Wie Sie sich bei einem AKW-Unfall verhalten müssen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz startet eine neue Kampagne zum Verhalten bei AKW-Unfällen. Die Haushalte in den potenziell gefährdeten Zonen erhalten demnach in den nächsten Tagen eine Checkliste.

Wenn die Sirenen heulen, wissen nur 60 Prozent der Bevölkerung, was zu tun ist: Willi Scholl, Direktor des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. (Video: Reuters)

Der Bund hat im Vorfeld des Sirenen-Tests vom Mittwoch eine Informationskampagne zum richtigen Vorgehen der Bevölkerung im Falle eines AKW-Unfalls gestartet. Die Menschen in den Notfallschutzzonen 1 und 2 rund um die fünf AKW in der Schweiz erhalten dazu in den nächsten Tagen Post.

Zur Zielgruppe der Kampagne gehören Menschen aus den Deutschschweizer Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Luzern, Solothurn und Zürich sowie aus den welschen Kantonen Freiburg, Neuenburg und Waadt. Erhalten werden den Brief alle Menschen, die in einem Radius von 20 Kilometern rund um eines der AKW in Beznau AG, Leibstadt AG, Gösgen SO sowie Mühleberg BE wohnen.

Checklisten und Hintergrundinfos

Die Sendung enthält unter anderem eine Checkliste zum richtigen Verhalten im Ernstfall sowie Hintergrundinformationen. Weiter liegt eine Landkarte bei, auf der die Notfallschutzzonen rund um das jeweilige Atomkraftwerk eingezeichnet sind.

Auf der Rückseite des Plans ist in Listenform aufgeführt, welche Gemeinde zu welcher Zone gehört und in welchem Sektor sie liegt. Die Einteilung der Zonen in sechs sich überlappende 120 Grad grosse Sektoren dient dazu, je nach Windlage und Sektor spezifische Massnahmen zu verhängen.

Ausserdem erhalten alle Haushalte der Notfallschutzzonen eine Kunststoffmappe, in der sie die Unterlagen geschützt aufbewahren können. In der Mappe sollen die Menschen auch die Jodtabletten aufbewahren, die sie vor etwa sieben Jahren für den Ernstfall erhalten haben und die sie bei der Gemeinde auch nachbestellen können.

Keine Evakuierungspläne

Nicht Teil der Informationsmaterialien sind Evakuierungspläne. Diese gibt es noch nicht. Zurzeit seien die ETH Zürich zusammen mit einer Berliner Universität daran, Evakuierungspläne für Worst-Case- Szenarien zu entwickeln, sagte der Direktor des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS), Willi Scholl. Dazu werde Ende Jahr ein Bericht vorgelegt.

Diego Ochsner, Chef des Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz des AKW-Standortkantons Solothurn, wies aber darauf hin, dass es auch in Zukunft zum Thema Evakuierung in dem Info-Material nicht mehr Angaben geben werde.

Müsse ein Gebiet evakuiert werden, werde das Vorgehen durch die konkreten Umstände des Vorfalls bestimmt. Es könnten nicht alle vorstellbaren Szenarien und die dafür vorzusehenden Notfallpläne in einer Broschüre aufgelistet werden, sagte Ochsner, der an der Ausarbeitung der neuen Informationsmaterialien beteiligt war.

Radio hören, Anweisungen befolgen

Der wichtigste Rat sei für einen solchen Ernstfall, das Radio einzuschalten und den Anweisungen der Behörden zu folgen.

Die Verantwortlichen betonten, dass die neuen Informationsmaterialien nicht wegen der AKW-Katastrophe in Fukushima überarbeitet worden seien. Die Arbeiten seien bereits lange vorher aufgenommen worden, da das bisherige Material veraltet gewesen sei.

Die Informationen sind nur auf Deutsch und Französische verfügbar. Weitere Sprachen zur berücksichtigen wäre zu kompliziert, sagte Scholl und appellierte an die Bevölkerung, sich im Ernstfall um die Information von Nachbarn zu kümmern, die weder Deutsch noch Französisch verstehen.

Die neuen Materialien, die in einer Auflage von 800'000 produziert wurden, sollen für die nächsten fünf bis zehn Jahre Gültigkeit haben. Möglicherweise müssen sie später weiteren Menschen zugestellt werden, die heute nicht in den Zonen 1 und 2 leben. Der Radius der Schutzzonen könnte aufgrund der Erkenntnisse aus Japan möglicherweise vergrössert werden.

kpn/sda

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