Bern kämpft weiter für den Lötschberg

Der Kanton Bern kritisiert das Nein des Bundesrats zur Vollendung des Lötschberg-Basistunnels ungewohnt scharf. Die Begründung sei ungenügend.

Der Lötschberg-Basistunnel soll sich weiterhin verengen und nur auf 14 von 35 Kilometern doppelspurig sein.

Der Lötschberg-Basistunnel soll sich weiterhin verengen und nur auf 14 von 35 Kilometern doppelspurig sein. Bild: zvg

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Der Bundesrat propagiert beim Bahnausbau bis 2035 zwar die teurere Variante im Umfang von 11,5 Milliarden Franken. Damit bestätigten sich gestern Recherchen dieser Zeitung. Doch für den Ausbau der Doppelspur im Lötschberg-Basistunnel sieht die Landesregierung keinen Platz.

«Wir haben schon so viel in die Nord-Süd-Achse investiert. Die Kapazität ist ausreichend für die nächsten Jahre», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard vor den Medien in Bern. Unter ihrer Federführung ist der Lötschberg-Ausbau in der Vernehmlassungsvorlage nur «vorgemerkt» für einen nächsten Ausbauschritt. Dieses Paket soll dann in acht Jahren entworfen werden.

Noch ein Vierteljahrhundert

Befürworter zeigten sich sehr überrascht, enttäuscht, aber auch kampfbereit: «Noch ein Vierteljahrhundert auf den ausgebauten Lötschberg-Basistunnel zu warten, kommt nicht infrage», twitterte die Berner Regierungsrätin Barbara Egger. «Der Entscheid des Bundesrates ist nicht nachvollziehbar und auch ungenügend begründet», teilte Eggers Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion mit. Der Kanton Bern fordere mit Nachdruck, dass der Ausbau des Lötschberg-Basistunnels in den Ausbauschritt 2035 aufgenommen werde.

Verkehrsirektorin Barbara Egger äusserte sich auf Twitter zum Bundesratsentscheid:

Zweite Alpentransversale

Egger erinnerte daran, dass das Projekt eine Voraussetzung für den Halbstundentakt zwischen Bern und Brig sowie zwischen Bern und Interlaken sei. Damit würden genügend Transportkapazitäten zwischen Bern und dem Berner Oberland bereitgestellt. Hinzu komme die internationale Bedeutung für den Güterverkehr.

Ein Ausbau des Lötschberg-Basistunnels würde die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene im Güterverkehr stärken, bekräftigte die BLS. «Neben der Gotthard­achse eine Ausweichmöglichkeit durch die Alpen zu haben, ist wichtig. Das zeigt uns auch der aktuelle Streckenunterbruch bei Rastatt», schreibt das Berner Bahnunternehmen in einer Stellungnahme.

Natürlich ist auch die Betreiberin des Tunnels enttäuscht vom Bundesrat. Schliesslich hat die BLS im Juni beim ­10-Jahr-Jubiläum zur Eröffnung des Tunnels eine Kampagne lanciert. Die Planungsarbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Es geht darum, 14 bereits ausgebrochene Kilometer der zweiten Röhre fertigzustellen und befahren zu können. Damit blieben noch 6 von 35 Kilometern des Tunnels einspurig.

200 Teilprojekte

Der Bundesrat bevorzugt aber andere Projekte, die zum Teil noch im Frühstadium sind. Die Kostengenauigkeit in dem Milliardenpaket wird denn auch erst auf plus/minus 50 Prozent beziffert. Neben drei Grossprojekten im Raum Zürich (Brüttener Tunnel, Verlängerung des Zimmerberg-Basistunnels und Ausbau des Bahnhofs Zürich-Stadelhofen) sind weitere bedeutende Massnahmen der Ausbau der Strecke zwischen Yverdon, Lausanne und Genf sowie die Modernisierung der Strecke Neuenburg–La Chaux-de-Fonds.

Hinzu kommen gegen 200 kleinere In­frastrukturbauten. Dazu zählen Bahnhofserweiterungen, neue Gleise und Terminals für den ­Güterverkehr vor allem auf der West-Ost-Achse sowie Ausbauten bei Privatbahnen. Leuthard begründet die Auswahl damit, dass so das Angebot auf überlasteten Strecken sowohl im Fern- als auch im S-Bahn-Verkehr weiter verdichtet und damit an die stark steigende Nachfrage angepasst werden könne.

Neu im Viertelstundentakt

Zwischen Bern, Zürich und Winterthur könne so der Viertelstundentakt eingeführt werden. Allerdings werden die Züge von Bern laut SBB neu entweder in Aarau oder in Zürich-Oerlikon halten. Auch darüber wird nun in der Vernehmlassung noch viel gestritten werden. Diese soll bis Januar dauern. Voraussichtlich Ende 2018 will der Bundesrat die Botschaft ans Parlament überweisen. Dort wird das Ringen um die nächsten Bahnmilliarden definitiv entschieden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.09.2017, 08:27 Uhr

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