Kundenfreundlich, aber relativ teuer

Der grösste Schweizer Telecom­anbieter vereinfacht seine Preismodelle. Dazu führt die Swisscom ihre einzelnen Tarife für Festnetz, Internet, Fernsehen und Mobilfunk in ein einziges Abonnement zusammen.

Vor allem für Mehrpersonenhaushalte lohnt sich das neue Einheitsabonnement der Swisscom.<p class='credit'>(Bild: Fotolia)</p>

Vor allem für Mehrpersonenhaushalte lohnt sich das neue Einheitsabonnement der Swisscom.

(Bild: Fotolia)

Jon Mettler@jonmettler

Für Konsumenten von Telecomdienstleistungen ist es nervenaufreibend, den Überblick im Dschungel von Tarifen und Angeboten zu behalten. Die Nutzer verlangen nach Einfachheit. Bei diesem bekannten Kundenbedürfnis setzt das neue Einheitsabonnement «In One» der Swisscom an. Ab April können die Kunden des blauen Riesen aus Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet sowie Fernsehen ein individuelles Gesamtpaket schnüren. Um zu bezahlen, flattert nur noch eine einzige Rechnung ins Haus.

Prinzip Baukasten

Das Prinzip ähnelt dem Baukastensystem. Die einzelnen «Bausteine» bieten verschiedene Leistungen zu unterschiedlichen Preisen. Der Konsument kann sogar einzelne Services weglassen. So haben Swisscom-Kunden neu die Möglichkeit, einen Internetzugang zu beziehen, ohne einen TV- und Festnetzanschluss mitkaufen zu müssen. Nur der Internetanschluss ist obligatorisch, um «In One» zu nutzen.

Die Swisscom als grösster Schweizer Telecomanbieter verfügt über 6,6 Millionen Mobilfunkkunden und 1,9 Millionen Breitbandinternet-Anschlüsse.

Preismodelle, die auf Servicebausteinen basieren, sind in der Schweiz nicht neu. Der Mobilfunkanbieter Orange, heute Salt, bot vor etwa zehn Jahren mit Optima ein ähnliches Preismodell an. Die Swisscom jedoch nutzt das Baukastenprinzip bei der Preisgestaltung zum ersten Mal.

Das günstigste «In One»-Komplettangebot kostet 120 Franken im Monat. Es beinhaltet eine Internetverbindung mit einer Geschwindigkeit von 40 Megabit pro Sekunde für 60 Franken, Swisscom TV mit mehr als 100 Sendern für 5 Franken, ein Festnetztelefon-Anschluss mit kostenpflichtigem Minutentarif für 5 Franken sowie ein Mobilfunkabo für 50 Franken. Das teuerste Angebot beträgt 320 Franken. Im mittleren Preissegment ist «In One» ab 190 Franken zu haben.

Das neue Preismodell der Swisscom ist vor allem für Haushalte interessant, in denen mehrere Personen leben. Kunden, die Internet und Mobilfunk kombinieren, sparen auf den ersten beiden Mobilfunkabos je 20 Franken pro Monat. Ab dem dritten bis zum fünften Abo gibt es jeweils 40 Franken Rabatt.

Konkurrenz ist billiger

Alles in allem fällt die Bilanz für «In One» jedoch durchzogen aus. «Das neue Angebot ist gut, aber teuer», sagt Telecomexperte Ralf Beyeler vom Konsumentenportal Verivox. Erfreulich sei, dass «die Kunden nur die Produkte kaufen müssen, die sie auch wirklich brauchen». Doch dies hat seinen Preis, wie Berechnungen von Verivox zeigen. Tendenziell senkt die Swisscom die Tarife zwar oder erhöht die Leistungen. Vergleichbare Angebote der Konkurrenz sind aber günstiger als «In One» (siehe Tabelle).

Oliver Zadori vom Vergleichsportal Dschungelkompass.ch rät: «Wichtig ist, das neue Swisscom-Angebot mit denen der anderen Anbieter zu vergleichen.»

Mit «In One» heizt die Swisscom den Preiskampf im gesättigten und damit hart umkämpften Schweizer Telecommarkt weiter an. Bereits vor fünf Jahren lancierte die Firma mit Natel Infinity ein neuartiges Preismodell für den Mobilfunk. Es verrechnet nicht mehr die verbrauchte Datenmenge, sondern die Übertragungsgeschwindigkeit.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Der Winterthurer Anbieter Init7 bietet einen Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von 1 Gigabit pro Sekunde für 65 Franken im Monat an. Im Rahmen von «In One» kostet 1 Gigabit pro Sekunde neu 90 Franken. Die Swisscom senkt somit den Tarif im Vergleich zum aktuell geltenden Angebot Vivo XL um 79 Franken.

Die Swisscom nutzt «In One», um das bisherige Produktportfolio zu vereinfachen. «Das neue Einheitsabo löst Vivo und Infinity ab», sagt Dirk Wierzbitzki, Verantwortlicher bei der Swisscom für Produkte und Marketing. Bestehende Kunden haben die Wahl: Sie können ihre bisherigen Angebote weiter nutzen oder im April auf «In One» wechseln.

Allerdings wird die Swisscom ab diesem Zeitpunkt die Vivo- und Infinity-Angebote in den Shops nicht mehr aktiv bewerben und verkaufen. Zudem wird es den Kunden von Vivo und Inifinity nicht mehr möglich sein, innerhalb dieser Produktfamilien auf billigere oder teurere Angebote zu wechseln.

Mittelfristig zwingt die Swisscom also die Kunden von Vivo und Infinity dazu, auf «In One» umzustellen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt