Warum die Nachrichten langweilig sind – und wie man sie verbessern könnte

Aus einem «Interesse am Abnormen» verbreiten Medien schräge, düstere oder trockene Nachrichten, die nichts mit unserem Alltag zu tun haben, kritisiert Philosoph Alain de Botton in seinem neuen Buch.

Wie ein Tableau des Chaos und der Düsternis: So kommen die News dem britischen Philosophen Alain de Botton oft vor. Jon Stewart, Moderator der «Daily Show» in den USA, nimmt die News als scharfzüngiger Satiriker aufs Korn.

Wie ein Tableau des Chaos und der Düsternis: So kommen die News dem britischen Philosophen Alain de Botton oft vor. Jon Stewart, Moderator der «Daily Show» in den USA, nimmt die News als scharfzüngiger Satiriker aufs Korn. Bild: Fotolia, zvg , Bildmontage René Wüthrich

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Jeder Tag bringt bemerkenswerten Nachrichten. An einem Morgen um acht vermeldet die Schweizerische Depeschenagentur: Inflation in China sinkt stärker als erwartet; in Koffer gefundener ivorischer Junge wieder mit Mutter vereint; Miley Cyrus nackt mit Schwein auf Magazincover; Arbeitslosenquote der Schweiz sinkt auf 3,2 Prozent; 17 Tote nach Lastwagenunfall mit Schülern in Peru.

Müssen wir wirklich wissen, dass die supertiefe Arbeitslosenzahl der Schweiz noch um eine Prozentstelle sinkt? Was gehen uns die zweifellos tragischen Todesfälle im fernen Peru an? Hilft uns die nackte Frau Cyrus durch den Tag? Egal, wie unwichtig die News auch sind, wir checken sie dauernd. Wir könnten ja etwas verpasst haben. Nachrichten sind ein Suchtstoff. Oder wie bereits der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770–1831) schrieb: Nachrichten lösen in einer modernen Gesellschaft die Religion als Autorität ab.

Auch morgen, wenn wir über das neue Radio- und TV-Gesetz abstimmen, geht es um die Verbreitung von Nachrichten. Die Medienunternehmen, die im multimedialen Zeitalter ihr schwächelndes Geschäftsmodell umbauen müssen, setzen weiterhin auf News, vor allem schnelle News auf den elektronischen Kanälen. Nachrichten sind eine Leitwährung unserer Zeit. Dennoch sinkt ihr Kurswert.

Newssendungen verlieren stetig Publikum, obwohl es immer mehr Nachrichten aus allen Weltgegenden gibt. Woran liegt es? Was kann man dagegen tun? Darüber denkt der schweizerisch-britische Philosoph Alain de Botton in seinem nun auf Deutsch erschienenen Buch «Die Nachrichten – eine Gebrauchsanweisung» nach.

1. Nachrichten lenken uns von uns selbst ab

Die News vom afrikanischen Jungen im Koffer und von der nackten Miley Cyrus mit dem Schwein gehorchen «einem Interesse am Abnormen», sagt de Botton. Mit unserer Lebens- und Alltagswelt hätten sie wenig zu tun, sie würden uns vielmehr «von uns selber und unseren Zielen ablenken».

Da die Newsmacher den Blick auf ihre gesellschaftlich wichtige Rolle lieber vermeiden, fällt ihnen laut de Botton gar nicht auf, dass sie nicht nur berichten, was in der Welt passiert, sondern auch «eine neue Welt in unseren Köpfen erschaffen». Eine künstliche Welt der Skandale, Katastrophen, der Empörung, der Erregung, der Zahlen. Frage man Journalisten, warum sie eine Nachricht publizierten, würden sie sagen, dass die Leute «das halt wissen wollen», sie könnten aber nicht richtig benennen, was wichtig und was unwichtig sei.

Es könnte allerdings sein, dass de Botton die Newskonsumenten falsch einschätzt. Wollen sie lauter wichtige Dinge erfahren, die sie weiterbringen? Oder nicht auch lockere, weniger wichtige, die sie erheitern? In den News ist auch Unwichtiges wichtig.

2. Gehäufte Fakten sind langweilig

Nachrichten transportieren oft Staubtrockenes. Die Inflations- oder die Arbeitslosenrate, das Vierteljahresergebnis, die Lohnstatistik, das Forschungsergebnis der Genetiker. «Die neutrale und leidenschaftslose Darstellung von Fakten» mache Nachrichten langweilig, sagt de Botton. Und je grösser der Berg trockener, abstrakter Fakten, desto eher stelle sich beim Nachrichtenempfänger das Gefühl ein, «ein Nichts in einem unverbesserlichen und grundsätzlich chaotischen Universum zu sein».

Was kann man dagegen tun? Nachrichten weniger neutral und trocken aufbereiten. Oft verleihe erst eine Meinung oder ein weltanschaulicher Fokus den Fakten eine Bedeutung, sagt de Botton. Und er empfiehlt uns Nachrichtenmachern, von den Dichtern zu lernen, dass «das nackte Gerüst einer Geschichte mit ein paar Satzfetzen den Leser nicht fesselt». Danke für den Tipp!

3. Nachrichten brauchen Zeit, um wichtig zu werden

Wer die News von zwölf Monaten Revue passieren lässt, um die Hauptereignisse eines Jahres herauszufiltern, stösst auf zahllose Scheinnachrichten: Teilschritte, minimale Schraubenbewegungen unabgeschlossener Geschäfte, politische Zwischenentscheide. Einzelschritte gerinnen aber erst nach einer gewissen Laufzeit zu einem Ereignis – oder sie verflüchtigen sich und verschwinden nach tagelanger Erregung plötzlich aus den Schlagzeilen. So wie die Selfie-Geschichte des Badener Stadtammanns Geri Müller und vielleicht bald auch die Aufregung um Christa Markwalder. Worum ging es da schon?

Gerade die Beschleunigung der Nachrichtenzyklen führe «zu einer Amnesie» und nicht zu erhöhter Aufmerksamkeit, sagt de Botton. Da wurde doch kürzlich in der Fifa-Affäre von einem Sender als Breaking News angekündigt: «Jetzt nimmt der Fifa-Sprecher Stellung.» Werden solch nebensächliche Zwischenschritte als spektakuläre Neuigkeit verkauft, hört bald keiner mehr hin. De Botton hat recht: Treten Breaking News gehäuft auf, dann sind es keine mehr.

4. Seinesgleichen geschieht – News sind austauschbar

Die kürzeste Medienkritik der Geschichte hat der österreichische Autor Robert Musil (1880–1942) in seinem Monsterroman «Der Mann ohne Eigenschaften» in zwei Wörtern formuliert: «Seinesgleichen geschieht». Darin erzählt die Hauptfigur, wie sie die Zeitung liest und sich doch uninformiert fühlt: «Es geschah viel, jeder Tag hatte seine Erregungen gehabt, und trotzdem liess sich nur noch schwach oder gar nicht mehr erinnern, was damals eigentlich los gewesen war.

Man konnte es abkürzen: Das neue Heilmittel machte; in der Erforschung des Pflanzenstoffwechsels wurden; die Eroberung des Südpols schien Man konnte die Hälfte der Bestimmtheit weglassen, es machte nicht viel aus.»

Der Zeitungsleser im Roman fragt sich nun: «Fand genau dieses oder jenes Ereignis statt, oder fand nur etwas Ähnliches oder seinesgleichen statt?» Musil beschrieb schon vor fast hundert Jahren präzis, dass Nachrichten in ihrer normierten, floskelhaften, verkürzten Form austauschbar wirken. Alain de Botton würde anfügen: News transportieren ein falsches Pathos des Neuen. Fast nichts sei aber gänzlich neu, sondern meist eine Neuauflage prototypischer Geschichten.

5. Tummelfeld der Klischees und Gemeinplätze

Ab 1870 führte der französische Schriftsteller Gustave Flaubert (1821–1880) ein Wörterbuch der Gemeinplätze und wurde dabei vor allem in der Presse fündig. Er notierte: Das Christentum hat die Sklaven befreit; Bewegung beugt allen Krankheiten vor; die Fotografie wird die Malerei ersetzen. Alain de Botton, der Flaubert zitiert, fügt heutige Gemeinplätze an: Künftig wird alles im 3-D-Verfahren gedruckt; Mandarin ist die Sprache der Zukunft; das Internet zerstört die Fähigkeit, einen langen Roman zu lesen.

Nachrichten transportierten oft Mainstreamansichten, die wir vorschnell glaubten, sagt de Botton. Und sie kanalisierten unser Denken in eine Richtung: nach vorn. Vor allem Wissenschaftsnews suggerieren einen unaufhaltsamen Fortschritt. Alles wird immer besser, Roboter haben bald Gefühle, Tod und Alter werden heilbar, liesse man global Genmais zu, würde niemand mehr hungern. De Botton erkennt in solchen News einen Glauben an «die Lösbarkeit der Welt». Die Welt funktioniere aber nicht so, sie sei nicht vorausberechenbar, sie kenne Vor- und Rückschritte, Widersprüche.

Ja, die Menschen sind manchmal schlagzeilengläubig und begnügen sich mit Zuspitzungen. Gleichzeitig benötigen sie Vereinfachungen, um die komplizierte Welt zu ordnen und zu überblicken. Klischees sind übrigens nie ganz falsch, und Trends weisen nicht einfach in die falsche Richtung.

6. Die Welt ist kein Watergate-Skandal

Mit den Enthüllungen im Watergate-Skandal gelang es den beiden US-Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein 1973, den US-Präsidenten Richard Nixon zu stürzen. Seither ist Watergate ein Mythos. Und eine Illusion, findet de Botton. Nämlich die, dass mittels Nachrichten Mächtige zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Medien würden seit Watergate bisweilen als «Ableger der Polizei und des Finanzamtes» gesehen.

Die meisten Probleme zivilisierter Länder gehen aber laut de Botton nicht auf das Konto von mächtigen Bösewichten. Nicht alle Politiker seien Gauner und Bösewichte. Und hätte man alle Bösewichte weggesperrt, gäbe es immer noch Probleme. Die Fokussierung auf böse Drahtzieher blendet laut de Botton all die «farblosen, institutionellen Fehler» der Polit- und Wirtschaftssysteme aus. Allerdings: Bösewichte, deren Tun man enthüllen müsste, gibt es noch genug.

7. Das Düstere und Schlimme macht uns depressiv

Täglich gibt es Nachrichten über Unruhen, kriminelle Pädophile, Falschfahrer im Seniorenalter, Schläger, Unwetter, Katastrophen. Ziehe man aus diesen Extremen und Einzelfällen falsche Schlüsse, dann wähne man sich in einer düsteren Welt, werde depressiv und habe ein negatives Bild der Gesellschaft, sagt de Botton. Er rügt die Auffassung der Medienmacher, Positives sei langweilig und die Realität müsse nun mal ungeschminkt abgebildet werden. In der Realität gebe es auch viel Erfreuliches, Normales, Unspektakuläres, das in den Nachrichten krass untervertreten sei oder verkitscht werde.

Allerdings müsste man de Botton warnen, dass das Positive und Normale erst recht langweilig ist, wenn es im Übermass und allzu harmlos daherkommt. Er würde erwidern, dass er eine Nachfrage nach Aussergewöhnlichem anerkenne, das müsse ja aber nicht gleich düster sein. Und wenn schon, solle man das Tragische so erzählen, dass wir uns nicht zynisch freuten, davon verschont zu sein.

Vielmehr so, dass wir das Tragische als eine Aufforderung zur Bescheidenheit, zur Solidarität und zur Anteilnahme verstünden. Unglücke und Katastrophen seien nicht einfach vereinzelte Ausreisser, die anderen passierten, sondern «die Kehrseite des Lobgesangs von Erfolg und Fortschritt», den die News oft anstimmten.

8. In den Auslandnachrichten bleibt das Ausland fremd

Afrika taucht in den Nachrichten meist auf als Schauplatz des Kriegs, der Korruption, der Krankheiten und des Scheiterns. «Ein normales Afrika gibt es in den Nachrichten gar nicht», sagt de Botton. Den Schrecken in fremden Ländern könne man aber erst verstehen, wenn man auch den dortigen Normalzustand kenne. De Botton kritisiert, dass viele News die fremde Welt des Auslandes in allzu knappen Ausschnitten und gängigen westlichen Newsmustern plus Krisenfokus schilderten.

Insbesondere werde das Exotische und Fremde ausgespart, damit Kitsch- und Rassismusvorwürfe vermieden werden könnten. «Ferne Länder sind aber wirklich exotisch und befremdlich», sagt de Botton und fordert die Medien auf, unsere Abwehr des Fremden ernst zu nehmen – uns das Fremde näherzubringen. Hoffen wir mit de Botton, dass die Leser bei differenzierten Afrika-Berichten nicht gleich umblättern oder weiterklicken.

9. Wirtschaftsnachrichten machen uns klein

Die Wirtschaftsnachrichten zerlegen die Welt in Zahlen, die meist so astronomisch und komplex sind, dass sie uns «klein und nichtig zurücklassen», sagt de Botton. Zu diesem Gefühl trage auch bei, dass meist aus der Überfliegerperspektive der Investoren berichtet werde. Die News bewegten sich zudem im begrenzten ökonomischen Diskurs des kapitalistischen Wachstums. Diesen zu hinterfragen, gelte in den Medien als naiv.

Genau das aber schlägt de Botton vor. Wenn die Wirtschaftsnews mehr Leute ansprechen sollten, dann müssten sie hinter den Zahlen Zusammenhänge, Leben, betroffene Menschen aufzeigen und «ins Innere von Unternehmen vordringen». Und sie dürften sich nicht scheuen, grosse wirtschaftliche Fragen zu stellen, die die Menschen beschäftigen: Warum besitzen wenige so viel? Warum sind so viele Jobs geistlos und machen unglücklich, und wie könnte man das ändern? Wird mein Job bald durch die Technisierung oder eine Krise vernichtet?

10. Wir brauchen Promis, aber als Vorbilder

Ist der Kult um Promis blöd? Im Gegenteil, findet Philosoph de Botton, denn wir brauchen Vorbilder, die uns anleiten für ein erfolgreiches und glückliches Leben: «In Prominachrichten wollen wir über uns selber hinauswachsen können.» Hinter dem Willen zum Ruhm stecke unser aller Bedürfnis nach Anerkennung.

Allzu oft würden in den Nachrichten über Promis aber nur «logistische» Insiderdetails verbreitet, beklagt de Botton. Wie wahr! Statt die fast meditative Präsenz und die genialen Schläge des Tennisspielers Stan Wawrinka zu beschreiben, wurde sein Auftritt im Finale des French Open in Paris in vielen Sportnews mit einer Zahlenorgie abgefeiert: 67 Prozent von Wawrinkas Aufschlägen landeten im Feld, er kam auf 60 Gewinnschläge, 33-mal rückte er ans Netz vor und machte dabei 23 Punkte. Diese trostlose Arithmetik tötete Wawrinkas Magie ab. Analog werden Kunststars nach ihrem nächsten Projekt befragt – über das sie naturgemäss wenig sagen können oder wollen.

Nachrichten über Promis müssten facettenreicher daherkommen, sie müssten über deren Erfahrungen, Zweifel und Ziele berichten, findet de Botton. Und vielleicht müssten uns die Medien auch etwas eindrucksvollere Figuren präsentieren als «niedliche und verrückte» Sternchen wie Miley Cyrus.

Schön und gut. Wer schon Promis interviewt hat, weiss aber, wie ungern sie Persönliches preisgeben – oder wie unfähig sie dazu sind. Ihr Management präsentiert sie als Projektionsflächen, Verkaufsprodukte. Nicht als Menschen aus Fleisch und Blut, sondern als Sieger, die wir selber nie sein werden. Vielleicht ist es also etwas viel verlangt, dass Promis uns anleiten sollen, über uns hinauszuwachsen.

11. Wir brauchen eine Nachrichtendiät

Drei Rezepte zur Verbesserung kann man de Bottons Gebrauchsanweisung für Nachrichten entnehmen. Erstens: Sie müssen kunstvoller erzählt werden. Sie brauchen Einordnung statt Anhäufung, konkrete Anschauung statt trockene Faktizität, Anteilnahme statt Neutralität. De Botton propagiert damit die Kunst des guten Handwerks, das im Journalismus Storytelling heisst.

Zweitens fordert er vom Sender der Nachricht eine Haltung. «Meine Philosophie ist, dass Nachrichten uns helfen, uns selbst zu verbessern und aus der Welt einen besseren Ort zu machen.» Dafür müssen Newsleute in de Bottons Augen Aufklärer sein, auch wenn ihnen das allzu moralisch vorkomme. Aber sind Nachrichten das richtige Gefäss dafür, der Welt Sinn zu geben?

Der dritte Ratschlag geht an die Empfänger. Wir sollten uns ab und zu eine Nachrichtendiät auferlegen, sagt de Botton, und einen Tag lang keine Nachrichten verfolgen. Auch im täglichen Newskonsum rät er zu Unaufgeregtheit und gesunder Skepsis, damit die Nachrichten nicht überschätzt werden.

Kriselnden Medienunternehmen hilft dieser Ratschlag nur bedingt. Und auch de Bottons Hinweis, dass eine temporäre Newsabstinenz den Nachrichten zugutekomme, weil sich dabei Aufnahmefähigkeit und Neugierde der Menschen wieder erneuere, können wir Journalisten nicht so richtig glauben.

12. Liefern Satiren die besseren Nachrichten?

Auf die Krise der Nachrichten gibt es schliesslich noch eine Reaktion, die in de Bottons Buch fehlt: die Nachrichtensatire. In den USA geniesst die «Daily Show», die seit 1996 auf dem Kabelsender Comedy Central kurz vor Mitternacht das Geschehen ätzend aufbereitet, eine enorme Glaubwürdigkeit.

Anders als ideologisch positionierte oder seichte US-Sender hat Jon Stewart, der langjährige Kultmoderator der «Daily Show», einen unverstellten, entlarvenden Blick und gleicht die Ankündigungen der Politiker schonungslos mit ihren Taten ab. Nach den Fifa-Verhaftungen frotzelte Stewart, dass eine Organisation schon sehr böse sein müsse, dass sogar die Behörden der laschen Schweiz gegen sie vorgingen.

Satirische Nachrichtensendungen gelten als neue Form der Berichterstattung. Die ZDF-Midnight-Show «Die Anstalt» liess drei Schauspieler als «Troika» der EU unglaublich zynisch und herzlos über Griechenland herziehen – bloss waren alle die abschätzigen Aussagen echte Zitate.

Einen Coup landete kürzlich Jan Böhnermann, der Moderator der satirischen «Heute»-Show auf dem Sender ZDF, als er behauptete, er habe den erhobenen Stinkefinger des griechischen Finanzministers Varoufakis, über den gar seriöse Talkshows debattierten, ins Internet montiert. Zwar war auch Böhnermanns Story ein Fake, aber die Verwirrung, die sie stiftete, entlarvte gnadenlos die Leichtgläubigkeit der Newsleute.

Darf man das Newspublikum so an der Nase herumführen? Darf man den Ernst der News frech unterwandern? Darf man sich über Ungeschickte und Opfer lustig machen? Es ist die schwer zu beantwortende Frage, wie weit die Satire gehen darf. Eines aber ist klar: Die Satire droht überflüssig zu werden, wenn in den angeblich seriösen Nachrichten der Alltagswahnsinn und das Skurrile so dominiert, dass die News wie eine Realsatire wirken.

Buch: Alain de Botton: Die Nachrichten – Eine Gebrauchsanweisung, Fischer-TB, Fr.16.50. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.06.2015, 08:31 Uhr

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