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Anbieter zielen auf Armasuisse

Derzeit testet die Schweiz mögliche Nachfolger für die Tiger-Jets. Gestern sind die Eurofighters gelandet. Die Öffentlichkeit nimmt vom Verfahren höchstens den Jetlärm wahr. Doch hinter den Kulissen tobt ein Konkurrenzkampf.

Sie heissen Gripen, Rafale oder Eurofighter Typhoon und wollen die Nachfolge der Tiger antreten. Die Schweiz testet noch bis Ende November die Kampfjets der Herstellerfirmen Saab (Schweden), Dassault Aviation (Frankreich) und European Aeronautic Defence and Space Company EADS?(Partnernationen: Deutschland, Italien, Spanien und Grossbritannien). Noch ist völlig offen, wer das Rennen macht. Die Ergebnisse der Prüfungen sollen im kommenden Mai vorliegen. Der Vorentscheid für einen Flugzeugtyp fällt im Sommer. Danach entscheidet das Parlament über das Rüstungsprogramm 2010, das die Kampfjetbeschaffung mit Kosten von rund 2,5 Milliarden Franken beinhaltet.

Armasuisse überzeugen

Die Abstimmung im Parlament scheint weit weg. Doch bereits jetzt wird vorgespurt. Die Hersteller lobbyieren kräftig für ihr Produkt. Schwedens Militärminister warb bei einem Arbeitsbesuch von Verteidigungsminister Samuel Schmid in Stockholm Anfang Oktober für den Saab Gripen. Rafale und die französische Regierung sprachen letzte Woche bei ihren Testflügen in Emmen von einer «noch nie dagewesenen Zusammenarbeit». Gleich tönt es bei Eurofighter, das eine 8000-seitige Offerte eingereicht hat. Alle wollen mit der Schweizer Industrie zusammenarbeiten. Und auf Grund der Lärmdiskussion hier zu Lande bieten alle Hersteller umfangreiche Trainingsmöglichkeit im Ausland an. Von Büros in Bern aus werden Hochglanzprospekte verteilt, Medien an Flugtests und zu Hintergrundgesprächen mit Mittagessen eingeladen sowie erste Kontakte zu Politikern geknüpft. Entscheidend für die Hersteller ist allerdings in erster Linie die Armasuisse, das Kompetenzzentrum des Bundes für die Beschaffung von technologisch komplexen Systemen und Materialien. Gemeinsam mit der Luftwaffe nimmt die Behörde die Jets genau unter die Lupe. «Wir machen eine rein operationelle und technische Evalution», betont Kaj-Gunnar Sievert, Leiter Kommunikation Armasuisse. «Eine politische Beurteilung nehmen wir nicht vor.»

Druck ist gross

Armasuisse gibt sich bewusst zurückhaltend. Gleichbehandlung der Konkurrenten wird gross geschrieben. Der Druck auf die Behörde ist gross. So gilt es, unter den drei bewährten Jets jenes Flugzeug auszuwählen, das die Schweizer Ansprüche am besten befriedigt. Angesichts der technisch hochkomplexen Jets ist das kein leichtes Unterfangen. Unzählige Daten müssen nach den Tests ausgewertet werden.

Zudem investieren die Hersteller mehrere Millionen Franken in den Schweizer Wettbewerb, das Geschäft ist für alle drei zentral. Immerhin geht es um einen Auftrag in der Höhe von rund 2,5 Milliarden Franken, und die Schweiz ist eine gute Referenz. Eine Niederlage wäre für alle Bewerber nur schwer zu verkraften.

Alles oder nichts

Darum ist anzunehmen, dass nach dem Vorentscheid der Armasuisse das Gerangel erst so richtig losgeht. Das Parlament dürfte dann von Verliererseite unter Druck kommen. Auf die Typenwahl haben die Räte zwar keinen?Einfluss. Sie könnten am Ende aber das gesamte Rüstungsprogramm inklusive dem ausgewählten Jet ablehnen.

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