Kommentar: Ein Rücktritt, der die SVP an ihrer Schwachstelle trifft

Der überraschende Rücktritt von Peter Spuhler ist ein empfindlicher Rückschlag für die SVP.

Unter den politischen Schwergewichten in der grössten Fraktion im Bundeshaus gehörte der Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler zum kleinen Kreis der Figuren mit dem nötigen Format für den Bundesrat: auf der Linie seiner Partei politisierend und doch eigenständig in seinen Haltungen. Respektiert und glaubwürdig über die eigene Partei hinaus. Eben erst noch absolvierte er einen Auftritt in der «Arena» des Schweizer Fernsehens, bei dem seine Qualitäten zum Tragen kamen. Spuhler spricht eine verständliche Sprache und wird auch mal deutlich, ohne gleich mit Schaum vor dem Mund zu debattieren.

Genau hier liegt das Problem der SVP. Ihr gelang es in den letzten Jahrzehnten, mit einer kämpferischen Konfrontationspolitik über ein Viertel der wählenden Bevölkerung hinter sich zu bringen. Aber der Abnützungskampf gegen das politische Kartell, das es sich in seiner konkordanten Stube gemütlich eingerichtet hatte, strapazierte nicht nur die Nerven der zunehmend in die Enge getriebenen Mitteparteien. Der kompromisslose Oppositionskurs der SVP sorgte auch dafür, dass sich in deren Reihen vor allem Leute hervortaten, die mit dem Zweihänder ins Getümmel zogen. Die Schärfe der Auseinandersetzungen sorgte für zusätzliche Verhärtungen.

Mittlerweile stehen in der zweiten Reihe hinter Christoph Blocher zwar zahlreiche bekannte Köpfe, aber viele von ihnen haben dank zahlreichen Auftritten als Wadenbeisser und Polterer feurigere politische Gegner als Anhänger. Gleichzeitig verfügen die Schweizerinnen und Schweizer über ein feines Gespür für die unterschiedlichen Rollen in Parlamenten und Regierungen. Im Parlament ist angriffiges Personal durchaus erwünscht. In der Exekutive aber will es, natürlich auch bedingt durch den Wahlmodus, mehrheitsfähige Köpfe – erst recht, wenn sich das Machtgefüge verschiebt.

Jetzt sind innert Jahresfrist zwei solche SVP-Köpfe von der Bildfläche verschwunden: Am Montag gestand Fast-Bundesrat Bruno Zuppiger, dass er Geld veruntreut hatte. Gestern Dienstag wandte sich der potenzielle Bundesrat Spuhler seiner Firma zu und erklärte, dass er «nie» Mitglied der Landesregierung sein werde. Diese Ereignisse treffen die SVP an ihrer schwächsten Stelle und vergrössern ihr schlimmstes Manko. Dagegen sind die Diskussionen um Christoph Mörgeli, Natalie Rickli und Yvette Estermann nur noch Episoden am Rande.

Mail: michael.hug@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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