Bullshit? Oh no!

Matthias Aebischer hat mich erhört! Letzte Woche begeisterte mich hier die selbst entlarvende Omnipräsenz des SP-Nationalrats...

Jürg Steiner@Guegi

Und wie reagierte er? Indem er den vergangenen Samstag auf seinem Facebook-Profil zum «Grosskampftag» erklärte.

Bei brütender Hitze absolvierte Aebischer beneidenswert unverschwitzte Auftritte in Oberwangen, Ostermundigen und zuletzt beim Boulespielen in Münchenbuchsee.

Ich bleibe dabei: Matt for President, anywhere, anytime!

Noch benebelt von Aebischers Performance erwischte mich die SVP Schweiz am Montag allerdings auf dem linken Fuss. Das Land fragt sich angesichts des Flüchtlingselends gerade, ob es eigentlich eine Willkommenskultur habe. Mitten in diese Diskussion platzt nun die SVP mit dem Titel ihres neuen Parteisongs: «Welcome to SVP». In globalisierungstauglichem Englisch, dass es auch Einwanderer verstehen. Inshallah!

Ton und Text werden noch unter Verschluss gehalten und erst am 11. September veröffentlicht, einem Datum, an dem schon andere Bomben platzten. Online veranstaltet die SVP einen aufwendigen Countdown, jeden Tag kann man auf der gleichnamigen Homepage einen neuen, nur wenige Sekunden langen Youtube-Trailer anklicken, in dem sich die SVP-Schlachtrösser nacheinander in Posen werfen.

Sodass mir, als Interpreten des psychologischen Kaffeesatzes, die Augen überquellen. Meine Begeisterung hat rasch das Lager gewechselt. Denn man sieht betörend lächerliche Dinge.

Etwa den barbäuchigen Christoph Blocher, der sich wie eine abgestürzte Hornisse in seinen Swimmingpool wirft. Man sieht den Totentanz-Experten Christoph Mörgeli, der mit irrem Blick einem Skelett die imaginären Achselhaare streichelt. Man sieht den intellektuellen Anzugträger Roger Köppel, der mit heruntergelassenen Jeans auf dem WC sitzt und die linke Wochenzeitung liest. Man sieht den Bankgeheimnisverteidiger Thomas Matter, der mit diabolischem Grinsen eine Waschmaschinentrommel mit Geld füllt. Alles echt.

Bullshit? Oh no!

Während Heerscharen von Kandidatinnen und Kandidaten brav und austauschbar auf Facebook, Twitter und Instagram mit müden Selfies ihre Kampagne vor dem Einschlafen bewahren, ist die SVP längst in der nächsten Geländekammer unterwegs. Die Clique um Blocher hat begriffen, dass Satire im Wahnsinn unrealistischer Wahlversprechen eine Glaubwürdigkeitsmarke darstellt.

Cool ist, wer sich selber verballhornt und im Nebeneffekt der professionellen Satire noch den Stoff entzieht. Giacobbo/ Müller könnten die Sommerpause bis nach dem 18.Oktober verlängern. Dann ist wieder Politik. Jetzt ist Wahlkampf.

Berner Zeitung

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