Vor Fukushima stehen geblieben

Die Stromfirmen sind noch nicht bereit für die Energiewende.

Blick in den Kühlturm des AKW Leibstadt. Foto: Eddy Risch (Keystone)

Blick in den Kühlturm des AKW Leibstadt. Foto: Eddy Risch (Keystone)

Stefan Häne@stefan_haene

Es ist ein Versuch, Transparenz zu schaffen. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat erstmals untersucht, ob die Schweizer Stromversorger für die Energiewende gerüstet sind (TA von gestern). Ideal wäre, wenn sie möglichst viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen produzierten und ihren Kunden lieferten, wenn sie quantifizierbare Energieziele festgelegt hätten und bei der Stromgewinnung durch Wasserkraft die Gewässer bestmöglich schützten.

55 Stromfirmen hat das BFE angefragt. Doch nur 24 haben an der Studie teilgenommen, 12 von ihnen unter der Bedingung, in der Studie nicht namentlich genannt zu werden. Mit anderen Worten: Die grosse Mehrheit der Stromfirmen lässt die Öffentlichkeit über den genauen Stand ihrer Bemühungen im Dunkeln – obschon sie grösstenteils dem Volk gehören. Diese Bilanz ist ernüchternd. Und das Bild verdüstert sich noch, wenn man den Befund der Studie betrachtet. Nur ein einziger Stromlieferant erfüllt mehr als 80 Prozent der Ziele; der Durchschnitt liegt bei 57 Prozent – ein Wert, der eine Energiepolitik aus dem letzten Jahrzehnt widerspiegelt.

Dass die Stadtwerke von Zürich, Basel und Bern am besten abschneiden, überrascht nicht: Alle drei Städte sind rot-grün dominiert, mit entsprechender energiepolitischer Handschrift (abgesehen von den AKW-Beteiligungen, die Zürich und Bern nicht loswerden). Vergebens sucht man im Ranking hingegen grosse Stromkonzerne wie die Axpo, die den Nordostschweizer Kantonen gehört und damit von bürgerlicher Hand gelenkt wird.

Für das schlechte Abschneiden sind die Stromfirmen aber nicht allein verantwortlich. Schuld trifft auch den Bundesrat und das Parlament. Sie haben es drei Jahre nach Fukushima noch immer nicht geschafft, verbindliche Leitlinien für die Energiewende festzu­legen, etwa mit einer AKW-Laufzeitenbeschränkung. Die Studie ist daher auch als Wink an die Politiker zu verstehen, endlich Nägel mit Köpfen zu machen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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