Wo die Preise für Wohneigentum sinken

Während die Immobilienpreise in Ballungszentren wie Zürich und Genf massiv steigen, geht der Boom an so manchen Schweizer Gemeinden vorbei.

Klicken Sie auf die Punkte auf der Karte und erfahren Sie mehr: Acht Gemeinden mit einer negativen Preisentwicklung zwischen 2000 und 2012 (in Prozent). Quelle: Wüst&Partner, «Handelszeitung»

Die Bevölkerung in Genf und Zürich wächst jährlich um bis zu 1 bis 2 Prozent. Das hat zur Folge, dass die Preise für Wohneigentum in Genf seit dem Jahr 2000 um über 300 Prozent in die Höhe gestiegen sind. In Zürich stiegen die Immobilienpreise der umliegenden Gemeinden mit Seeanstoss innert drei Jahren um 30 Prozent.

Doch nicht die ganze Schweiz profitiert von diesem Wachstum. Wie die «Handelszeitung» in der heutigen Ausgabe schreibt (Artikel Online nicht verfügbar), gibt es Ortschaften, an denen der Boom fast spurlos vorbeigeht. Einfamilienhäuser im bernischen Trubschachen haben heute 21 Prozent weniger Wert als vor zwölf Jahren. Im jurassischen Rocourt beträgt das Minus 23 Prozent, im bündnerischen Peist 20 Prozent.

Auch Neubauinvestitionen sehr tief

Wie die Wirtschaftszeitung schreibt, zeigt sich der auseinanderdriftende Immobilienmarkt nicht allein an massiven Unterschieden bei Leerständen und Preisentwicklung. Auch was die Investitionsbereitschaft betrifft, gibt es massive Abweichungen. In Zuchwil SO beispielsweise betrugen die jährlichen Neubauinvestitionen pro Kopf über die letzten zehn Jahre 720 Franken. In Meienried bei Grenchen SO sind es gerade mal 10 Franken. Boomregionen wie Laax GR oder Chavannes de Bogis VD kommen auf 15'000 bis 17'000 Franken.

Als Grund für die wirtschaftlichen Differenzen werden die Distanzen zu Grosszentren wie Zürich, Genf, Bern oder Basel ins Feld geführt. Sind Ortschaften verkehrstechnisch ungenügend erschlossen, schlägt dies auf die Immobiliennachfrage durch. «Während zum Beispiel das Knonauer Amt südöstlich von Zürich oder diverse Thurgauer Gemeinden nach dem Bau der Autobahn einen markanten Aufschwung erlebten, gibt es solche Trends in anderen Randregionen kaum», sagt Robert Weinert vom Zürcher Beratungsunternehmen Wüest & Partner gegenüber der «Handelszeitung».

Sehr tiefe Baulandpreise im Bündnerland

Als Beispiel wird die Randregion St. Martin genannt. Die Graubündner Gemeinde kann als Gegenentwurf zum Bauboom in der Schweiz herhalten. 14 Prozent der Häuser und Wohnungen stehen leer. Gerade mal 32 Personen leben heute noch im Dorf Lugnez am Eingang zum Valsertal. Das hat tiefe Baulandpreise zur Folge. Der Quadratmeter kostet weniger als 100 Franken – ein Siebtel des Durchschnittspreises im Kanton Zürich. Aber auch im aargauischen Kaiserstuhl ist die Leerwohnungsziffer von 10,5 Prozent im Vergleich zu zürcherischen Gemeinden hoch. Die Neubautätigkeit im 400-Seelen-Dorf liegt seit Jahren nahe bei null. Und hohe Leerstände in Wohnblöcken und Mehrfamilienhäusern sind ebenfalls vom Jurabogen bis in die Voralpen an vielen Orten zu finden.

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