Infektionsherd Spital: Die Handhygiene der Ärzte ist mangelhaft

Mundschutz tragen, Fenster schliessen, Hände waschen – die Hygiene in den Schweizer Spitälern ist ungenügend. Leidtragende sind die Patienten: Sie fangen sich Infektionen ein.

Bakterienherd Hände: In den Kliniken wird die Hygiene nicht überall eingehalten.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Bakterienherd Hände: In den Kliniken wird die Hygiene nicht überall eingehalten.

(Bild: Keystone)

Ein Augenschein im Spital zeigt: Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal laufen oft am Limit. Das hat negative Folgen für die Hygiene in den Kliniken. «Die Infektionsrate ist viel zu hoch», sagt Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen und Zürcher SP-Kantonsrätin auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Laut Experten könnte die spitalbedingte Infektionsrate um einen Drittel gesenkt werden. «Um die strengen Hygienevorschriften einhalten zu können, muss jedoch genügend gut ausgebildetes Personal vorhanden sein. Zudem sollte dieses nicht unter Zeitdruck arbeiten.»

Strenge Vorschriften

Laut Ziltener gibt es Fälle, in denen beispielsweise Pflegeassistentinnen wegen Personalmangels die Arbeit von Krankenschwestern übernehmen müssten, obwohl sie ungenügend in die Hygienevorschriften eingewiesen seien. Diese sind streng: So muss das Personal vor und nach jeder Behandlung die Hände waschen und mit Hygienemitteln desinfizieren, wobei die Dosierung klar geregelt ist.

Auch die Dauer, wie lange das Mittel einwirken soll, ist festgelegt. «Gerade die Handhygiene ist oft mangelhaft. Dabei werden Infektionen mit den Händen sehr schnell übertragen», sagt Ziltener. Eines ist dabei klar: Die Leidtragenden sind die Patienten. «Infektionen können zu schweren Gesundheitsschäden führen.» Auch Thomas Straubhaar, Präsident des Interkantonalen Vereins für Qualitätssicherung und –förderung (IVQ), kritisiert die Spitäler: «Infolge der immer strengeren Vorschriften hat die Hygiene nachgelassen. Das ist jedoch nicht nur in der Schweiz ein Problem.»

Qualität der Spitäler wird vergleichbar

Der IVQ und die nationale Gesellschaft für Qualitätssicherung (KIQ) werden im März fusionieren. Damit entsteht der neue Nationale Verein für Qualitätsentwicklung, der die Qualität der Spitäler erstmals schweizweit nach den gleichen Kriterien messen wird – unter anderem auch die Infektionsrate nach bestimmten operativen Eingriffen wie Blinddarmoperationen. An der Studie, die Mitte 2009 startet, nehmen 60 Spitäler teil – darunter die Kantonsspitäler Aarau, Baden, Bruderholz und Luzern sowie die Universitätskliniken Basel und Zürich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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