Markwalders Spagat in der AKW-Frage

Die FDP-Nationalrätin kämpft für ein neues Atomkraftwerk und engagiert sich gleichzeitig für Opfer von radioaktiver Verseuchung.

Kämpft für AKW und für erneuerbare Energien: Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE).

Kämpft für AKW und für erneuerbare Energien: Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE).

(Bild: Keystone)

Claudia Blumer@claudia_blumer

Es gibt in der Bundespolitik nicht nur AKW-Lobbyisten und Atomgegner. Es gibt auch solche, die sind beides. Diesen Spagat schafft die FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Sie macht sich an vorderster Front für den Neubau des AKW Mühleberg stark, über den am 13. Februar konsultativ abgestimmt wurde. Gleichzeitig präsidiert Markwalder die parlamentarische Gruppe Erneuerbare Energien und sitzt im Stiftungsrat von Greencross Schweiz, einer Organisation, die sich unter anderem für die Opfer radioaktiver Verseuchung einsetzt.

Für Greencross steht an erster Stelle die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, die durch chemische, radioaktive oder andersartige Verseuchungen betroffen sind, wie beispielsweise die Opfer des Atom-Unglücks von Tschernobyl. Weiter unterstützt die Organisation die Abrüstung von chemischen und konventionellen Waffen und untersucht die Auswirkungen von Nuklearmaterialien auf Umwelt und Gesundheit.

Abwägen zwischen Kosten, Nutzen und Risiken

Das beidseitige Engagement sei kein Widerspruch, sagt Christa Markwalder auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz. «Ich will Energiepolitik pragmatisch angehen. Am Ende müssen Politik und Bevölkerung zwischen Kosten, Nutzen und Risiken der einzelnen Technologien abwägen und entscheiden.» Ihr Engagement für das Atomkraftwerk Mühleberg hatte vor allem standortpolitische Gründe, damit der Kanton Bern bei den Rahmenbewilligungsgesuchen weiterhin mit dabei sei. «Persönlich beziehe ich meinen Strom gegen einen Aufpreis ausschliesslich aus erneuerbaren Energien. Wäre die Bevölkerung bereit, freiwillig mehr zu bezahlen, wären wir bei den neuen erneuerbaren Energien weiter als heute.»

Die Ereignisse in Japan verfolge sie mit grosser Sorge, sagt Markwalder. «Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch, aber in dieser Hinsicht bin ich eher pessimistisch. Diese Katastrophe ist wohl noch lange nicht ausgestanden.» Gut möglich, dass das Atomunglück in Japan in der Schweiz einen Wendepunkt in der öffentlichen Meinung und in der politischen Diskussion bewirke, meint sie.

«Irgendwann wird sie sich entscheiden müssen»

Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer, der mit Markwalder die parlamentarische Gruppe Erneuerbare Energien präsidiert, beurteilt Markwalders Engagement als Sackgasse. «Irgendwann wird sie sich entscheiden müssen, und ich hoffe, dass sie sich für die erneuerbaren Energien entscheidet.» Es mache volkswirtschaftlich und ökologisch keinen Sinn, sich für AKW und gleichzeitig für erneuerbare Energien einzusetzen. «Man kann nicht 30 Milliarden Franken in neue AKW investieren und ebenso viel in die Sonnenenergie.» Trotz dieses Widerspruchs begrüsse er Markwalders Engagement in der parlamentarischen Gruppe. «Ich begrüsse jeden, der sich für erneuerbare Energien einsetzt.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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