Zika-Virus im Fokus – die Fakten

Am Donnerstag wurde erstmals in Europa eine mit dem Zika-Virus infizierte schwangere Frau registriert. Warum sorgt der Erreger seit Januar regelmässig für Schlagzeilen? Wann kann sich das Virus auch in der Schweiz ausbreiten? Die Fakten.

Solange Ferreira badet ihren Sohn in ihrem Haus in Bonito in Brasilien. Er kam mit Mikrozephalie zur Welt.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Solange Ferreira badet ihren Sohn in ihrem Haus in Bonito in Brasilien. Er kam mit Mikrozephalie zur Welt.

(Bild: Keystone)

Mischa Aebi@sonntagszeitung

1. Für wen ist das Zika-Virus ein ernsthaftes Problem? 80 Prozent der Infizierten haben keine Symptome. Bei 20 Prozent treten unproblematische grippeähnliche Beschwerden auf. Ein ernsthaftes Problem könnte das Virus hingegen für schwangere Frauen sein: In Brasilien wurden zwischen Oktober 2015 und Januar 3500 Neugeborene mit Mi­krozephalie registriert. Das ist eine Schädelmissbildung. Betroffene Kinder sind häufig geistig behindert. Ob die Missbildungen tatsächlich durch das Virus verursacht werden, ist nicht bewiesen. Es gibt aber zahlreiche Hinweise, dass tatsächlich ein Zusammenhang besteht.

2. Wo kommt das Zika-Virus vor? Im Moment grassiert der Erreger vor allem in Mittel- und Südamerika und der Karibik. Zuvor hatte sich das Virus in beschränktem Mass bereits auf den Kontinenten Afrika und Asien verbreitet.

3. Wie viele Menschen mit Zika-Virus gibt es in der Schweiz? Bis jetzt wurden in der Schweiz offiziell zwei Personen gemeldet, die sich mit dem Virus infiziert hatten. Beide haben sich im Ausland angesteckt. Keine der beiden ist schwanger.

4. Wie viele Menschen mit dem Zika-Virus gibt es in Europa? Bis jetzt wurden europaweit etwas über zwanzig Fälle gemeldet. Gestern ist das Virus erstmals in Europa auch bei einer schwangeren Frau festgestellt worden. Die werdende Mutter stammt aus Katalonien. Die Frau war zuvor in Kolumbien auf Reisen gewesen.

5. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind einer infizierten Frau Missbildungen hat? Die Wahrscheinlichkeit ist wohl nicht sehr hoch. Es gibt aber bis jetzt keine genauen Daten dazu. Das Problem der Statistiker: Vielen Frauen wissen nicht, ob sie infiziert waren oder nicht.

6. Wie verbreitet sich das Zika-Virus? In den meisten Fällen wird das Virus von Mücken übertragen. Es kann aber auch von einer infizierten schwangeren Frau auf das ungeborene Kind übertragen werden. Diese Woche hat die Gesundheitsbehörde des US-Staates Texas gemeldet, dass in einem Fall die Übertragung des Virus durch Sex nachgewiesen werden konnte.

7. Welche Mücken übertragen das Virus? Es gibt zwei Arten von Mücken, welche das Zika-Virus übertragen. In tropischen und subtropischen Regionen ist es die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Der zweite tierische Zika-Virus-Überträger ist die Tigermücke (Aedes albopictus). Die Tigermücke kommt auch in kälteren Gegenden vor – unter anderem in der Schweiz. In den Winter­monaten ist es hierzulande selbst für die Tigermücke zu kalt.

8. Warum hat die WHO den Notstand ausgerufen? Die WHO macht sich vor allem wegen der jüngst extrem hohen Ausbreitungsgeschwindigkeit Sorgen: Seit Mai 2015 wurden Zika-Infektionen in 21 Ländern nachgewiesen, die zuvor noch nie mit der Krankheit zu tun hatten. Beispiel Kolumbien: Hier haben sich nach Behördenangaben bislang 20 000 Menschen mit dem Virus angesteckt. 2000 sind schwangere Frauen.

9. Kann sich das Zika-Virus auch in der Schweiz ausbreiten? Ja. Es ist möglich, dass jene Mückenart, die auch in kälteren Gegenden vorkommt, das Zika-Virus in der Schweiz verbreitet. Die meisten Experten glauben jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit extrem klein ist, dass im Sommer in der Schweiz oder in Deutschland eine Zika-Viren-Epidemie ausbricht.

10. Das Zika-Virus gibt es seit 1947. War­um wird es erst seit jüngster Zeit für Missbildungen verantwortlich gemacht? Forscher glauben nicht, dass das Virus gefährlicher geworden ist. Dass man erst jetzt einen möglichen Zusammenhang zwischen den Schädelmissbildungen und dem Virus erkennt, hat einen simplen Grund: Bis vor zwei Jahren war die Verbreitung des Virus zu klein dafür, einen statistischen Zusammenhang mit den Schädelmissbildungen erkennen zu können.

11. Wie kann eine Zika-Infektion behandelt werden? Zurzeit gibt es keine Impfung gegen eine Zika-Infektion. Die Symptome können mit üblichen Schmerz- und Fiebermedikamenten gelindert werden.

Der Artikel basiert unter anderem auf Arbeiten und Aus­künften von Partricia Schlagenhauf. Sie ist Titularpofesserin an der Uni Zürich und Reisemedizinexpertin.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt