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Abschaffung der Pauschalsteuer lohnt sich für den Fiskus

Vertreibt die Abschaffung weniger als zwei Drittel der Pauschalbesteuerten, zahlt sie sich aus. Dies hat ein Wirtschaftsprofessor der Uni Lausanne errechnet.

Hier gibt es bis jetzt noch viele Pauschalbesteuerte: Rund um die Nidwaldner Seegemeinde Ennetbürgen am Vierwaldstaettersee.
Hier gibt es bis jetzt noch viele Pauschalbesteuerte: Rund um die Nidwaldner Seegemeinde Ennetbürgen am Vierwaldstaettersee.
Keystone

Zahlt sich das pauschale Besteuern von Ausländern aus? Oder schafft man diese Spezialsteuer besser ab? Das Zürcher Stimmvolk hat sich vor zwei Jahren für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung entschieden. In anderen Kantonen blieben Vorstösse mit demselben Ziel in den Parlamenten ohne Chance. Man fürchtete um Steuereinnahmen.

Jetzt rechnet der Lausanner Wirtschaftsprofessor Marius Brülhart jedoch vor, dass sich eine Abschaffung der Pauschalsteuer für den Fiskus lohnt. Er tut dies aufgrund der Erfahrungen in Zürich. Laut den Behörden haben dort 92 von 201 Pauschalbesteuerten innerhalb eines Jahres nach der Abschaffung den Kanton verlassen. Dies entspricht einem Anteil von 46 Prozent. Brülhart geht davon aus, dass sich die Abschaffung finanziell für einen Kanton lohnt, wenn weniger als zwei Drittel der Pauschalbesteuerten wegziehen. Der Grund: Die Verbliebenen «dürften nunmehr stärker zur Kasse gebeten werden», wie Brülhart auf seinem Blog schreibt.

Pauschal über dreimal günstiger

Seine These untermauert er mit Zahlen aus der offiziellen Statistik des Kantons Zürich: Vor der Abschaffung lieferten die Pauschalbesteuerten 32,2 Millionen Franken an den Fiskus ab – im Durchschnitt sind das 160'000 Franken. Da ihre Steuerlast in der Regel auf das Fünffache der Wohnkosten berechnet wird, schätzt Brülhart, dass sie im Durchschnitt 80'000 Franken an Wohnkosten auswiesen.

Der Anteil der Wohnkosten wiederum liegt laut der Schweizerischen Haushaltstatistik bei Einkommen über 400'000 Franken bei rund 5 Prozent. Daraus schliesst Brülhart, dass die Zürcher Pauschalbesteuerten im Schnitt über ein Einkommen von ungefähr 1,6 Millionen Franken jährlich verfügten. Müssen sie dieses regulär besteuern, werden pro Kopf rund 530'000 Franken fällig – also 3,3-mal mehr als unter dem Regime der Pauschalsteuer. Für den Kanton heisst das: Solange weniger als zwei Drittel der Pauschalbesteuerten den Kanton verlassen, nimmt der Fiskus mehr ein. Laut Brülharts Berechnungen «würde sich eine generelle Abschaffung der Pauschalsteuer somit aus Sicht der Steuereinnahmen lohnen», wie er in seinem Blog schreibt.

Mit Ausland koordinieren

Der Wirtschaftsprofessor der Uni Lausanne sagt, er sei über das Resultat seiner Berechnungen erstaunt gewesen: «Früher war ich der Überzeugung, dass die Pauschalsteuer sich für den Fiskus lohnt, aber aus ethisch-moralischer Sicht einige Fragen aufwirft.»

Nach den Debatten in mehreren Kantonen beabsichtigt der Bundesrat, in Absprache mit den kantonalen Finanzdirektoren die Pauschalsteuer zu revidieren und die Bemessungsgrundlage auf das Siebenfache der Wohnkosten zu erhöhen. Brülhart weist darauf hin, dass andere Länder wie Grossbritannien ebenfalls pauschale Steuern kennen. Eine Abschaffung in der Schweiz würde aus seiner Sicht idealerweise koordiniert mit dem Ausland erfolgen.

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