Thaibox-Meister trainierte Winterthurer Jihad-Reisende

Ein Familienvater kämpft in Syrien für den Islamischen Staat. Der zweifache Thaibox-Weltmeister soll in seinem Kampfsportcenter in Winterthur Jihad-Reisende trainiert haben.

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In den letzten sechs Monaten sind aus Winterthur drei junge Männern und ein weiblicher Teenager in Richtung Syrien verschwunden. Sie sollen sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben. Es wird vermutet, dass einer inzwischen tot ist.

Nun macht die «Rundschau» publik, dass die drei Männer in einem speziellen Kampfsportcenter in Winterthur trainiert haben. Dessen Leiter ist ein 28-jähriger Familienvater aus Süddeutschland. Inzwischen ist er ebenfalls nach Syrien in den Heiligen Krieg gereist.

Beim Mann handelt es sich um den zweifachen Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi. Er geriet Anfang März 2015 in die Schlagzeilen, weil er auf Facebook ein Bild postete, auf dem er vor der Flagge des Islamischen Staates posiert.

Kampfsport nach muslimischen Regeln

Gashi hatte in Winterthur das Kampfsportcenter MMA Sunna gegründet, in dem Muslime trainieren konnten, ohne die Regeln des Islam zu verletzen. Sprich: Es durften dort nur Männer ein und aus gehen. Sie fluchten nicht, trainierten ohne Musik. Dass der Süddeutsche ausgerechnet in Winterthur dieses Zentrum eröffnen wollte, erklärte der «Landbote» im Frühling mit einem Eintrag auf Gashis Facebook-Profil: «Als Standort hatten wir Winterthur ausgemacht, da dort viel Interesse war.»

Die «Rundschau» hat den Thaibox-Champion in Syrien aufgespürt und konnte mit ihm ein langes Gespräch führen. Natürlich würde er gern seine Kinder im Arm halten, sagt er: «Aber wenn ich Gutes tue und dabei sterbe, wäre ich natürlich froh darüber.» Gashi ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter. In Syrien unterstütze er den Aufbau des sogenannten Kalifats. Konkret patrouilliere er entlang des Euphrats, spüre Schmuggler und Spione auf. Meistens halte er sich in der Stadt Membij auf. Dort soll er auch den 25-jährigen Winterthurer getroffen haben, der kürzlich neben dem Kopf eines Hingerichteten posierte und diese Bilder über die sozialen Netzwerke in Umlauf brachte.

Gashi ist auch mit jenem jungen Winterthurer befreundet gewesen, der diesen Frühling in Syrien getötet worden sein soll. Hinweise darauf finden sich ebenfalls auf Facebook, wo Gashi um seinen gefallenen Freund trauert. Er hofft, bald wieder mit ihm vereint zu sein.

Verbindungen zur Koran-Verteilaktion «Lies!»

Obwohl die Winterthurer Jihad-Reisenden einander gekannt haben, bleibt weiterhin unklar, woher sie ihr radikales Gedankengut tatsächlich haben. Bekannt ist inzwischen, dass sie in der Winterthurer Moschee An'Nur verkehrten. Deren Präsident Atef Shanoun sagt jedoch, die Radikalisierung habe dort nicht stattfinden können.

In diesem Zusammenhang könnte eine andere Organisation eine Rolle spielen: die europaweite Koran-Verteilaktion «Lies!». Auch in Winterthur und Zürich geben junge Männer den Koran an Passanten gratis ab. Verschiedene salafistische Prediger haben Verbindungen zu ihr, auch der Deutsche Pierre Vogel. Gegründet worden ist «Lies!» vom Kölner Ibrahim Abou-Nagie, der in Deutschland als «Hassprediger» betitelt wird und dem die Einreise in die Schweiz vor rund zwei Jahren verboten worden ist. Thaiboxer Gashi hat sich in Deutschland ebenfalls an Aktionen von «Lies!» beteiligt.

«Lies!» beschäftigt Behörden

Diese Organisation wird von deutschen und Schweizer Behörden besonders beobachtet. Nicoletta della Valle, die Chefin des Bundesamts für Polizei, sagte kürzlich in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag»: «Aktivitäten von extremistischen Gruppierungen, die zum Beispiel Leute auf der Strasse ansprechen, um sie für ihre Ideen zu gewinnen, bereiten uns Sorgen.»

Sie erwähnte die «Lies!»-Aktion zwar nicht explizit, da das Beobachten solcher Gruppen in den Bereich des Nachrichtendienst fällt. Allerdings lässt das Fedpol durchblicken, dass die Koranverteilaktion sicher jene ist, die man bei einer solchen Aussage im Kopf hat.

«Rundschau»-Bericht: Heute Abend, 3. Juni 2015, 20.55 Uhr, SRF 1 (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2015, 15:43 Uhr

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