Bauernlobby prüft FDP-Kandidaten

Die Anhörungen von Moret, Cassis und Maudet haben vor dem Bauernverband begonnen. Dessen Präsident will sich nicht in die Karten blicken lassen.

Die drei Kandidaten für den frei werdenden FDP-Bundesratssitz: Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet (l.), die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und der Tessiner Nationalrat und FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis in Neuchatel. (2. September 2017)

Die drei Kandidaten für den frei werdenden FDP-Bundesratssitz: Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet (l.), die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und der Tessiner Nationalrat und FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis in Neuchatel. (2. September 2017) Bild: Valentin Flauraud/Keystone

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Gut eine Woche vor der Bundesratswahl hat für die drei Kandidierenden der FDP die heisse Phase begonnen: Am Montag sprachen Moret, Cassis und Maudet bei den Bauern vor. In den kommenden Tagen stehen weitere verschiedene Hearings mit Parteifraktionen und Verbänden an.

Die drei Kandidierenden seien kompetent, offen und ehrlich aufgetreten, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Laut dem St. Galler CVP-Nationalrat haben alle ihre Pläne für die künftige Landwirtschaftspolitik transparent dargelegt.

Keine Wahlempfehlung

Beim je 25 Minuten dauernden Hearing der Konferenz der bäuerlichen Parlamentarier, der rund dreissig National- und Ständeräte angehören, waren rund zwanzig Politiker anwesend, wie Ritter weiter sagte. In die Karten schauen lassen wollte er sich aber nicht. «Wir geben keine Wahlempfehlung ab.» Jeder Parlamentarier müsse den Entscheid für sich treffen.

Er selbst habe bereits eine Präferenz, die er aber für sich behalten werde, sagte Ritter. «Ich muss mit jedem auskommen, falls er oder sie gewählt wird.»

Zurückhaltung vor dem Wahltag

Ob bei der Bauernlobby die Waadtländerin Isabelle Moret, der Tessiner Ignazio Cassis oder der Genfer Pierre Maudet am meisten Kredit hat, dürfte sich also erst am Wahltag zeigen. In den Medien äusserten sich in den vergangenen Wochen verschiedene Bauernvertreter eher kritisch zu Cassis und eher freundlich zu Moret. Über die agrarpolitischen Auffassungen von Maudet ist indes wenig bekannt.

Ob auch weitere Verbände zu offiziellen Hearings laden, ist derzeit unklar. FDP-Generalsekretär Samuel Lanz hat keinen Überblick über anstehende Treffen und Veranstaltungen der drei Kandidierenden. «Wir bieten unsere Hilfe an, wenn sie gewünscht wird», sagte er. Verantwortlich für die Organisation seien aber Moret, Cassis und Maudet selbst.

Kein Hearing bei Travail.Suisse

Anfragen beim Arbeitgeberverband, Gewerbeverband, Gewerkschaftsbund, bei Economiesuisse, SwissMEM nach geplanten Treffen mit den drei FDP-Kandidierenden blieben am Montag unbeantwortet.

Die Gewerkschaft Travail.Suisse lädt die Kandidierenden nicht zu einem Hearing ein, aber steht mit den drei Politikern in Kontakt. «Wir befragen sie zu ausgewählten Themen – aktuell zum Thema Vaterschaftsurlaub, und wie sie dazu stehen», sagte Sprecherin Linda Rosenkranz der sda. Solche Recherchen würden aber nur intern verwendet. «Wir betreiben damit kein eigentliches 'Rats-Lobbying'.»

Erste Parteihearings am Dienstag

Wichtige Termine für die drei Regierungsanwärter stehen unter der Bundeshauskuppel noch an. SVP, CVP und Grüne haben sie für Dienstag zu Anhörungen aufgeboten. Die Hearings in den übrigen Fraktionen finden eine Woche später statt.

Auch wenn die Meinungen danach gemacht sein sollten und niemand einen Coup plant: Eifrig diskutieren werden Politikerinnen und Politiker noch in der Nacht vor der Wahl. Das Spektakel im Hotel Bellevue gehört inzwischen zur Tradition.

Vermutlich mehrere Wahlgänge

Die Vereinigte Bundesversammlung entscheidet am 20. September, wer die Nachfolge des scheidenden Bundesrats Didier Burkhalter antritt. Bei drei Kandidierenden sind mehrere Wahlgänge zu erwarten.

Ab dem dritten Wahlgang können nur noch jene gewählt werden, die in den ersten beiden Runden Stimmen erhalten haben. Erreicht niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, scheidet die Person mit der geringsten Stimmenzahl vor dem nächsten Wahlgang aus. Das wird wiederholt, bis eine Person das absolute Mehr erreicht. (chi/sda)

Erstellt: 11.09.2017, 17:38 Uhr

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