In der Falcon einmal ans andere Ende der Welt und zurück

Der Bundesratsjet ist für Ultra-Langstrecken ungeeignet. EDA-Chef Didier Burkhalter kümmert das aber nicht. Er fliegt damit sogar bis nach Neuseeland und Australien.

Transportierte den Aussenminister nach Vanuatu: Die Dassault Falcon 900EX gehörte dem Fürsten von Monaco, bevor er Anfang 2013 als Bundesratsjet zum Einsatz kam.

Transportierte den Aussenminister nach Vanuatu: Die Dassault Falcon 900EX gehörte dem Fürsten von Monaco, bevor er Anfang 2013 als Bundesratsjet zum Einsatz kam.

Hubert Mooser@bazonline

Die Reisen der früheren Aussenministerin Micheline Calmy-Rey mit dem kleinen Bundesratsjet in entfernte Regionen wie zum Beispiel Sri Lanka gaben im Bundesrat regelmässig zu reden. Besonders der Walliser Pascal Couchepin kritisierte Dienstreisen mit der Falcon 50 in ferne Länder. Auf Kritik pflegte die damalige EDA-Chefin zu antworten: Flüge mit der Falcon 50 seien nicht teurer, aber praktischer. Ihr Nachfolger im Amt fliegt mit dem kleinen Bundesratsjet sogar noch viel weiter: Am 23. Oktober 2013 hob Aussenminister Didier Burkhalter mit dem Bundesratsjet zu einer Reise nach Neuseeland, Australien und Vanuatu ab, wie das EDA bestätigt. Weiter entfernte Destinationen kann man von der Schweiz aus nicht mehr anfliegen.

Zwar handelt es sich nicht mehr um die gleiche Maschine, mit der Calmy-Rey in der Welt herumflog. Der Bund hat im letzten Jahr das ausrangierte Flugzeug der monegassischen Regierung gekauft, eine Falcon 900EX. Die Maschine verfügt über eine grössere Reichweite als die Falcon 50. Aber auch die Falcon 900EX ist nicht für «Ultra-Langstrecken» nach Neuseeland gedacht – weil man auf so einer langen Reise zwischenlanden und Besatzungen vorpositionieren muss. Und dies verursacht hohe Kosten. Von Bernerzeitung.ch/Newsnetz befragte Experten kritisierten deshalb Burkhalters Flug mit der Falcon 900EX nach Neuseeland als Verhältnisblödsinn. Aber auch im Bundesrat löste die Reise Kopfschütteln aus.

Zwischenstopp auf Bali

Warum begab sich der EDA-Chef mit einer so kleinen Maschine auf eine so lange Reise? Man habe verschiedene Optionen geprüft, sagt sein Informationschef Jean-Marc Crevoisier. «Ohne Bundesratsjet hätte die Reise länger gedauert und Bundesrat Burkhalter wäre nicht rechtzeitig für die darauffolgende Bundesratssitzung zurück gewesen.» Zur Kostenfrage sagt Crevoisier: Da Flugzeug und Mannschaft ohnehin zur Verfügung stehen, sei die Reise mit dem Bundesratsjet preisgünstiger als ein Linienflug. So beliefen sich die Flugkosten für die vierköpfige Delegation nach Neuseeland mit der Falcon 900EX auf zirka 45'000 Franken. «Mit einem Linienflug hätte die Reise 79'000 Franken gekostet.» Allerdings handelt es sich bei den vom EDA vorgelegten Kosten von 45'000 Franken bloss um die Mehrkosten für die Eidgenossenschaft, die durch Burkhalters Reise mit dem Bundesratsjet entstanden sind, zum Beispiel für Linienflüge und Hotelübernachtungen der vorausgeschickten Ersatzcrew, wie Crevoisier weiter ausführt.

Die Maschine musste auf dem Hin- und Rückflug je einen Zwischenstopp im indischen Ahmedabad und auf der Ferieninsel Bali (Indonesien) einschalten. Zwei Besatzungen waren für Burkhalters Reise notwendig, deren Löhne in den 45'000 Franken nicht berücksichtigt sind. «Sie stehen sowieso auf der Lohnliste des Bundes», sagt Crevoisier. Nicht berücksichtigt sind auch alle anderen Kosten wie beispielsweise die Amortisation des Jets.

Rückflug mit dem Bundesratsjet aus Nordamerika

Welche Kosten Burkhalters Reise im Bundesratsjet nach Neuseeland und Australien dem Steuerzahler tatsächlich verursachte, lässt sich anhand eines Vergleichs abschätzen. Vor einigen Jahren musste ein in Nordamerika «gestrandetes» Regierungsmitglied im Bundesratsjet in die Schweiz zurückgeholt werden. Dafür wurden dem entsprechenden Departement intern Kosten von gegen 100'000 Franken verrechnet. Ein Flug nach Neuseeland, Australien und Vanuatu dürfte wohl noch einiges mehr kosten. Eine Flugstunde mit der neuen Falcon so laut gutinformierte Kosten von insgesamt 8600 Franken verursachen. Allein der Hin-und Rückflug nach Neuseeland, also ohne Abstecher nach Australien und Vanuatu, dürfte die Eidgenossenschaft mehrere hundertausend Franken gekostet haben.

Dazu kommt, dass die Maschine anderen Regierungsmitgliedern längere Zeit für unerwartete Ereignisse nicht zur Verfügung steht. Am 23. Oktober, als Burkhalter mit dem Bundesratsjet seine lange Dienstreise startete, wollte dem Vernehmen nach Bundespräsident Ueli Maurer trotz engen Terminkalenders nach der Bundesratssitzung an der Beerdigung des unerwartet verstorbenen Tessiner Lega-Staatsrats Michele Barra teilnehmen. Er musste jedoch bereits um 18 Uhr zurück in Bern sein. Mit dem Superpuma hätte es der Bundespräsident ins Tessin und zurück geschafft. Nur konnte der Helikopter wegen schlechten Wetters nicht aufsteigen. Mit dem Bundesratsjet wäre dagegen ein Flug möglich gewesen, der war aber bereits gebucht für Neuseeland. An Stelle von Maurer reiste schliesslich Bundeskanzlerin Corina Casanova auf dem Landweg ins Tessin.

Das VBS sagte dazu auf Anfrage: Ein Flug mit dem Bundesratsjet habe nicht zur Diskussion gestanden - weil man vom Tessiner Flughafen Agno bis nach Ascona noch eine längere Autofahrt hätte in Kauf nehmen müssen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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