Ammann-Gruppe: Millionen im Steuerparadies

Johann Schneider-Ammanns frühere Firma hatte eine Viertelmilliarde Franken auf Jersey parkiert. Das Geld floss in die Schweiz zurück, bevor Schneider-Ammann Bundesrat wurde. Nun wird der Fall untersucht.

«Alle Gesetze wurden eingehalten»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

«Alle Gesetze wurden eingehalten»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

(Bild: Keystone)

Bis 2009 lagen 263,5 Millionen Franken des Firmenvermögens der Ammann-Gruppe steuerbegünstigt im Offshore-Paradies Jersey. Dies berichtet die «Rundschau». Ein Jahr vor der Wahl des ehemaligen Konzernlenkers Johann Scheider Ammann in den Bundesrat floss das Geld demnach zurück in die Schweiz. Dort kam es in eine Tochterfirma in Bern, in die Afinsa AG.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern hat auf Recherchen der Sendung reagiert und eine Untersuchung eingeleitet: «Wir haben Hinweise erhalten, dass eventuell etwas nicht richtig lief. Jetzt schauen wir intern sämtliche Unterlagen nochmals an», sagt Bruno Knüsel, Chef der Steuerverwaltung gegenüber der «Rundschau».

Steuermillionen eingespart

Steuerdokumente, die der Sendung vorliegen, zeigen: Die Ammann-Gruppe lagerte von 1996 an auf Jersey 150 Millionen Franken ihres Firmenvermögens in der Tochterfirma Jerfin Limited.

Ein weiterer Teil des Firmenvermögens lag in einer Tochterfirma in Luxemburg. 2007 wurde die Gesellschaft in Luxemburg aufgelöst und das Vermögen der Luxemburger Firma in die Jerfin Limited nach Jersey überführt. Per 31.12.2008 betrug das Vermögen der Jerfin Limited 263.5 Millionen Franken. Experten, welche das SRF kontaktierte, gehen davon aus, dass die Ammann-Gruppe über all die Jahre mehrere Millionen Steuern eingespart hat.

Überprüfung in Jersey nicht möglich

Ein Experte vermutet in der Sendung aufgrund der Dokumente, dass das Vermögen gar nicht in Jersey verwaltet wurde und es sich bei der Jerfin Limited um eine Briefkastenfirma gehandelt hat. Wäre dies der Fall, hätten Vermögenserträge in der Schweiz versteuert werden müssen. Die Steuerverwaltung prüfe nun Bankverbindungen, Mietverträge, Arbeitsverträge und Handelsregisterauszüge der Gesellschaft in Jersey, eine Überprüfung in Jersey sei allerdings nicht möglich, sagt der Berner Steuerchef Knüsel: «Wir sind darauf angewiesen, was die Unternehmen uns geben. Was wir nicht machen können, ist im Ausland überprüfen».

«Zu jedem Zeitpunkt offen deklariert»

Die Ammann-Gruppe hält gegenüber der «Rundschau» schriftlich fest: «Die Gesellschaften waren zu jedem Zeitpunkt offen deklariert und konform mit den schweizerischen und den lokal geltenden Gesetzgebungen. Die Frage der steuerlichen Ansässigkeit wurde von den Steuerbehörden thematisiert, unseres Wissens geprüft und geregelt.»

Bundesrat Johann Schneider Ammann liess der «Rundschau» eine schriftliche Stellungnahme zukommen: Er habe die Ammann Gruppe seit 1989 bis zu seiner Wahl in den Bundesrat geführt. Die Ammann Gruppe sei schon damals zu über 90% in internationalen Märkten tätig gewesen. Die zuständigen Steuerverwaltungen und die Prüfgesellschaften seien jederzeit und vollständig informiert gewesen. «Alle Gesetze wurden eingehalten. Die Rückführung in eine Schweizerische Finanzgesellschaft geschah wiederum in voller Transparenz gegenüber den Steuerbehörden. Ich habe diese Rückführung eingeleitet und abgeschlossen.»

kpn

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