So denkt und fühlt die Schweiz

Von hundert Einwohnern in der Schweiz, wie viele sind Muslime? Das war eine der Fragen der Tamedia-Themenumfrage. Die Antworten wichen teils weit von der Realität ab.

Die Schweizer sind misstrauisch gegenüber dem Islam.

Die Schweizer sind misstrauisch gegenüber dem Islam. Bild: Keystone

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Zum ersten Mal hat Tamedia dieses Jahr eine repräsentative Themenumfrage durchgeführt. Teilgenommen haben 17'143 Personen aus der ganzen Schweiz. Am frappantesten wich das subjektive Empfinden beim Thema Muslime von der Realität ab. Sie schätzten den Anteil Muslime in der Schweiz im Durchschnitt auf 17,2 Prozent. Das entspricht dem Dreifachen des tatsächlichen Werts (lesen Sie hier mehr zu diesem Thema).

Die Onlineumfrage wurde gemeinsam mit der Leewas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen ausgewertet:

  • Zustimmung für die Ehe für alle und für das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare: Knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) befürwortet beides. Nur 24 Prozent lehnen beides ab. Interessant: 27 Prozent der SVP-Wähler unter den Befragten würden auch beides befürworten. Bei den CVP-Wählern sind es gar 35 Prozent.
  • Keine Angst vor baldigem Jobverlust und Altersarmut: 78 Prozent der Befragten denken nicht, dass sie in den nächsten zwei Jahren arbeitslos werden. Die meisten glauben sogar, dass sie im Alter finanziell ausreichend abgesichert sind (49 Prozent), wobei dies vor allem bei den über 50-Jährigen der Fall ist. Bei den jüngeren Semestern ist der Anteil der Skeptiker deutlich höher.
  • Unbehagen gegenüber Flüchtlingen, keine Angst vor Terroranschlägen: Die Schweiz soll gegenüber Flüchtlingen weniger offen sein, als sie es heute ist, finden die meisten (53 Prozent). Terroranschläge in der Schweiz halten die meisten allerdings für unwahrscheinlich (66 Prozent).
  • Nachts fühlt man sich allein unterwegs sicher: Immer oder meistens sicher haben rund 80 Prozent der Befragten angegeben, wobei sich Männer erwartungsgemäss sicherer fühlen als Frauen.
  • Zu viele Ausländer in der Schweiz: Egal ob aus Nachbarländern, anderen EU- und Efta-Staaten oder aus Drittstaaten: Die meisten Befragten (zwischen 52 und 62 Prozent) empfinden die Zuwanderung generell als zu hoch. Interessant: Ausländer, die die Befragten persönlich kennen, erleben die meisten als gut oder eher gut integriert (73 Prozent).
  • Glaube eher Ja, beten Nein: Rund 48 Prozent glauben an eine höhere Macht, 38 Prozent nicht. Die meisten (52 Prozent) besuchten im letzten Jahr nie eine religiöse Institution (Kirche, Moschee, etc.) und die meisten (57 Prozent) beten nie – selbst bei den über 65-Jährigen betet fast die Hälfte nie. Interessant: Auch die meisten Muslime unter den Befragten beten nie (39 Prozent). Allerdings ist hier die statistische Unschärfe relativ hoch, weil wenige Muslime an der Umfrage teilgenommen haben.
  • Keine Erhöhung des Rentenalters: Die meisten (52 Prozent) wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Immerhin: 21 Prozent können sich vorstellen, zwei Jahre länger zu arbeiten.
  • Mobility-Pricing fällt durch: Die grosse Mehrheit (82 Prozent) ist dagegen, dass sowohl Strassen wie auch die Bahn zu Stosszeiten verteuert werden.
  • Der Digitalisierung stehen die meisten neutral gegenüber: Rund 44 Prozent der Befragten sehen sowohl Chancen wie auch Risiken für die Schweizer Wirtschaft, wobei der Anteil der 18- bis 34-Jährigen in dieser Kategorie am höchsten ist. Am negativsten gegenüber der Digitalisierung ist die Gruppe der 35- bis 64-Jährigen eingestellt, weil sie fürchten, dass die Arbeitslosigkeit stiegen wird.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.12.2017, 21:05 Uhr

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