Jetzt kann Keller-Sutter nur noch die Missgunst gefährlich werden

Glaubt man dem Lob von links bis rechts, ist die Ständerätin so gut wie gewählt. Einige fragen sich aber, ob sie den Freisinnigen im Wahljahr ein solches Geschenk machen wollen.

Steht Red und Antwort: Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter im Interview. (Video: Tamedia)

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Selten fallen die Reaktionen auf eine Bundesratskandidatur so einhellig aus, wie bei Karin Keller-Sutter. Alex Kuprecht, Ratskollege der SVP, spricht von der idealen Kandidatur. Keller-Sutter bringe alles mit, was es für den Bundesrat brauche. Sie habe Führungserfahrung auf allen Ebenen, Sprachkenntnisse und habe ihr politisches Können in den Ständeratskommissionen unter Beweis gestellt.

«Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass sie es nicht schafft», sagt CVP-Ständerat Konrad Graber. Die FDP-Ständerätin bringe alles mit, was es für den Bundesrat brauche. Sie sei kompetent und habe im Ständerat politische Sensibilität von links bis rechts bewiesen. An diesen Eigenschaften fehle es im Bundesrat zur Zeit, wie der Entscheid zu den Waffenexporten und das ungeschickte Vorgehen beim Rahmenabkommen mit der EU zeigten. «Keller-Sutter hat jene Konsequenz und jenen Drive, den es nach dem Abgang von Bundesrätin Doris Leuthard nun braucht.»

Anerkannt auch in der SP

Keller-Sutter galt bei ihrer Wahl von 2011 in den Ständerat als rechtsbürgerliche Hardlinerin. Erworben hatte sie sich diesen Ruf als St.Galler Justizdirektorin. Doch auch in der SP wird ihre Kompetenz anerkannt. SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi bezeichnet Karin Keller-Sutter als «sehr valable Kandidatin». Sie bringe alles mit, inbesondere sei sie eine starke Persönlichkeit. Zwar sei Keller-Sutter auch im Ständerat jene rechtsbürgerliche Politikerin geblieben, als die sie sich im St.Galler Regierungsrat gezeigt habe. Als Beispiel nennt Gysi, die ebenfalls im st.gallischen Wil wohnt, die geplante Liberalisierung der Arbeitszeiten im Arbeitsgesetz, die Keller-Sutter zusammen mit Konrad Graber vorantreibe. Jedoch sei Keller-Sutter als Ständerätin thematisch breiter geworden.

Bilder: Die Politkarriere von Karin Keller-Sutter

«Sie ist die logische Kandidatin», sagt SVP-Ständerat Hannes Germann. Auch Germann fasst sein Lob im Dreiklang zusammen: Führungserfahrung, Dossierkompetenz und Sprachkenntnisse. Der Schaffhauser hat bereits 2010 für Keller-Sutter gestimmt, als sie gegen Johann Schneider-Ammann unterlag. Damals fehlten Keller-Sutter einige entscheidende Stimmen aus der SVP. Doch Germann glaubt, dass Keller-Sutter diesmal aus der SVP genügend Stimmen erhält. Allenfalls gebe es noch regionale Vorbehalte. Diese reichen in den St.Galler Ständeratswahlkampf von 2011 zurück, als Toni Brunner gegen den Gewerkschaftpräsidenten Paul Rechsteiner (SP) scheiterte. Die SVP gab damals Keller-Sutter eine Mitschuld, weil sie keine Wahlempfehlung für Brunner gab.

Wer will da noch aufs Zweiertickett?
Die Frage ist höchstens, wer neben Keller-Sutter noch auf ein Zweierticket der FDP will. SP-Ständerätin Anita Fetz ortet das einzige Problem für die Freisinnigen darin, in dieser Konstellation noch einen zweiten Kandidaten zu finden. Sie habe denn auch schon angeboten, sich im Notfall als Gegenkandidatin zur Verfügung zu stellen, sagt Fetz scherzend. Germann ist so überzeugt von Keller-Sutter, dass er es als starkes Signal der FDP sähe, wenn sie nur Keller-Sutter aufstellen würde.

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Wäre Karin Keller-Sutter eine gute Bundesrätin?




Der Urner Ständerat Josef Dittli, ein möglicher Kandidat der FDP, gab denn auch zeitgleich mit Keller-Sutters Ankündigung seinen Verzicht bekannt. Die Konstellation bei der Nachfolgeregelung des FDP-Bundesratssitzes spreche für eine Frau. Und Dittli wiederholt, was an diesem Tag alle sagen: «Mit Karin Keller-Sutter stellt sich eine Persönlichkeit zur Verfügung, die alles mitbringt für das Amt des Bundesrates.»

Vielleicht könnte ihr gerade diese Einhelligkeit des Lobes wiederum einige Stimmen kosten. «Bei der Wahl von 2010 haben einige in der SVP nicht für Keller-Sutter gestimmt, um der FDP nicht zu einer derartigen Wahlkampfmaschine zu verhelfen», sagt ein SVP-Nationalrat. Wie damals stehen wir ein Jahr vor den Nationalratswahlen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.10.2018, 17:08 Uhr

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