Superschnellzug für den Gotthard rollt langsam an

Das Projekt heisst Superveloce: In 2 Stunden und 45 Minuten sollen Züge ab dem Jahr 2020 Zürich mit ­Mailand verbinden.

Ein Schnellzug der SBB fährt ins Gotthard-Nordportal: Künftig soll die Fahrt von Zürich nach Mailand weniger als 3 Stunden dauern.

Ein Schnellzug der SBB fährt ins Gotthard-Nordportal: Künftig soll die Fahrt von Zürich nach Mailand weniger als 3 Stunden dauern. Bild: Keystone

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Die SBB werden nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels von der Nachfrage überrollt. Dies vor allem an Wochenenden sowie bei garstigem Wetter im Norden und Sonnenschein im Süden. Total stieg die Zahl der Passagiere in den ersten acht Monaten seit der Inbetriebnahme um 30 Prozent. Täglich fahren im Schnitt 10 400 Reisende durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Bereits haben die SBB mit einigen Fahrplanänderungen auf den Ansturm reagiert. So verstärkten sie das Angebot am Sonntagabend vom Tessin in die Deutschschweiz durch zusätzliche Züge. Auch je nach Wetterlage verkehren verlängerte oder zusätzliche Züge. Obwohl die SBB bereits bei der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels vor zehn Jahren ähnlich Erfahrungen gemacht haben, sind die Züge am Gotthard manchmal voll. So empfehlen die SBB den Bahnreisenden eine Platzreservation.

Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 kommt eine tägliche Frühverbindung von ­Basel und Luzern via Gotthard-Basistunnel nach Locarno hinzu. Und neu gibt es eine Direktverbindung von Frankfurt nach Mailand, in Richtung Süden via ­Luzern–Gotthard, nordwärts via Lötschberg–Bern. Nochmals wesentlich besser werden soll das Angebot mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels im Jahr 2020.

Ein Konzept für den Superveloce ist in Prüfung. Diese Schnellverbindung soll die Fahrzeit zwischen Zürich und Mailand auf rund 2 Stunden und 45 Minuten verkürzen, wie SBB-Chef Andreas Meyer am Mittwoch an einer Medienfahrt ins Tessin ankündigte. Zwischenhalte der neuen Schnellverbindung sind in Lugano und Como vorgesehen.

Derzeit dauert die Fahrt von Zürich nach Mailand noch mindestens 3,5 Stunden. Die über viele Jahre schlechte Pünktlichkeit habe mit dem Gotthard-Basistunnel verbessert werden können, sagte Meyer. Noch immer treffen zwar die Eurocityzüge aus Mailand teilweise verspätet am Grenzbahnhof in Chiasso ein. Die Verspätung kann laut dem SBB-Chef aber dank der Fahrzeitreserven bis Arth-Goldau meist aufgeholt werden. So habe sich die Anschlusspünktlichkeit an dem Innerschweizer Bahnknoten innert Jahresfrist von 94 auf 97 Prozent verbessert.

Gebremster Güterverkehr

Noch weiter vom Optimum entfernt ist der Güterverkehr, für den die Neat-Tunnel am Gotthard und am Lötschberg eigentlich gebaut wurden. Zwar hat die Zahl der Güterzüge im Transit seit Dezember um 6 Prozent zugenommen. Das Potenzial ist aber längst nicht ausgeschöpft. Zum Beispiel: Wegen Wartezeiten an der Grenze sowie Fahrzeitverlusten in der Schweiz verlängern sich die Fahrten gemäss den Angaben um bis zu 70 Minuten.

Nötig ist aus Sicht der SBB zuerst eine bessere, internationale Abstimmung der Fahrpläne und der Baustellen. Dies bereits bevor der Ceneri-Basistunnel und der 4-Meter-Korridor für den Güterverkehr fertiggestellt sind. Auf dieser Flachbahn sollen künftig 750 Meter lange Güterzüge mit bis zu 2000 Tonnen Gewicht fahren. Damit gewinnt die Schiene gegenüber der Strasse an Effizienz. Durch den Gotthard-Basistunnel fuhren bislang rund 17'000 Güterzüge. Durchschnittlich waren sie im Vergleich «nur» rund 1080 Tonnen schwer und 434 Meter lang. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.08.2017, 19:58 Uhr

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