Basler IS-Sympathisant «würde gerne im Krieg sterben»

Die Bundesanwaltschaft hat einen Islamisten aus Liestal per Strafbefehl verurteilt. Er hat die Terrorgruppe IS unterstützt. Und er hat Hunderte jihadistischer Videos mit «brutalsten Übergriffen auf Menschen» sowie illegale ­Pornos gespeichert.

Der Verurteilte hat zu Protokoll gegeben, dass er Kampfszenen liebe und selber ein Kämpfer sei.

Der Verurteilte hat zu Protokoll gegeben, dass er Kampfszenen liebe und selber ein Kämpfer sei.

(Bild: Getty Images)

Mischa Aebi@sonntagszeitung

Er liebe Kampfszenen, er sei ein Kämpfer und würde gerne auf einem Schlachtfeld sterben. Diese Worte hat ein heute 33-jähriger Mann aus Liestal den Strafbehörden zu Protokoll gegeben. Es war die Antwort auf die Frage der Ermittler, warum er über Youtube, Facebook und Google+ «äusserst brutale, menschenverachtende» Videos publiziert hat. Nach Ansicht des Schweizers mit ausländischen Wurzeln sind die in den Videos Hingerichteten «Scheissmörder», die «verrecken und leiden» und eines «grausamen Todes» sterben sollen.

Nun hat die Bundesanwaltschaft den gelernten Handwerker mittels Strafbefehl wegen zahlreicher Verstösse gegen das Strafgesetz verurteilt: wegen Gewaltdarstellung, illegaler Pornografie, Unterstützung einer kriminellen Organisation und illegalen Waffenbesitzes sowie wegen Verstössen gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Terrorgruppierungen al-Qaida und Islamischer Staat. Der Strafbefehl liegt dieser Zeitung vor.

Tausende illegale Bilder

Auf einem Smartphone hat der Liestaler 168 Videos mit extremistisch-jihadistischer Propaganda der Terrororganisation IS gespeichert. Sie zeigen gemäss dem Strafbefehl «brutalste Übergriffe auf Menschen». Viele der beim Beschuldigten gefunden Filme waren mit der schwarzen IS-Flagge gekennzeichnet. Einer der Filme zeigt die Erschiessung von drei wehrlosen zivilen Lastwagenfahrern, ein anderer die «wahllose Beschiessung von Zivilisten» sowie die Erschiessung «gefesselter Zivilisten».

Auf einem anderen Mobiltelefon haben die Ermittler 65 000 grösstenteils illegale Bilder gefunden. Die meisten waren Screenshots von gewaltverherrlichenden Videos des IS und bekannter Terroristen wie dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi und Osama Bin Laden. Es ging um Bilder von Menschen, die gehängt oder enthauptet wurden.

Die Ermittlungen gehen auf einen Hinweis des Geheimdienstes zurück.

Der Verurteilte war auch im Besitz einer CD mit illegalem pornografischem Material. Gezeigt werden sexuelle Handlungen von Frauen und Männern mit Tieren.

Neben dem Bild- und Videomaterial hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung auch Waffen gefunden. Darunter befand sich eine abgeänderte Gasdruckpistole, Munition sowie ein Samurai-Schwert. Das Schwert hat sich als Attrappe entpuppt. Doch der Besitz der Pistole und der Munition war illegal.

Hinweis vom Geheimdienst

Die Ermittlungen gehen auf einen Hinweis des Geheimdienstes zurück: Spezialisten des Nachrichtendienstes des Bundes hatten die Bundeskriminalpolizei 2014 informiert, dass der Beschuldigte auf verschiedenen Onlinekanälen wie Youtube zahlreiche propagandistische Beiträge kommentiert und positiv bewertet hatte. Im Verlauf der Ermittlungen hat sich herausgestellt, dass der Liestaler IS-Sympathisant selber eine grosse Zahl von illegalen extremistischen Film- und Bildbeiträgen veröffentlich hat.

Unter seinen Beiträgen befand sich neben «brutalsten Hinrichtungsvideos» auch ein Musikclip des zum Islam konvertierten deutschen Rappers Deso Dog, der sich heute Abu Talha al-Amani nennt. Produziert wurde das Video von der IS-Propaganda­organisation Ahayat Media Center. In dem Clip werden Enthauptungen und Verbrennungen gezeigt.

Bilder weg, Freunde bleiben

Der Liestaler zeigt heute auf seinem Facebook-Profil keine illegalen Bilder mehr – dafür einen Panzer mit einem auf den Betrachter gerichteten Rohr. Unter seinen Freunden befinden sich nach wie vor Terroristen. Der letzte Beitrag stammt vom August 2016. Verurteilt wurde der Mann zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten bedingt.

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