Widerstand gegen das WLAN der SBB

Bald schon empfangen Reisende in hundert Bahnhöfen gratis Internet. Das ist der Plan der SBB. Doch jetzt kommt Kritik auf.

Die SBB haben bei der WLAN-Aufrüstung ihrer Bahnhöfe keine gesundheitlichen Bedenken.

Die SBB haben bei der WLAN-Aufrüstung ihrer Bahnhöfe keine gesundheitlichen Bedenken.

(Bild: Keystone Dorothea Mueller)

Gabriela Braun@tagesanzeiger

Sie klagen über Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder gar Herzrasen. Sobald ein WLAN-Sender in ihrer Nähe ist, müssen sie sich davon entfernen. Sogenannte Elektrosensible glauben, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. Sie sind überzeugt: Elektrosmog macht krank.

Für sie sind die geplanten kabellosen Gratis-Internetverbindungen deshalb eine Katastrophe: In einschlägigen Foren bezeichnen sie die geplante WLAN-Abdeckung der SBB als eine «Zumutung und sehr bedenklich». Sie befürchten, deswegen schon bald nicht mehr Bus und Bahn fahren zu können.

Ingenieur Peter Schlegel, Fachmann für Messungen und Vertreter von Elektrosmogbetroffenen, erstaunen solche Aussagen nicht. Die Erfahrung zeige, dass WLAN eine der aggressivsten Funkstrahlungsarten sei. Sie schwäche Nerven und Organe. «Die zahlreichen Beschwerden und Schlafstörungen sind Ausdruck davon.» Peter Schlegel lehnt den Ausbau offener WLAN-Netze ab.

«Man muss die Strahlung tief halten»

Auch Yvonne Gilli, Ärztin und grüne Nationalrätin, kritisiert die Bestrebungen, vermehrt kabelloses Internet auf Bahnhöfen und in Städten anzubieten. Damit würden alle Menschen erhöhter Strahlung ausgesetzt. Die Nationalrätin will die Entwicklung aber auch nicht verteufeln. Sie fordert deshalb, dass die Bahnhöfe nicht flächendeckend mit kabellosem Internet abgedeckt werden. Der Zugang ins Internet solle bloss an speziell gekennzeichneten Plätzen des Bahnhofsareals möglich sein. Yvonne Gilli: «Man muss die Strahlung vorsorglich tief halten und empfindliche Menschen schützen.»

Gilli ist Mitglied der Arbeitsgruppe Elektrosmog der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. Gemäss aktuellen Studien leiden fünf Prozent der Bevölkerung unter elektromagnetischen Strahlen. Die internationale Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation bewertet Funkstrahlen als «möglicherweise krebserregend».

Die SBB allerdings sieht im Zusammenhang mit dem grossangelegten WLAN-Ausbau keine gesundheitlichen Bedenken. Mediensprecherin Lea Meyer schreibt in einer Stellungnahme, dass die Belastungen für Menschen an einem Bahnhof «etwa vergleichbar mit der Situation in einer städtischen Umgebung sind». Die Schweizer Grenzwerte seien gegenüber anderen Staaten Europas zudem viel strenger. Meyer: «Die SBB sorgen dafür, dass diese eingehalten werden.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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