Bald muss man für den Sack in die Tasche greifen

Ab 1. November kosten die Einwegplastiksäcke an der Migros-Kasse fünf Rappen. Coop zieht 2017 nach. Davon soll die Umwelt profitieren. Erste Erfahrungen zeigen: Ist das Säckchen nicht ­gratis, verzichten die allermeisten Kunden darauf.

Ab Dienstag sind die Plastiksäckli für die Kunden nicht mehr frei verfügbar – sondern können beim Kassenpersonal für 5 Rappen bezogen werden.

Ab Dienstag sind die Plastiksäckli für die Kunden nicht mehr frei verfügbar – sondern können beim Kassenpersonal für 5 Rappen bezogen werden.

(Bild: Stefan Anderegg)

Rahel Guggisberg
Christoph Albrecht

Wer bisher ohne Tasche einkaufen ging, zog aus einem Spender beim Kassenbereich einfach eine knisternde Tüte, verpackte darin Brot und Milch, und gut wars. Das Problem: Die Säcke dienten in der Regel nicht für den mehrmaligen Gebrauch. Oft landeten sie gleich nach dem Einkauf im Abfall.

Das soll sich nun ändern: Auf den 1. November führt die Migros auf politischen Druck hin schweizweit als erster der grossen Detailhändler kostenpflichtige Säckchen ein. Der Preis: fünf Rappen das Stück. In der Migros Waadt ist dies bereits seit 2013 der Fall.

«Wir haben in diesem Bereich sehr positive Erfahrungen gemacht», sagt Christine Gaillet, Sprecherin der Migros. Die Kunden hätten sich schnell an die Änderungen gewöhnt – und grösstenteils auf die Säckli verzichtet. «Der Verbrauch der Plastiksäckli an der Kasse ist um rund 90 Prozent zurückgegangen.» Ein kleiner Preis habe also grosse Wirkung gezeigt.

Vom geringeren Säckliverbrauch soll in erster Linie die Umwelt profitieren. damit diese geschont werden kann, werden die neuen, kostenpflichtigen Säckchen der Migros künftig aus Recyclingplastik sein. «Eine Ökobilanz hat uns gezeigt, dass Recyclingplastik das umweltfreundlichste Material ist», so Gaillet.

Über 100 Millionen Säckchen pro Jahr

Auch bei Coop, wo bisher schweizweit pro Jahr weit über 100 Millionen Gratissäckchen mitgenommen wurden, sind letztere bald nicht mehr einfach so zu haben. Ab Frühjahr 2017 werden sie – wie bei der Migros – in den über 850 Coop-Supermärkten ebenfalls fünf Rappen kosten. In gewissen Coop-Filialen müssen die Kunden für die Säckchen schon heute in die Tasche greifen.

Am 24. Oktober führte der Grossist die kostenpflichtigen Säcke in zehn Verkaufsstellen der Stadt Zürich ein. «Es handelt sich dabei um einen Test, um die neuen Abläufe an der Kasse zu analysieren und zu optimieren», sagt Ramón Gander, Sprecher von Coop. Die ersten Erfahrungen bei Coop decken sich etwa mit denjenigen bei der Migros. «Wir haben festgestellt, dass vier von fünf Kunden auf ein Säckchen verzichten, wenn dieses etwas kostet», so Gander.

«Wir verdienen mit den Säckchen kein Geld»

Die Tendenz scheint also klar: Muss man für das Raschelsäckchen etwas bezahlen, lassen die Kunden die Finger davon. Bleibt die Frage, wie viel die Supermärkte durch die neue Einnahmequelle verdienen? Die Antwort darauf fällt bei den beiden Grossisten auch hier ähnlich aus.

«Coop verdient mit den Säckchen kein Geld», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Was nach Abzug der Selbstkosten übrig bleibe, fliesse in einen Fonds für nachhaltige Projekte. Und auch die Migros setzt den erzielten Gewinn durch die verkauften Säckchen nach eigenen Angaben für externe Umweltprojekte ein.

Andere Läden wollen nachziehen

Die allgemeine Reduktion des Säckliverbrauchs ist nicht nur bei den beiden Marktführern ein Ziel. Auch bei anderen grösseren Detailhändlern tut sich etwas. Aldi Suisse zum Beispiel stellt den Verkauf von Plastiktragtaschen im Kassenbereich, welche bis heute noch für fünfundzwanzig Rappen abgegeben werden, Anfang 2017 ein.

Ähnlich tönt es bei Manor: Die Warenhauskette wolle die Massnahme ebenfalls umsetzen, heisst es auf Anfrage. Noch sei man daran, die nötigen Details abzuklären. Bei Lidl ist man derweil bereits einen Schritt weiter. Dort verzichte man «aus Umwelt- und Recyclinggründen» bereits seit Markteintritt auf jegliche Plastiksäckchen hinter der Kasse.

Berner Zeitung

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