Bei dieser Armeeübung sind Klimaaktivisten der Feind

Eine so konkrete Nennung der «Gegenseite» wäre nicht nötig gewesen, findet die Schweizer Armee im Nachhinein.

Dann im Einsatz, wenn die Mittel der zivilen Behörden ausgeschöpft sind: Sanitäter der Schweizer Armee an einer Übung in Bütschwil SG. Foto: Gaëtan Bally, Keystone

Dann im Einsatz, wenn die Mittel der zivilen Behörden ausgeschöpft sind: Sanitäter der Schweizer Armee an einer Übung in Bütschwil SG. Foto: Gaëtan Bally, Keystone

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine Demonstration eskaliert so sehr, dass Sanitäter des Schweizer Militärs zur Unterstützung eingesetzt werden müssen. Einige gewaltbereite Demonstranten müssen mit Pfefferspray vom Sanitätsposten ferngehalten werden, manche verlieren ihre Finger, als sie gegen Absperrgitter gequetscht werden, andere werden von der Polizei mit Schlagstöcken spitalreif geprügelt – viel Arbeit für die Sanitäter also. Scheint ein heftiges, aber nicht gänzlich unrealistisches Szenario. Jetzt sind das in der Fantasie der Schweizer Armee aber nicht irgendwelche Demonstranten, sondern Klimaaktivisten, die auf der «Gegenseite» stehen. So beschreibt dies die «Aargauer Zeitung» mit Verweis auf einen ihr vorliegenden Informationsaushang der Übung.

Die Einsatzübung mit dem Namen «Nostro Clima» fand Ende Januar im Rahmen eines Wiederholungskurses der Sanitätskompanie 6 in Lausanne statt. Sie spielte mit dem fiktiven Szenario einer Klimademonstration mit 600 Teilnehmenden – 100 davon waren in kleinere Gruppen unterteilt, die «unorganisiert» und «unvorhersehbar» agierten, was zu einer Strassenschlacht zwischen Polizei und Aktivisten führte. Die Sanitäter mussten sich um die fiktiven Verletzten kümmern. Die Klimademo wurde in der Übung als «Gegenseite» bezeichnet, welche die zivilen Behörden derart «an den Rand ihrer verfügbaren Mittel» brachte, dass diese von Soldaten im Wiederholungskurs unterstützt werden mussten.

«Ein starkes Stück»

Offenbar ist es beim Schweizer Militär keine Seltenheit, dass bei Übungen der Feind immer öfter aus dem Inneren kommt. «Wir Sanitäter üben fast nur noch solche Szenarios. Dass nun aber schon Klimaaktivisten als ‹Gegenseite› bezeichnet werden, ist doch ein starkes Stück», sagt ein Soldat, der bei der Übung im Einsatz stand.

Für die Armee ist die Bezeichnung der Klimademonstranten als «Gegenseite» keine «politische Wertung». Mit dem Begriff seien Akteure und weitere Faktoren wie etwa das Wetter gemeint, welche die Auftragserfüllung behindern könnten, sagen Kommunikationsverantwortliche des Militärs gegenüber der «Aargauer Zeitung». Ob man die «Gegenseite» jedoch wirklich so spezifisch hätte benennen müssen, daran hegt man auf Anfrage der Zeitung dann doch Zweifel. «In diesem Fall hätte man für die Erreichung der Übungsziele auf die Nennung des Grundes der Demonstration verzichten können.»

sho

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