berufsverbänden Mittel

Das Bundesamt für Kultur streicht acht kulturellen Berufsverbänden die Förderbeiträge. Einige können dies umgehen, wenn sie einer geforderten Fusion zustimmen.

Stefanie Christ@steffiinthesky

«Das Bundesamt für Kultur kündigt dem Berufsverband der Freien Theaterschaffenden ACT sowie weiteren Theaterverbänden die Unterstützung», heisst es in einem Aufruf, den verschiedene Verbände und freie Theaterschaffende gestern verbreitet haben. ACT-Mitglieder wie der Berner Autor Guy Krneta riefen auf den sozialen Medien mit der Parole «Wir Theaterschaffenden wehren uns!» zum Unterschriftensammeln gegen die Kürzungen auf. Was steckt dahinter?

Verschärfte Kriterien

Das Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützt Organisationen von professionellen Kulturschaffenden wie Visarte Schweiz – den Berufsverband visueller Kunst –, Danse Suisse oder das Schweizer Syndikat für Film und Video mit Beiträgen. 2017 hat die neue Förderperiode begonnen und damit ist auch die im Sommer 2016 überarbeitete Verordnung in Kraft getreten.

Und mit ihr kommen die Änderungen zum Tragen: Bisher konnte etwa der ACT auf eine jährliche Unterstützung in Höhe von 130'000 Franken zählen. Für das Jahr 2017 erhält er noch 61 554 Franken, im Jahr 2018 gar nichts mehr, wie dem Verband Ende Januar vom BAK mitgeteilt wurde.

Betroffen von den Kürzungen sind neben dem ACT auch der Schweizerische Tonkünstlerverein oder der Schweizerische Bühnenkünstlerverband. «Wir haben in Hinblick auf die neue Förderperiode die Voraussetzungen und die Kriterien zur Bemessung der Finanzhilfen auf eine neue Basis gestellt», erklärt Daniel Menna, Mediensprecher des BAK, die Bereinigung.

«Erstens werden neu nur noch Organisationen unterstützt, deren hauptsächliche Tätigkeit in der Information, Beratung und Interessenwahrung ihrer Mitglieder besteht.» Zweitens wurde die Fördervoraussetzung verschärft, wonach die Organisationen gesamtschweizerisch tätig sein müssen. «Auch Organisationen, die hauptsächlich Vermittlung und Promotion betreiben, werden nicht mehr unterstützt», erklärt Menna weiter.

Für diese Art von Tätigkeiten seien andere öffentliche Förderinstanzen zuständig, etwa Pro Helvetia, Kantone oder Städte.

Fusion gefordert

Im Fall von ACT sei die gesamtschweizerische Tätigkeit nicht erfüllt. «Dem widersprechen wir. ACT ist schweizweit tätig», so Verbandspräsident Niggi Ullrich. Dass «die unterschiedlichen Theatersysteme der verschiedenen Sprach- und damit Kulturräume nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind», räumen die Verbände im Aufruf ein.

Was für Präsident Ullrich die grössere Aufregung ist: Im BAK-Schreiben vom Januar wird der ACT aufgefordert, sich mit dem Schweizerischen Bühnenkünstlerverband, dem Syndicat Suisse Romand du Spectacle oder mit den Vereinigten Theaterschaffenden der italienischen Schweiz zusammenzuschliessen. Diese Gewerkschaften sind ebenfalls von Kürzungen betroffen.

«Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen den BAK-Entscheid vor.»Niggi Ullrich, Verbandspräsident ACT

ACT behält sich nun rechtliche Schritte vor. Der Verband könnte Erfolg haben: Das BAK wollte 2012 auch dem Schweizerischen Bühnenverband Mittel kürzen. Dieser legte Beschwerde ein – und erhielt nach juristischem Hin und Her recht, wie das beim Bundesverwaltungsgericht online einsehbare Urteil von 2015 festhält.

Auch fürs BAK sind die Mittelkürzungen noch nicht abgehakt: «Im Jahr 2017 können die Verbände versuchen, die überar­beiteten Kriterien umzusetzen. Gelingt es ihnen, werden sie erneut geprüft», so BAK-Sprecher ­Menna.

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