Echt jetzt?

Kompletter Irrsinn!

Echt jetzt?BZ-Redaktor Peter Meier klopft ­Bundesbern auf die Finger und eruiert den aberwitzigsten Politsatz der Woche. Gewinner ist: Guy Parmelin.

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Ich war mir zunächst nicht schlüssig, wer den aberwitzigsten Politsatz der Woche abgesondert hat. Zuerst war da Doris Fiala. Das ist die Zürcher FDP-Nationalrätin, die schneller losquasselt, als Ignazio Cassis seine Haltungen wechselt. Und das ist eine reife Leistung, wie wir seit dem peinlichen Rein-Raus-Intermezzo des neuen Aussenministers bei der Waffenlobby Pro Tell wissen.

Fiala findet die politische Flexibilität des Tessiners indes nicht weiter schlimm: Das mache Cassis sympathisch und zeige doch gerade, dass er kein Opportunist sei. Wow, was für ein irrer Dreh! Ich schätze, es handelt sich hier um einen genetisch bedingten Beistands­reflex, der unter Wendehälsen der Arterhaltung dient.

Den Rang abgelaufen hat Fiala dann aber Mitte Woche Dampfplauderi Guy Parmelin. Seine Lobeshymne auf das Olympiaprojekt «Sion 2026», für das der Bundesrat eine Milliarde Franken lockermachen will, hörte gar nicht mehr auf. Dabei legte der Sportminister einen abenteuerlichen Floskelslalom hin. In Olympiafiebertrance fabulierte Parmelin von Pioniertat, globalem Ansehen, nationaler Kohäsion und «einer grossen Chance, von der Sport, Wirtschaft und Gesellschaft profitieren könnten».

Zentral ist hier der Konjunktiv. Den verwenden alle Olympiapromotoren gerne. Weil sich damit im Vorfeld so schön Hoffnungen wecken lassen, auf die hinterher niemand behaftet werden kann. Denn Fakt ist: Es gibt bislang keinen empirischen Beweis dafür, dass die Austragungsländer nachhaltig von Olympischen Spielen profitieren. Alimentiert werden damit höchstens die zweifelhaften Herren der Ringe, das IOC.

Ich übersetze mal kurz, was uns Parmelin da mit seinem Wortschwall schmackhaft machen wollte: Wir sollen eine Milliarde Steuerfranken dafür aufwerfen, ein zweiwöchiges Fest zugunsten einer korrupten Organisation auszurichten, gegen deren Mitglieder regelmässig wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird. So gesehen würden wir mit «Sion 2026» im Grunde Beihilfe leisten zu Bestechung, Geldwäsche und was weiss ich noch allem. Item. Wir sollen das tun für einen vage vermuteten, nicht näher definierten Positiveffekt, der jeder realen Erfahrung widerspricht. Das Geld dafür sollen wir mitten in Zeiten knapper Staats­finanzen und schmerzhafter Sparprogramme an anderer Stelle abzwacken, wo es heute schon fehlt. National darüber abstimmen dürfen wir aber nicht. Das sollen wir gefälligst den Wallisern überlassen.

Hand aufs Herz: Das ist doch kompletter Irrsinn, oder? (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2017, 09:19 Uhr

Politik, Geschichte, Provinz und Grenzen: Darum geht es samstags in den Kolumnen von Lucie Machac, Peter Meier, Stefan von Bergen, Gregor Poletti und Andreas Saurer.

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