Amstutz geht – kommt Aeschi?

Adrian Amstutz tritt als SVP-Fraktionschef zurück. Der heisseste Anwärter auf seine Nachfolge ist Thomas Aeschi. «Ich werde kandidieren», sagt der Zuger Nationalrat dazu.

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Peter Meier@bernpem

Seine Strafpredigten sind so legendär wie laut. Tanzt in der Bundeshausfraktion der SVP einer aus der Reihe, ist Adrian Amstutz sofort zur Stelle. Renitenz und Disziplinlosigkeit, das duldet der Berner Fraktionschef bei seinen Leuten nicht. Kommt es trotzdem vor, dann wird der 63-Jäh­rige richtig ungemütlich. Dann knöpft er sich die Fehlbaren unverzüglich vor, stellt sie vehement zur Rede und staucht sie notfalls noch im Nationalratssaal ordentlich zusammen.

Von Erich von Siebenthal (BE) bis Jean-François Rime (FR), von Felix Müri (LU) bis Magdalena Martullo (ZH) – niemand in der SVP-Fraktion ist davor gefeit. Amstutz behandelt alle gleich unzimperlich, kämpft immer mit offenem Visier: «Es geht nicht, dass jeder macht, was er will», sagt er auf Anfrage. «Und schon gar nicht, dass zwei oder drei Einzelne die ganze Fraktion aushebeln und den Linken zu Mehrheiten verhelfen.»

Es sei nun mal sein Job, «dafür zu sorgen, dass die Fraktion geschlossen auftritt und die Wahlversprechen einhält». Dass es dabei auch mal laut werden kann – was solls? «Ich bin als Fraktionschef ja nicht Wellnesstrainer», lacht Amstutz. Seit fünf Jahren führt der Sigriswiler Unternehmer im Bundeshaus mit eiserner Hand Regie, trimmt seine Parlamentarier auf Linie – und tatsächlich stimmt die Fraktion in aller Regel geschlossen.

Nachfolge wird aufgebaut

Doch nun ist für Amstutz Schluss. Am Freitag gab er bekannt, dass er per November pünktlich zur Legislaturhalbzeit als SVP-Fraktionschef zurücktritt. Der Grund: «Ich gebe das Amt jetzt ab, weil ich 2019 wegen der Amtszeitbeschränkung der Berner SVP aus dem Parlament ausscheide», so Amstutz.

Der Zeitpunkt des Rücktritts ist natürlich bewusst gewählt. So könne die Partei rechtzeitig die Ablösung für das kommende Wahljahr organisieren: «Ein guter Chef hinterlässt keine Lücken.» Bis 2019 soll sich der oder die Neue darum einarbeiten und etablieren können, um dann bereit zu sein, wenn es ihn braucht: im Wahlkampf 2019.

Aeschi in den Startlöchern

Das Bedauern in der SVP ist gross. Den mitunter rauen Umgang nimmt Amstutz niemand wirklich übel. Durchs Band erhält er für seine Fraktionsführung Respekt und Bestnoten von den Kollegen. «Wir verlieren einen starken und geschätzten Fraktionschef», sagt etwa Parteiprä­sident Albert Rösti (BE).

Manch ein SVPler hoffte deshalb noch auf eine Ausnahmeregelung seiner Kantonalpartei, damit Am­stutz 2019 trotz vier absolvierten Legislaturen doch weitermachen könnte. Aber der winkt ab. Seine persönliche Planung orientiere sich an den Berner SVP-Regeln: «Die gelten auch für mich – und ich halte mich daran.»

Bewerbungen für die Nachfolgewahl am 17. November können ab Montag eingereicht werden. Als heissester Anwärter gilt dabei der Zuger Nationalrat und Vizefraktionschef Thomas Aeschi. Auf Anfrage bestätigt der 38-jährige Ex-Bundesratsanwärter: «Ich habe vor, für das Amt zu kandidieren.» Er geht aber noch von weiteren Kandidaturen aus.

Mit Aeschi wäre in der SVP-Fraktion zwar mit einem neuen Führungsstil zu rechnen. Der umgängliche und stets höfliche Wirtschafts- und Finanzpolitiker ist kein Raubein à la Amstutz. Inhaltlich aber ist Aeschi ebenso kompromisslos und ein Garant für Kontinuität. Er gilt als loyal und linientreu, politisiert stramm auf Zürcher SVP-Kurs und wird denn auch im Parlament als Ziehsohn Christoph Blochers gehandelt.

Ob Aeschi auch sein Favorit ist, will Amstutz nicht preisgeben. Zweifellos sei er ein valabler Kandidat, der auch schon bewiesen habe, dass er es könne. «Aber es gibt natürlich auch noch andere in der Fraktion, die dafür infrage kommen», gibt sich Amstutz für einmal zurückhaltend.

Berner Zeitung

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