Junge misstrauen klassischen Medien

Die traditionellen Medien erreichen die Jungen immer weniger. Diese informieren sich primär via Facebook und Co., weil sie Radio, TV und Zeitungen nicht trauen – je jünger sie sind, desto grösser ist ihr Misstrauen. Das zeigt eine neue Studie der Uni Zürich.

News via Smartphone und Facebook: Junge Erwachsene haben wenig Vertrauen in die traditionellen Medien.

News via Smartphone und Facebook: Junge Erwachsene haben wenig Vertrauen in die traditionellen Medien. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben sich etwas einfallen lassen, die Macher des Jahrbuchs «Qualität der Medien»: Sie stellen nicht mehr einzelne Medientitel und -gattungen ins Zentrum ih­rer Studie, sondern fokussieren nun auf die Qualität des hiesigen Gesamtangebots sowie dessen Glaubwürdigkeit, Nutzung und Wirkung.

So will das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich (Fög) schaffen, was ihm bislang misslungen ist: Eine Debatte über die Qualität des Informationsan­gebotes und deren Bedeutung für Meinungsbildung und Demokratie in Gang zu bringen.

Gescheitert ist das bisher am stets gleichen Muster: Die Fög-Forscher krittelten ab 2010 an den journalistischen Leistungen herum und listeten jeweils die ausgemachten Qualitätseinbussen auf. Die Branche wies die Ergebnisse dann als realitätsfern zurück und stellte die Bewertungen infrage. Die Folge: ein Kleinkrieg, bei dem beidseits Polemik und Wehleidigkeit regierten.

Neues Gesprächsangebot

Über diesen toten Punkt will das Fög mit seiner am Donnerstag präsentierten siebten Ausgabe des Jahrbuchs endlich hinauskommen. Es ist quasi ein neues Gesprächsangebot, das Verleger und Journalisten abholen, ihnen Hilfe bieten will beim Existenzkampf um das Vertrauen und die Zahlungs­bereitschaft des Publikums. Zugleich ist die Studie aber auch ein Plädoyer für den gebührenfinanzierten Service public.

Das passt zwar insofern, als das Fög in der aktuellen medienpolitischen Debatte offen für eine starke SRG eintritt, schmälert aber nicht die Ergebnisse der Studie. Zumal sich die Zürcher Forscher auf einen Vergleich von 26 Ländern abstützen, der durch die Kooperation mit dem «Reuters Institute for the Study of Journalism» möglich wurde.

Dieser belegt erstens, dass die Schweiz noch in einer relativ komforta­blen Situation ist. Denn das Vertrauen der Bevölkerung ins Mediensystem ist hierzulande weiterhin hoch – deutlich höher als etwa in Südeuropa.

Zweitens zeigt der Vergleich laut Fög länderübergreifend, dass private Medien von einem starken Service public profitieren: Nutzer, die häufig Nachrichten des öffentlichen Rundfunks konsumierten, hätten grösseres Vertrauen ins Mediensystem, lautet der Befund.

Und je grösser dieses Vertrauen beim Publikum, desto grösser sei zugleich die Bereitschaft, für News zu bezahlen und Werbung zu akzeptieren. Aber auch die Nutzung traditioneller Abo-Zeitungen wirke sich vertrauensfördernd aus, betont das Fög. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Das Vertrauen reicht nicht, um die Gratiskultur zu überwinden. Über die Hälfte der Medienkonsumenten bezahlt heute gemäss Studie nichts mehr für Zeitungen – bei digitalen News liegt die Zahlungsbereitschaft sogar bei nur 10 Prozent. Verschärft wird diese Entwicklung durch neues Nutzungsverhalten.

So stellen die Forscher fest, dass das Misstrauen bei jenen grösser ist, die News primär in Gratiszeitungen und via Social Media wie Facebook konsumieren – also vor allen bei den unter 24-Jährigen. Es ist ein Teufelskreis: In dieser Altersgruppe wenden sich besonders viele vom klassischen Newsjournalismus ab, weil sie ihm nicht trauen – und je weniger sie diesen nutzen, desto grösser wird ihr Misstrauen.

Zweischneidiges Schwert

Die Verlagshäuser reagieren mit verstärkter Social-Media-Präsenz. Das Potenzial ist gross: Bereits für fast ein Viertel der Jungen sind Facebook und Co. die Hauptinformationsquellen.

Doch Social Media sind für die klassischen Medien Segen und Fluch zugleich. Sie bieten zwar die Chance auf zusätzliche Reichweite und neue Abonnenten. Aber es geht auch partiell die Kontrolle über die Inhalte ver­loren – und die Medienmarken werden geschwächt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.11.2016, 08:45 Uhr

Artikel zum Thema

Jugendliche sind immer und überall online

Die Zeit, die Jugendliche täglich im Netz verbringen, ist seit 2010 um eine halbe Stunde gestiegen. Nicht mehr das beliebteste soziale Netzwerk ist Facebook. Mehr...

Frauen sind in den Medien untervertreten

Die Kommission für Frauenfragen hat die Berichterstattung vor den Wahlen letzten Herbst analysiert. Das Ergebnis. Mehr...

Newskonsum auf Social Media macht empfänglich für Populismus

Immer mehr Leute konsumieren Nachrichten nur noch gratis oder via Social Media. Das hat dramatische Folgen. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Karton auf den Augen: Prinz Charles schaut sich den Schaden, welchen die Septemberstürme auf den karibischen Inseln angerichtet haben, durch die Google Brille an. (18. November 2017)
(Bild: Chris Jackson/Getty Images) Mehr...