«Trumps Entscheid erhöht das Risiko einer Eskalation»

Aussenminister Ignazio Cassis ist besorgt über den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen. Der Schritt schade der Schweizer Wirtschaft.

«Das führt zu Rachegefühlen»: Aussenminister Ignazio Cassis über Donald Trumps Entscheid, aus dem Atomdeal auszusteigen.<p class='credit'>(Bild: Keystone Valentin Flauraud)</p>

«Das führt zu Rachegefühlen»: Aussenminister Ignazio Cassis über Donald Trumps Entscheid, aus dem Atomdeal auszusteigen.

(Bild: Keystone Valentin Flauraud)

US-Präsident Trump hat gestern bekannt gegeben, dass die USA aus dem Atomabkommen mit Iran aussteigen. Ein Fehler?
Jede Kündigung eines Abkommens zur Denuklearisierung ist ein Fehler. Unser Ziel muss eine atomwaffenfreie Welt sein. Der Bundesrat ist deshalb sehr besorgt über diesen Schritt. Er erhöht das Risiko für eine Gewalteskalation in einer Gegend, in der bereits heute grosse Unruhe herrscht. Wir machen uns aber auch Sorgen, dass die US-Sanktionen der Schweizer Exportwirtschaft schaden könnten.

Weil es für Schweizer Firmen schwieriger wird, im Iran Geschäfte zu tätigen.
Genau. Zudem könnten die Sanktionen auch Firmen in der Schweiz treffen, die mit EU-Firmen handeln, die ihrerseits mit Iran zu tun haben. Allerdings wissen wir derzeit noch nicht, wann und in welchem Umfang die USA die Sanktionen in Kraft setzen.

Mit seinem Entscheid setzt sich Trump ein weiteres Mal über den Rest der Welt hinweg. Wie beurteilen Sie diesen Alleingang?
Er ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Recht der Macht gilt. Genau deshalb setzt sich die Schweiz für die Macht des Rechts ein. Das Recht ist eine Summe von Regeln, die es allen erlaubt, sicher zu leben - nicht nur den grossen Fischen.


Video – USA steigen aus dem Atomdeal aus

Trump kündigt den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran an. (Video: Tamedia, AP)


Obwohl viele Trumps Entscheid verurteilen, gab es auch berechtigte Kritik am Abkommen. Dieses hätte Irans nukleare Aufrüstung hinausgezögert, aber nicht verhindert.
Jede Medaille hat zwei Seiten. Tatsächlich sagten Skeptiker, die zivile Nuklearisierung im Iran sei lediglich die Vorbereitung für eine spätere militärische Nuklearisierung. Gleichzeitig muss man sagen, dass sich Iran ans Abkommen gehalten hat und damit in diesem Dossier eine gewisse Ruhe eingekehrt ist.

Die Schweiz vertritt im Iran die Interessen der USA. Welche Auswirkungen hat der Rückzug der USA aus dem Atom-Deal darauf?
Obwohl wir mit dem Entscheid der USA nicht glücklich sind, stehen wir als Schutzmacht weiterhin zur Verfügung, solange beide Länder das wünschen. Wir werden den Dialog mit Iran noch verstärken, um in dieser emotionsgeladenen Situation die Stimme der Vernunft einzubringen. Genau das machen die Guten Dienste der Schweiz aus: Wir bauen Brücken zwischen Menschen und Ländern, die nicht miteinander sprechen.

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