Beide Agrar-Initiativen drohen zu scheitern

Fair-Food und Ernährungssouveränität haben ihren Vorsprung ein­gebüsst: Die Resultate der dritten Tamedia-Umfrage.

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Es sieht nach einem klassischen Verlauf des Abstimmungskampfes aus: Die Fair-Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität sind nach der Sommerpause mit satten Ja-Mehrheiten gestartet. In der dritten Umfragewelle von Tamedia ergibt sich nun für beide Begehren ein deutliches Nein.

Frauen sagen Ja zu Fair Food

Vor zwei Wochen resultierte noch eine Zustimmung für die Agrar-Initiativen. Seither hat die Initiative für Ernährungssouveränität 14 Prozent Zustimmung verloren, die Fair-Food-Initiative 12 Prozent. Der entscheidende Meinungsumschwung hat laut den Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen in der Basis von CVP und SVP stattgefunden, die nun beide Anliegen klar ablehnen.

Meistgenanntes Argument gegen die Fair-Food-Initiative: Die Lebensmittel würden in der Schweiz noch teurer.

Die Initiative für Ernährungssouveränität will eine Neuausrichtung der Schweizer Agrarpolitik: Mehr Staat, weniger Markt, lautet der Grundsatz. Dazu sagen laut Umfrage noch 39 Prozent Ja oder eher Ja, 59 Prozent Nein oder eher Nein. Bei der Wählerschaft der bürgerlichen Parteien wird die Initiative der Bauernorganisation Uniterre nun durchgehend abgelehnt. Bei der Basis von SP und Grünen findet sie nach wie vor Zustimmung. Meistgenanntes Argument gegen die Initiative ist, dass sie die Schweizer Landwirtschaft abschotten wolle.

Die Fair-Food-Initiative will höhere Standards für importierte Lebensmittel in der Verfassung verankern. Dazu sagen nun 56 Prozent der Befragten Nein oder eher Nein, noch 43 Prozent Ja oder eher Ja. Meistgenanntes Argument gegen die Initiative ist, dass die Lebensmittel in der Schweiz noch teurer und der Einkaufstourismus noch grösser würden. Auffallend ist, dass die Zustimmung zur Fair-Food-Initiative unter den Frauen nach wie viel höher ist als bei den Männern. Bei den Frauen hat das Volksbegehren der Grünen nach wie vor eine knappe Mehrheit, während bei den Männern über 60 Prozent Nein sagen. 

Veloartikel auf Zielgeraden 

Eine klare Mehrheit hat in der dritten Umfragewelle nun der Veloartikel, die einzige Behördenvorlage am 23. September. 57 Prozent der Teilnehmenden stimmen dem direkten Gegenentwurf zur Veloinitiative zu, 40 Prozent lehnen ihn ab. Hauptargument der Befürworter ist, dass ein gutes Velowegnetz die Zahl der Unfälle verringere.

Die Befragung fand am 6. und am 7. September online statt. Teilgenommen haben 10230 Personen aus der ganzen Schweiz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2018, 07:21 Uhr

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