Studie ortet erhebliches Sparpotenzial im Gesundheitswesen

Sind die Aufgaben unter Fachleuten optimal aufgeteilt und wissen Patienten über ihre Krankheit gut Bescheid, so spart das Kosten: Eine Studie beschreibt, wie die Effizienz im Gesundheitswesen ohne grosse Umwälzungen verbessert werden kann.

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Das gängige Urteil über das Schweizer Gesundheitswesen lautet: gut, aber teuer – und immer teurer. Inzwischen steckt die Schweiz pro Jahr insgesamt 68 Milliarden Franken in die Gesundheit. Das müsste nicht sein. Laut dem Bundesrat könnten zumindest die kassenpflichtigen Leistungen 20 Prozent günstiger erbracht werden. Dazu müssten Fehlanreize beseitigt und die Effizienz verbessert werden.

Die Vereinigung der Pharmafirmen in der Schweiz (Vips) hat das Forschungsbüro Infras beauftragt, Lösungsansätze zu suchen. Bei der gestrigen Präsentation nahmen es Studienautoren gleich vorweg: «Einen schlafenden Riesen, der uns auf einen Schlag viel Geld sparen lässt, gibt es nicht», sagte Judith Trageser. Mit mehreren kleinen, sich ergänzenden Ansätzen sei aber sehr wohl ein grösseres Effizienzpotenzial auszumachen, fügte Anna Vettori an. Den von ihnen ausgewerteten Lösungsansätzen messen sie ein Effizienzpotenzial im einstelligen Prozentbereich der Gesundheitsausgaben bei.

Fünf Lösungsansätze

Die Studienautoren haben fünf Ansätze aus dem Ausland untersucht. Einer ist die Förderung des Selbstmanagements: Patienten sollen etwa in Kursen lernen, mit ihrer Krankheit selbstständiger umzugehen. Für Nationalrat Jean-François Steiert (SP, FR) ist dies ein wichtiger Ansatz. Der Gesundheitspolitiker ist Mitglied der Begleitgruppe zur Studie. Patienten hätten heute viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Schwierig sei aber, die relevanten und seriösen Informationen herauszufiltern. Hier brauche es Hilfestellungen.

Auch den zweiten Ansatz findet Steiert interessant: Gemäss Studie sind Richtlinien für Ärzte eine Möglichkeit, Behandlungen zu optimieren und zu standardisieren sowie Überflüssiges wegzulassen. «Solche Guidelines sind gute Instrumente, wenn man zwei Dinge beachtet», sagt Steiert. Erstens müsse die Initiative dazu von den Ärzten selber kommen, und zweitens müsse dafür Geld investiert werden. Von den weiteren drei Ansätzen (siehe Bildstrecke) sollte laut Steiert jener über die Aufgabenverteilung (Skillmix) weiterverfolgt werden.

Der Patient im Mittelpunkt

Gemäss Studie muss das System nicht völlig umgewälzt werden, um die Effizienz zu verbessern. Ausserdem ergäben sich viele Lösungsansätze daraus, dass man den Patienten in den Mittelpunkt stelle. Das umzusetzen, was dem Patienten am meisten nützt, macht also das Gesundheitswesen nicht etwa teurer. Es hebt vielmehr die Qualität und steigert die Effizienz.

Berner Zeitung

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