Angeschlagener Bündner Regierungsrat schafft Wahl knapp

Seine BDP war am meisten vom Baukartell-Skandal betroffen: Jon Domenic Parolini rettet sich mit 68 Stimmen über die Ziellinie.

Bleibt in der Bündner Regierung: Jon Domenic Parolini.

Bleibt in der Bündner Regierung: Jon Domenic Parolini.

(Bild: Keystone Gian Ehrenzeller)

Die CVP ist die Gewinnerin der Bündner Regierungsratswahlen. Sie holte einen zweiten Sitz in der fünfköpfigen Exekutive. Haarscharf an einem Totalschaden vorbei geschrammt ist die BDP, deren bisheriger Regierungsrat Jon Domenic Parolini die Wiederwahl knapp schaffte.

Die Mitglieder der Bündner Regierung in den kommenden vier Jahren heissen: Christian Rathgeb (FDP/bisher), Mario Cavigelli (CVP/bisher), Marcus Caduff (CVP/neu), Peter Peyer (SP/neu) und Jon Domenic Parolini (BDP/bisher). Die Stimmbeteiligung betrug 35,8 Prozent und unterschritt jene vor vier Jahren um über sieben Prozentpunkte.

Gewinnerin der Bündner Regierungsratswahlen ist unbestreitbar die CVP. Sie holte den vor 20 Jahren an die SP verlorenen Regierungssitz zurück und ist die einzige Partei mit einer Zweiervertretung. Neuer Regierungsrat ist der 45-jährige Marcus Caduff, Fraktionschef im Grossen Rat, aus Morissen im Bündner Oberland.

Parolini mit grosser Mühe

Von den Bisherigen hatte BDP-Regierungsrat Jon Domenic Parolini erwartungsgemäss am meisten Mühe. Er schaffte es letztlich mit 68 Stimmen Vorsprung über die Ziellinie. Die BDP ist am stärksten von den illegalen Kartell-Absprachen in Graubünden betroffen, die von der Wettbewerbskommission hoch gebüsst wurden. Die Partei konnte den zweiten Sitz, jenen der zurücktretenden Barbara Janom Steiner, nicht halten. Kandidat Andreas Felix, Geschäftsführer des kantonalen Baumeisterverbandes, hatte vor den Wahlen das Handtuch geworfen.

Regierungsrat Parolini dürfte den Hauch von SVP-Kandidat Walter Schlegel im Nacken gespürt haben. Der Polizeikommandant lag am Schluss nur 68 Stimmen hinter dem amtierenden BDP-Regierungsrat. Schlegel übersprang zwar das absolute Mehr, fällt aber als überzählig aus der Wahl.

SVP zum dritten Mal erfolglos

Der SVP gelang der Sprung in die Regierung somit auch im dritten Anlauf nicht. Zwei Mal hatte vorher Nationalrat Heinz Brand erfolglos kandidiert.

Den Schluss der Rangliste ziert Liedermacher Linard Bardill. Der 62-jährige Barde aus Mittelbünden blieb unter dem absoluten Mehr. Er war spät ins Rennen eingestiegen und hatte selber grosse Zuversicht, als Protestkandidat gewählt zu werden.

Nachzählung wird geprüft

In Graubünden wird eine Nachzählung des Ergebnisses der Regierungsratswahlen geprüft. Der Grund ist der geringe Stimmendifferenz zwischen Parolini einerseits sowie Schlegel auf der anderen Seite.

Die beiden Kandidaten trennen nur gerade 68 Stimmen, und es steht ein Regierungssitz auf dem Spiel, den vorläufig der Bisherige Jon Domenic Parolini hält. Eine Nachzählung ist jedoch sehr wahrscheinlich und laut dem kantonalen Gesetz über die politischen Rechte anzuordnen, wenn der Stimmenunterschied weniger als 0,3 Prozent ausmacht. Zuständig für die Anordnung der Nachzählung ist die Kantonsregierung. Durchgeführt werden müsste sie von der Standeskanzlei.

Parlamentswahlen: SP im Hoch – BDP muss Federn lassen

Gewinnerin der Bündner Parlamentswalen ist die SP. Sie erreichte 18 Sitze und damit das bisher beste Resultat. Auf der anderen Seite der Skala befindet sich die BDP, die sechs Mandate einbüsste und trotzdem drittstärkste Kraft im 120-köpfigen Grossen Rat bleibt.

Bei den in Graubünden nach dem Mehrheitsverfahren (Majorz) durchgeführten Parlamentswahlen legte die SP vier Sitze zu und totalisierte 18 Mandate. Stärkste Fraktion bleibt aber die FDP, welche 35 Sitze und somit einen zusätzlich holte. Es folgt die CVP als zweitgrösste Gruppe. Die Partei büsste einen Sitz ein und erreichte 30 Mandate. Die BDP verlor deutlich an Terrain und musste einen Verlust von sechs Sitzen hinnehmen. Die Partei besetzt in Zukunft 21 Sitze. Der Verlust lässt sich zumindest teilweise erklären: Die Partei musste die Hälfte aller Sitze mit neuen Leuten besetzen.

Noch nicht alle Sitze besetzt

Leicht gestärkt gehen zudem die Grünliberalen aus den Wahlen hervor. Sie steigerten sich um einen auf drei Sitze. Stagnation herrscht dagegen bei der SVP. Unverändert neun Sitze gehen an die Volkspartei.

Bei den Wahlen am Sonntag konnten noch nicht alle 120 Sitze besetzt werden, sondern erst 116. In einem Wahlkreis kommt es zu einer Nachwahl, in drei weiteren Kreisen zu zweiten Wahlgängen.

ta/sda

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