«Je nach Wirtschaftslage könnten die Preise sogar noch steigen»

Interview

In der UBS-Studie zur Entwicklung der Immobilienpreise nimmt Davos den Spitzenplatz ein. Landammann Hans Peter Michel sagt, welche Gründe er dafür ausmacht.

Der Davoser Landammann Hans Peter Michel vor dem Kongresszentrum in Davos. (Archivbild Keystone)

Der Davoser Landammann Hans Peter Michel vor dem Kongresszentrum in Davos. (Archivbild Keystone)

Martin Wilhelm@martin_wilhelm

Herr Michel, die UBS hat für Davos einen Preisanstieg bei den Immobilien von 7,6 Prozent errechnet – innerhalb von nur sechs Monaten. Deckt sich diese Zahl mit Ihrer eigenen Erfahrung vor Ort? Ich gehe davon aus, dass vor allem die Zweitwohnungen nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative im Wert gestiegen sind. Dass der Wert der Erstwohnungen auch entsprechend gestiegen ist, bezweifle ich.

Ist denn der Begriff Immobilienblase Ihrer Meinung nach für Davos angebracht? Nein. In Davos haben wir einen Zweitwohnungsanteil von 55 Prozent. Diese wirken wie ein Puffer. Der Zweitwohnungsmarkt ist viel weniger flexibel als der Erstwohnungsmarkt. Viele leisten sich mit einer Zweitwohnung etwas oder kaufen diese als Kapitalanlage. Wenn nun gut betuchte Leute hier eine Zweitwohnung haben und deren Marktpreis sinken würde, wäre dies nicht so schlimm, weil sie sie sowieso nicht verkaufen wollen. Solange der Ort attraktiv ist, wird für Zweitwohnungen aber ein schöner Preis bezahlt werden. Das Risiko, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn sich viele Leute ihre Häuser nicht mehr leisten können und sie verkaufen wollen, ist sicher viel kleiner als in den USA. Dramatische Einschnitte sind hier nicht zu erwarten.

Dann sind die Immobilienpreise gar kein Thema in Davos? Wir haben sicher genügend Wohnraum, die Frage ist nur, zu welchem Preis. Wir haben Mühe, genügend günstigen Wohnraum anzubieten. Da gab es bis jetzt tatsächlich einen Druck durch den Zweitwohnungsmarkt, der die Preise anstiegen liess – auch wenn es nicht der einzige Grund ist. Wenn nun keine neuen Zweitwohnungen gebaut werden können, gehen wir davon aus, dass die Preise bei den Erstwohnungen konstant bleiben oder sogar zurückgehen.

Wenn die Preise bei den Erstwohnungen konstant bleiben, bleibt aber auch das Problem des fehlenden günstigen Wohnraums bestehen. Wie lösen Sie denn dieses? Wir haben rund 180 Gemeindewohnungen geschaffen, die wir günstig abgeben. Zusätzlich haben wir nun Bauplätze für neun oder zehn Grundstücke im Baurecht abgegeben. Ortsansässige junge Familien mit Kindern können darauf günstige Einfamilienhäuser bauen. Interessanterweise war die Nachfrage jedoch nicht überwältigend. Doppelt so viele Bauplätze hätten wir nicht weggebracht. Wenn wir noch viel mehr unternehmen würden, um günstigen Wohnraum anzubieten, würden wir die Anbieter im Erstwohnungsbereich konkurrenzieren. Dies möchten wir aber nicht. Wir brauchen auch nur eine neue Erstwohnung, wenn wir einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Dies ist in der gegenwärtigen Zeit nicht so einfach.

Was ist denn hierzu Ihr Rezept? Wir werden nun mit dem Bau neuer Hotels Arbeitsplätze schaffen. Der Tourismus ist klar der Wirtschaftsmotor der meisten Gemeinden im Kanton. Wenn er wegen der drei W – Wetter, Währung und Wirtschaftslage – zurückgehen würde, wäre dies eine harte Herausforderung. Mit Forschung und Mittelschulen ist Davos aber besser dran als andere Orte. Das Klumpenrisiko ist hier nicht so gross – aber es besteht.

Kürzlich wurde bekannt, dass mehrere Gemeinden im Kanton Graubünden über eine Zweitwohnungssteuer nachdenken. Wollen Sie diese angesichts der steigenden Preise einführen? Die Gemeinde Davos verfügt über die Spezialität, dass sie als eine der allerletzten Gemeinden, und ganz sicher als letzte Tourismusgemeinde, im Kanton keine Liegenschaftssteuer kennt. Wenn nun eine Zweitwohnungssteuer im Kanton üblich würde, wäre Davos auch dabei. Sonst lassen wir uns dies noch offen.

Wie werden sich die Preise der Zweitwohnungen denn Ihrer Meinung nach entwickeln? Ich gehe davon aus, dass die Hochpreise bestehen bleiben, da keine neuen Zweitwohnungen mehr gebaut werden können. Je nach Wirtschaftslage könnten die Preise sogar noch steigen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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