SBB zahlen 690 Millionen in die Pensionskasse – auf Pump

Die Sanierung der Pensionskasse SBB nimmt kein Ende. Die Vorsorgeeinrichtung erhält einen Arbeitgeberbeitrag von 690 Millionen Franken – finanziert mit künftigen Gewinnen.

Um SBB-Mitarbeitende von Rentenkürzungen zu verschonen, nehmen die SBB ein Darlehen auf.

Um SBB-Mitarbeitende von Rentenkürzungen zu verschonen, nehmen die SBB ein Darlehen auf. Bild: Keystone

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«Mit den Sozialpartnern sind die SBB im Dialog für weitere Massnahmen zur Stabilisierung der Pensionskasse, auch wenn dies vor dem Hintergrund von Frankenstärke und Negativzinsen sehr anspruchsvoll wird.» So steht es im aktuellen Geschäftsbericht der SBB. Nun scheint diese sportliche Aufgabe gelöst worden zu sein: Trotz der auf 7,7 Milliarden Franken per Ende 2014 wachsenden Nettoverschuldung haben die SBB nun Geld gefunden, das sie in die Pensionskasse einschiessen können – und zwar 690 Millionen Franken. Damit erhöht sich die Verschuldung um diesen Betrag.

Die Arbeitgebereinlage von 690 Millionen Franken führt nach offizieller Lesart nicht zu einer Belastung des Bundes. Eine etwas gar positiv gefärbte Aussage, denn die Einlage wird mit einem Darlehen finanziert, das mit Gewinnen der Division Immobilien zurückbezahlt wird. Mit solchen Gewinnen liesse sich die Verschuldung abbauen.

Sanierung ohne Ende

Die SBB-Pensionskasse wurde um die Jahrtausendwende mit Steuergeldern im Umfang von 12 Milliarden Franken ausfinanziert. Dies war als Befreiungsschlag gedacht. Doch bereits 2008 verlangten die SBB für ihre unterfinanzierte Kasse vom Steuerzahler weitere 3 Milliarden Franken. Schliesslich bewilligte das Parlament 1,15 Milliarden. Auch die Mitarbeitenden mussten zur Sanierung beitragen und «Leistungseinbussen von bis zu 25 Prozent in Kauf nehmen». Wobei anzufügen ist, dass die SBB-Angestellten zuvor von überdurchschnittlich guten Leistungen profitierten, insbesondere im Vergleich zu Angestellten der Privatbahnen.

Tiefer Umwandlungssatz

Heute sind die Leistungen nicht mehr komfortabel. Der Umwandlungssatz sinkt 2016 auf 5,22 Prozent. Auf einem Kapital von 100'000 Franken gibts demnach nur noch Renten im Umfang von 5220 Franken pro Jahr. Für SBB-Angestellte, die wenige Jahre vor der Pensionierung stehen, führt das Paket nicht zu tieferen Renten. So soll der tiefere Umwandlungssatz mit den genannten 690 Millionen aufgefangen werden, indem die individuellen Altersguthaben um 12 Prozent aufgestockt werden.

Auch die Mitarbeitenden müssen einen kleinen Beitrag leisten. Gemäss einer Vereinbarung mit den Sozialpartnern verzichten sie auf generelle Lohnerhöhungen zwischen 2017 und 2020 und auf einen Ferientag pro Jahr zwischen 2016 und 2018. Wobei auch hier anzumerken ist, dass Angestellte anderer Branchen von «generellen Lohnerhöhungen» noch nie etwas gehört haben.

Deckungsgrad: 107 Prozent

2014 erzielte die PK SBB eine Rendite von 8,4 Prozent. Der Deckungsgrad erhöhte sich dadurch von 102,4 auf 107,3 Prozent. Manche Vorsorgeeinrichtung würde sich ob eines solchen Polsters glücklich schätzen. Doch Geschäftsführer Markus Hübscher weist darauf hin, dass auf 2016 der technische Zins von 3 auf 2,5 Prozent gesenkt wird, was zu einem tieferen Deckungsgrad führt. Mit diesem Zins werden künftige Leistungen berechnet.

Die Pensionskasse SBB hat das Handicap eines hohen Rentnerbestands von fast 50 Prozent. Viele Pensionäre erhalten nicht finanzierte Renten. Und da Rentnerinnen und Rentner für die Sanierung von Pensionskassen nach Gesetz nicht beigezogen werden dürfen, müssen bei der Pensionskasse SBB, wie übrigens bei anderen Vorsorgeeinrichtungen auch, die aktiv Versicherten die Zeche zahlen – die Zeche dafür, dass in der Vergangenheit auf Druck der Gewerkschaften zu grosszügige Leistungen bezahlt werden mussten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.04.2015, 11:49 Uhr

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