Marschbefehl für Asylbeamte: Ab in die Provinz!

Das Staatssekretariat für Migration wird neu organisiert – einmal mehr. Hunderte Angestellte müssen umziehen.

Wo gehts hin? Viele Mitarbeiter des Staats­sekretariats für Migration werden 2019 ihr Büro in Bern verlassen müssen.

Wo gehts hin? Viele Mitarbeiter des Staats­sekretariats für Migration werden 2019 ihr Büro in Bern verlassen müssen.

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Peter Meier@bernpem

Im März 2019 soll es mit den beschleunigten Asylverfahren losgehen. Dann will der Bund 60 Prozent aller Fälle innert maximal 140 Tagen von A bis Z in eigenen Asylzentren abwickeln, wo alle Akteure unter einem Dach vereint sind.

Doch die Umsetzung stockt: Die Personalfrage stellt das Staatssekretariat für Migration (SEM) vor Probleme. Hinter den Kulissen ist der Umbau angelaufen – neue Abteilungen entstehen, alte werden zusammengelegt. Für die Belegschaft heisst das: neue Chefs, neue Teams, neue Funktionen, neue Anforderungen – und vor allem: einen neuen Arbeitsort.

Solothurn, Genf oder Tessin?

Einen Grossteil der heute rund 500 Mitarbeitenden im Asylbereich zieht das SEM 2019 aus Bern ab. Zwei Drittel von ihnen werden laut SEM künftig verteilt auf die Bundeszentren in der ganzen Schweiz arbeiten.

Ob in Flumenthal SO, Grand-Saconnex GE, Balerna/Novazzano TI oder an einem andern Standort – die Betroffenen wissen nicht, wo sie landen. Sie müssen sich erst noch für die Stellen in den neuen Zentren bewerben. Ein Prozess, der noch nicht einmal begonnen hat. Derzeit läuft die Rekrutierung der acht neuen Abteilungschefs, dann sind die Sektionschefs dran.

Erst am Schluss folgt für das Gros des Personals der Entscheid über ihren künftigen Arbeitsort – frühestens im Herbst. Eine Jobgarantie gibt es dabei für die Mitarbeiter nicht, schlimmstenfalls droht ihnen die Kündigung. Amtsintern sorgen diese Pläne für Unruhe und Verunsicherung: «Was mache ich, wenn ich plötzlich ins Tessin versetzt werde?», fragt sich ein besorgter Familienvater, der anonym bleiben möchte.

Die Personalverbände kennen solche Befürchtungen bestens. «Wir erhalten viele Anfragen von SEM-Mitarbeitenden, die unseren Rat brauchen», sagt Janine Wicki, Generalsekretärin des Personalverbands des Bundes: «Die Reorganisation löst Sorgen und Ängste aus – gerade bei älteren Angestellten.»

Matthias Humbel vom Verband Transfair bestätigt: «Druck und Nervosität sind in der Belegschaft spürbar.» Für ihn ist das aber erst der Anfang. Richtig losgehen werde es in der Bewerbungsphase. Weil es in allen Zentren erfahrene Leute brauche, werde es zu Härtefällen kommen, sagt Christof Jakob von der Gewerkschaft VPOD. Sprich: Längst nicht alle bekommen die gewünschte Stelle.

Trotz Bedenken halten sich die Personalvertreter mit Kritik spürbar zurück. Sie attestieren der SEM-Leitung, dass sie sich bemühe, die Mitarbeiter zu informieren und einzubinden.

Keine externen Berater

Niemand will die bösen Geister der turbulenten SEM-Vergangenheit heraufbeschwören. Allen steckt noch die Reorganisation von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in den Knochen, die 2010 alles auf den Kopf stellte, ein Klima der Angst schuf und das Amt in die Krise stürzte. SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga machte das Desaster drei Jahre später wieder rückgängig und brachte damit Ruhe und Effizienz zurück. Nun muss sie das SEM schon wieder umkrempeln.

Was niemand laut sagt: Bei diesem dritten Umbau innert acht Jahren geht die Angst vor einem Rückfall im SEM um. Zumal die erstmals dezentrale Organisation die Koordination erschwert und die Asylfachleute anfangs alte und neue Verfahren parallel bewältigen müssen.

Für Skepsis sorgt in der Belegschaft zudem, dass die frühere Zürcher SP-Stadträtin Esther Maurer seit Dezember neu den SEM-Asylbereich als Vizedirektorin leitet. Sie müsse die schwierige Umstellung meistern, sei aber keine Asylpraktikerin, lauten die Vorbehalte.

Das SEM selbst sieht sich auf Kurs, wie es auf Anfrage heisst. Wie schon bei der letzten Reorganisation setzt das Amt auf interne Kräfte statt externe Berater. Das Ziel: «Die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort», steht in einem Projektbeschrieb.

Eine Personalstrategie soll helfen und früher begangene Fehler verhindern. Man arbeite seit über anderthalb Jahren an der Reorganisation und binde alle relevanten Akteure mit ein, sagt Sprecher Martin Reichlin.

Berner Zeitung

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